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FDP-Treffen in Stuttgart: Die teuersten Drei Könige, die es je gab

Am Sonntag feiert die FDP den politischen Jahresbeginn in der Stuttgarter Staatsoper. Noch nie war das Drei-Königs-Treffen so teuer wie jetzt: 30.000 Euro müssen die Liberalen dafür hinlegen.

Von Hans Peter Schütz

Eigentlich sollten die Liberalen auf Teufel komm raus sparen. Nach dem Bundestagswahlkampf und ihrem Rauswurf aus dem Parlament ist die Parteikasse leer. Spendengelder aus den Kassen der Lobbyisten fließen nur noch spärlich. Denn der politische Einfluss der FDP ist praktisch null. Es gibt zudem weniger Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Ob die Liberalen 2017 wieder in den Bundestag zurückkehren, ist ungewiss.

Und die Zeiten, da die Delegierten nach Kriegsende zum Drei-Königs-Treffen in ihren Taschen Holz und Kohle ins Staatstheater mitbrachten, um dort wenigstens ein bisschen heizen zu können, sind lange vorbei. Stattdessen wird seit Jahren hitzig darüber diskutiert, ob denn die Liberalen nicht endlich mal eine angemessene Miete für ihr Polit-Treffen zahlen müssten.

Subventionen aus der Staatskasse

Einst zahlten die Liberalen nur 4500 Euro, dann wurde die Miete des Staatstheaters auf 6000 Euro erhöht und zuletzt kostete die Staatsoper 10.000 Euro. Der geschäftsführende Theater-Intendant Marc-Oliver Hendriks argumentiert seit Jahren im Verwaltungsrat dagegen, dass man aus historischen Gründen ausgerechnet mit der FDP eine Partei finanziell unterstütze, die sich immer mal wieder gegen die Subventionierung der deutschen Theater äußert. Auch das Staatstheater wird massiv aus der Staatskasse unterstützt: Nur ein Fünftel seiner Kosten kommt aus dem Portemonnaie der Besucher.

In den Gesprächen mit der FDP macht Hendriks folgende Rechnung auf: Würde er statt FDP-Politik am 6. Januar die ebenfalls möglichen Ballettvorstellungen bieten, könne er bis zu 60.000 Euro einnehmen. Insofern seien die 30.000 Euro, die er jetzt verlange, ein echter "Schnäppchen-Preis." Er müsse sich in seinem Verwaltungsrat ja sogar gegen den Vorwurf "einer Quersubventionierung einer politischen Partei" rechtfertigen.

Im Hintergrund spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass der baden-württembergische FDP-Landesverband bis heute als finanzielle besonders wohlhabend gilt. Der FDP-Landes-Schatzmeister Michael Link sprach bisher gerne davon, sein Landesverband sei "sehr gesund finanziert".

Delegiertentreffen statt Dreikönigsball

Weil sie diesen Argumenten nichts entgegenzusetzen hatten, haben die Liberalen die geforderten 30.000 Euro akzeptiert. Hendriks hat jedoch bereits angekündigt, dieser Preis sei "ein Übergangsangebot." Gespart wird aber auch schon dieses Jahr: Bisher gab es in der Nacht vom 5. Januar auf den 6. Januar stets einen "Dreikönigsball", auf dem die Promis der FDP ihre Damen zum Tanz führten. Stattdessen wird jetzt zu einem "Delegiertentreffen" geladen.

Gespannt ist man in der FDP-Führung, wie gut sich der neue baden-württembergische Landesvorsitzende und Europa-Abgeordnete Michael Theurer auf dem Drei-Königs-Treffen verkauft. Er steht auf dem Standpunkt: "Wir haben uns selbst verengt auf Steuersenkungen." Jetzt sei es Zeit, auch die Bürger zu hören. "Wir sind nicht Funktionspartei und auch nicht der Arbeitskreis Wirtschaft der CDU", sagte er nach seiner Wahl. Der neue FDP-Parteichef Christian Lindner erwartet, wie er stern.de sagte, von dem Stuttgarter Treffen, "wieder eine klare politische Richtung".

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