Verhandlungen
Madsen: Lyten will Northvolt-Tochter zeitnah übernehmen

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (links, CDU) will Lyten-Chef Dan Cook besuchen. (Archivbild) Foto: Fra
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (links, CDU) will Lyten-Chef Dan Cook besuchen. (Archivbild) Foto
© Frank Molter/dpa
Noch sind viele Fragen offen: Lyten strebt die Übernahme der deutschen Northvolt-Tochter an. Die Region Heide hofft auf Klarheit – und neue Perspektiven für die Batterieproduktion.

Das US-Unternehmen Lyten arbeitet nach Darstellung von Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen weiterhin an einer zeitnahen Übernahme der deutschen Tochter des Batterieherstellers Northvolt. Zuvor seien jedoch noch einige Sachen zu klären, sagte der CDU-Politiker im Wirtschaftsausschuss des Landtags. Näher ging Madsen darauf im öffentlichen Teil der Sitzung aber nicht ein.

Lyten plane bei Heide eine Kombination aus Batteriezellproduktion, Rechenzentrum, Batteriespeicher und eines Knotenpunktes für andere Unternehmen, sagte Madsen. Bautätigkeiten könnten demnach 2027 starten. Die Firma mit Sitz im kalifornischen San José plane in den kommenden Wochen einen hochrangigen Besuch vor Ort.

Madsen war im Februar in die USA gereist und hatte dort mit Lyten-Chef Dan Cook gesprochen. Er habe einen Eindruck von Unternehmen und Personen bekommen wollen, sagte Madsen. "Die Gespräche waren harmonisch und das Unternehmen hat sich sehr engagiert präsentiert." Der potenzielle neue Investor brauche eine faire Chance. "Sie müssen hierherkommen, sie müssen die Menschen vor Ort überzeugen."

Ende Februar hatte das US-Unternehmen die Übernahme des insolventen schwedischen Teils von Northvolt abgeschlossen - die Stammfabrik in Skellefteå und das Entwicklungszentrum in Västerås. Laut der Firma mit Sitz im kalifornischen San José haben die schwedischen Standorte einen Wert von insgesamt fast 5 Milliarden Dollar (etwa 4,2 Milliarden Euro). Die Gespräche mit Bund, KfW und Schleswig-Holstein über die deutsche Northvolt-Tochter laufen dagegen noch.

Unmittelbare Auswirkungen der Übernahme des schwedischen Teils auf die deutsche Tochter gibt es nach Madsens Angaben nicht. Ursprünglich wollte Northvolt bei Heide eine Batteriefabrik mit rund 3.000 Arbeitsplätzen errichten und hatte dafür von der staatlichen Förderbank KfW eine Wandelanleihe über rund 600 Millionen Euro erhalten. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte. Ein Teil des Geldes wurde verbaut oder für Käufe eingesetzt. Noch mehr als 200 Millionen Euro sollen aber erhalten sein.

Madsens Vorgänger Bernd Buchholz (FDP) mahnte, die Diskussion um die umstrittene Northvolt-Förderung von der Frage des potenziellen neuen Investors zu trennen. "Im ersten Fall steht fest, dass ein Schaden von 350 Millionen Euro eingetreten ist, der kann sich aber noch auf 600 Millionen Euro erhöhen."

Das schwedische Unternehmen galt als Produzent von Batterien für E-Autos lange Zeit als große Hoffnung für die europäische Automobilindustrie. Auf die Einleitung eines Expansionskurses folgten jedoch mehrere Rückschläge, unter anderem der Rückzug eines Milliardenauftrags für Batteriezellen durch den Autobauer BMW.

dpa