Ein Mann soll innerhalb von drei Tagen zuerst seine Ehefrau und dann seinen geistig behinderten Sohn erstickt haben. Heute Dienstag (15.00 Uhr) wird das Frankfurter Landgericht das Urteil in dem Fall verkünden. Der 82-Jährige hatte mehrere Tage lang mit den Leichen in einem Einfamilienhaus in Oberursel im Hochtaunuskreis gelebt. Der Staatsanwalt forderte eine Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes, der Rechtsanwalt plädierte auf Freispruch.
Der Anklage zufolge tötete der Mann seine Ehefrau am 8. März 2025 in dem Haus, anschließend holte er seinen 49-jährigen Sohn ab, der in Bad Vilbel im Wetteraukreis lebte. Zurück in Oberursel verbrachten die beiden diesen und den nächsten Tag miteinander. Am 10. März wurde auch der Sohn erstickt. Drei Tage später entdeckten Polizisten in dem Haus die Leichen, nachdem die Freundin eines der weiteren Söhne des Angeklagten sie benachrichtigt hatte. Der heute 82-Jährige wurde noch am selben Tag festgenommen.
Sturz von der Couch?
In dem seit mehr als zwei Monaten laufenden Prozess hatte der nicht vorbestrafte Mann unterschiedliche Tatversionen geschildert. So sagte er etwa aus, seine Frau sei im Streit gemeinsam mit ihm von der Couch gefallen, er sei ohnmächtig geworden. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe die 72-Jährige tot neben ihm gelegen. Seinem Sohn habe er eine Plastikfolie ins Gesicht gehalten, nachdem dieser wegen eines künftigen Heimaufenthalts hysterisch geworden sei. Er selbst sei erschüttert gewesen, als er seinen Tod festgestellt habe.
In seinem letzten Wort sagte der Mann, es sei für ihn ein schweres Schicksal, nun ohne seine Frau und den Sohn leben zu müssen. Er habe beide geliebt und nie gewollt, dass seine Frau vor ihm sterbe, denn jetzt sei er alleine und werde es bleiben.
Tod der früheren Ehefrau
In dem Prozess wurde bekannt, dass der Mann schon einmal mehrere Tage mit einer Leiche im Haus gelebt hatte, und zwar mit seiner früheren Ehefrau. Diese sei 2017 gestorben, berichtete die Ermittlungsführerin der Polizei. Mindestens fünf Tage lang habe sie tot in dem Haus in Hanau gelegen, bis der jetzt Angeklagte einen Arzt verständigt habe. Die damals festgestellte Todesursache sei zweifelhaft. Obduziert worden sei die Leiche nicht, sie sei eingeäschert worden. "Die Umstände des Todes sind sehr dubios", sagte dazu der Staatsanwalt.