Der Krieg im Nahen Osten belastet auch die hessische Landwirtschaft. Die Ölkrise führe zu Preisexplosionen bei Düngemitteln und Treibstoff, erklärte der Hessische Bauernverband. "Besonders betroffen sind Stickstoffdünger, deren Herstellung stark energieabhängig ist", erläuterte Sprecherin Marie-Claire von Spee.
Insbesondere bei Stickstoffdüngern hätten die Preise innerhalb weniger Tage nach Kriegsbeginn massiv angezogen und sich inzwischen teilweise verdoppelt. Die Versorgung sei aktuell noch gesichert, aber zu deutlich höheren Kosten.
Differenz zwischen Kosten- und Preissteigerungen
"Solche Kostensteigerungen können die Betriebe nicht kurzfristig auffangen", betonte von Spee. Problematisch sei zudem, dass sich die Mehrbelastungen bislang nicht in entsprechend höheren Erzeugerpreisen widerspiegelten. "Die Preise für landwirtschaftliche Produkte entwickeln sich deutlich langsamer als die Kosten für Energie und Betriebsmittel. Für manche Feldfrüchte haben wir eine negative Entwicklung der Preise."
Ungünstiger Zeitpunkt für Landwirte
Der Preisanstieg beim Dünger treffe die Landwirtschaft in einem ackerbaulich kritischen Moment, denn die Frühjahrsbestellung sei in vollem Gange. Kurzfristige Alternativen gebe es kaum. "Pflanzen brauchen in der Wachstumsphase im Frühjahr Nährstoffe, ansonsten kann es später zu Ertragseinbußen kommen", erklärte die Sprecherin.
Viele Betriebe versuchten, Düngergaben noch stärker zu optimieren, etwa durch präzisere Ausbringung mit moderner Technik oder den verstärkten Einsatz organischer Dünger. "Das ersetzt mineralischen Stickstoff jedoch nicht vollständig und kann die Kostensteigerungen nur begrenzt abfedern."
Gestiegene Kraftstoffpreise verschärfen Lage
Eine zusätzliche Belastung seien die gestiegenen Kraftstoffpreise. "Kraftstoff ist für die tägliche Arbeit auf den Höfen ein zentraler Kostenfaktor – sei es für Feldarbeiten, Ernte oder Transporte", sagte von Spee. "Allein der Dieselpreis ist in kurzer Zeit deutlich gestiegen, ein erheblicher Anteil davon entfällt auf die CO₂-Bepreisung."
Das verschärfe die Situation spürbar, zumal Deutschland dabei über dem Niveau vieler europäischer Nachbarländer liege. "Anders als in anderen Branchen können landwirtschaftliche Arbeiten nicht verschoben oder eingespart werden – Feldarbeit und Ernte sind zeitgebunden."
Bauernverband fordert Entlastungen
Die Landwirte bräuchten dringend Entlastungen, fordert der Verband. "Eine Aussetzung der CO₂-Bepreisung auf Diesel, wie bereits vom Deutschen Bauernverband gefordert, würde nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch anderen Wirtschaftsbereichen helfen, die auf bezahlbare Energie angewiesen sind", erläuterte von Spee.
Halte der aktuelle Kostendruck über einen längeren Zeitraum an, drohten spürbare strukturelle Folgen für die Landwirtschaft bis hin zur Aufgabe weiterer Betriebe. Das könne niemand wollen und sei weder im Interesse der Versorgungssicherheit noch des ländlichen Raums.
Biogas als Alternative
Noch wichtiger werde nun, auf lange Sicht die massiven Potenziale von Biogas zu nutzen. "Biogas stärkt nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Wertschöpfung im ländlichen Raum und die Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe", führte die Sprecherin aus.
Aktuell sei das Ausschreibungsvolumen zu gering, der Weiterbetrieb von Bestandsanlagen unsicher und die EEG-Regelungen zu restriktiv. "Es ist notwendig, das Ausschreibungsvolumen erheblich zu erhöhen, insbesondere die Flexibilisierung und die Grundlastfähigkeit zu honorieren und Biogas als systemrelevant für die Versorgungssicherheit in die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung zu integrieren."