Erst knutschte Georg Zimmermann nach dem überraschenden Triumph beim Radklassiker Eschborn-Frankfurt seine Freundin. Dann setzte sich der deutsche Meister erschöpft auf den Boden, um den Sieg kurz einmal sacken zu lassen.
Der 28-Jährige gewann in einem packenden Finale in einem Sprint aus einer größeren Gruppe und sorgte damit für den ersten deutschen Sieg seit 2019 - und das auch noch im deutschen Meistertrikot. "Ich habe immer gehofft, dass ich in dem wunderschönen Trikot mal ein Rennen gewinnen kann. Und das ist ja das Nonplusultra, in Frankfurt in dem Trikot zu gewinnen", sagte Zimmermann.
"Der größte Sieg meiner Karriere"
Der Profi vom Team Lotto Intermarché verwies den britischen Topfavoriten Thomas Pidcock auf den zweiten Platz. Dritter wurde Pidcocks Landsmann Ben Tulett. Beim Erfolg von Zimmermann waren die beiden aber wie auch die anderen Profis nur Nebendarsteller.
"Das ist das Schönste, was ich in meiner Karriere erleben durfte bisher. Das ist der größte Sieg meiner Karriere", sagte Zimmermann nach seinem Coup dem Hessischen Rundfunk (HR). "Ich bin einfach nur unfassbar stolz und erschöpft und glücklich - alles zusammen."
Lokalmatador Rutsch krönt sich zum Bergkönig
Zuvor entwickelte sich der Klassiker über 211 Kilometer und mit mehr als 3.300 Höhenmetern zu dem erwartet schwierigen Rennen. Zunächst bildete sich eine fünfköpfige Spitzengruppe um Lokalmatador und Zimmermanns Teamkollegen Jonas Rutsch, der sich mit den meisten Bergpunkten dieser Ausgabe zum Bergkönig krönte.
Es sei von Beginn an der Plan gewesen, in die Spitzengruppe zu kommen, erklärte Rutsch. "Das ist aufgegangen, und das mit der Bergwertung kam dann tatsächlich erst im Rennen." Das Führungsquintett um ihn hatte zwischenzeitlich mehr als sechs Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld.
Letzter Mammolshainer Stich bringt Vorentscheidung
Doch das Feld erhöhte im Verlauf deutlich das Tempo und stellte die Ausreißer rund 65 Kilometer vor dem Ziel wieder. Für eine Vorentscheidung sorgte die letzte Auffahrt des Mammolshainer Stichs, wo sich eine zwölfköpfige Spitzengruppe absetzte. Darunter auch die deutschen Profis Florian Stork, Felix Engelhardt - und eben auch Zimmermann.
Zimmermann versteckte sich auf den letzten Kilometern größtenteils in der Gruppe und sparte damit wertvolle Kräfte für das Finale. Mit einem langen Sprint düpierte er die Konkurrenz.
Degenkolb ist ohne Chance, macht aber weiter
Mit der Entscheidung nichts zu tun hatte John Degenkolb, der nach seiner verletzungsbedingten Pause im vergangenen Jahr diesmal wieder am Start stand. Geschwächt von einer Erkältung verlor er schon früh den Anschluss zum Hauptfeld. Es war aber nicht der letzte Auftritt des 37-Jährigen bei seinem Heimrennen.
Vor dem Start gab Degenkolb bekannt, seine Karriere im Team Picnic–PostNL im kommenden Jahr fortzusetzen. Der Routinier hatte den Radklassiker in Hessen 2011 gewonnen.
Verschärftes Streckenprofil
Das einst als "Rund um den Henninger-Turm" bekannte und später umbenannte Traditionsevent gibt es seit 1962 und präsentierte sich in diesem Jahr noch anspruchsvoller. Neben der leicht verlängerten Distanz gab es den Burgweg in Schmitten-Niederreifenberg mit einer Länge von rund 500 Metern und einer durchschnittlichen Steigung von etwa elf Prozent als zusätzliche Schwierigkeit. Er wurde dreimal befahren. Das machte es für die Sprinter besonders hart. Für Zimmermann sollte sich das neue Profil als Glücksfall erweisen.