187 Jahre alt
Mehr als heiße Luft – Museum zeigt historische Dampfmaschine

Über das große Schwungrad der Dampfmaschine wurden damals mehrere Maschinen betrieben. Foto: Jens Büttner/dpa
Über das große Schwungrad der Dampfmaschine wurden damals mehrere Maschinen betrieben. Foto
© Jens Büttner/dpa
Im Burgmuseum in Plau am See herrscht große Aufregung: Seit Tagen schrauben Restauratoren an einer tonnenschweren Maschine herum. Und diese kennt man hier nicht nur wegen der "Feuerzangenbowle".

Sie ist 187 Jahre alt, wiegt fast zwölf Tonnen und gilt als eine der ersten ihrer Art: Im Burgmuseum Plau am See (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wird gerade eine originale Hochdruckdampfmaschine aufgebaut. Sie ist eine Leihgabe des Deutschen Museums in München und ein Highlight für die Museumsmitarbeiter. "Ich kannte die Maschine ja von Bildern", sagt Peter Pochert, Vorstandsmitglied des Plauer Heimatvereins. Das Burgmuseum wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins geführt. "Aber wenn man sie dann vor Augen hat, ist das überwältigend."

Früher mal in einer Tuchfabrik

Die schwere Dampfmaschine mit einem schwingenden Zylinder stammt vom Erfinder Ernst Alban (1791-1856) und wurde in Güstrow (Landkreis Rostock) gebaut. Von 1840 bis 1900 war sie nach Angaben des Deutschen Museums in einer Tuchfabrik in Plau am See im Einsatz, bevor sie für mehr als 100 Jahre in München ausgestellt wurde.

"Wir haben natürlich immer neidvoll nach München geguckt und gesagt: Mensch, das wäre ja toll, wenn wir die irgendwie herkriegen würden", sagt Pochert. "Aber das war eigentlich zu illusorisch." Das Burgmuseum beherbergt schon lange eine Technikausstellung über den gebürtigen Neubrandenburger Ernst Alban, der in Plau am See lebte. 2023 dann die große Chance: Das Deutsche Museum beginnt mit einer Neukonzeption – und die Dampfmaschine landet im Depot.

Decke auf, Maschine rein

Es gab nur ein Problem: Die Maschine sei für das Museum eigentlich zu groß gewesen, und große Umbaumaßnahmen seien teuer, betont Pochert. Mit der Unterstützung des Landrats habe das Museum über eine Stiftung schließlich die nötigen finanziellen Mittel erhalten.

"Eigentlich wollten wir extra für die Maschine einen Anbau machen", sagt Pochert. Der Denkmalschutz habe diesem Vorhaben aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also sei ein Raum für die viereinhalb Meter hohe und fast drei Meter breite Maschine freigeräumt worden. Ein Graben wurde gebaut, das Fundament unterfüttert, die Decke aufgebrochen. Über ein großes Loch in der Außenwand sei die große Maschine dann in den Raum transportiert worden. Mit der Montage sei eine Spezialfirma aus Duisburg in Nordrhein-Westfalen beauftragt worden.

Einer der Restauratoren ist Ulrich Feldhaus. "Das ist schon eine besondere Maschine, auch wegen ihres hohen Alters", sagt der Geschäftsführer des beauftragten Restaurierungsateliers "Die Schmiede". "Und die Bauart ist wirklich sehr selten. Das ist ja fast wie so ein griechischer Tempel." Feldhaus und sein Team hatten sie damals schon im Deutschen Museum abgebaut, nun bauen sie die Maschine im Burgmuseum wieder auf. Spätestens am Donnerstag wollen sie damit fertig sein, dann fehle nur noch der Feinschliff.

"Repliken können das einfach nicht ersetzen"

Originalstücke auszustellen und zu erhalten, sei immer wünschenswert, sagt Michael Rahnfeld vom Arbeitskreis Technikgeschichte im Museumsverband in MV. Zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Mecklenburg-Vorpommern gehöre auch das industrielle Erbe. "Dass man nicht alles zeigen kann, ist klar", sagt Rahnfeld. Viele Originale seien sehr groß, schwer und oft nicht mobil. Für Transport und Umbaumaßnahmen fehle den Kommunen oft das Geld. "Das sind finanzielle Kraftakte."

Das Besondere an der Hochdruckdampfmaschine im Burgmuseum sei, dass sie einen engen Bezug zum Standort habe. "Solche Exponate oder Denkmäler wie die Alban'sche Dampfmaschine stehen natürlich für Mecklenburg-Vorpommern", sagt Rahnfeld. Insofern sei ein solches Original ein absoluter Besuchermagnet. "Repliken können das einfach nicht ersetzen." Wie viele Dampfmaschinen es im Land gibt, sei ihm nicht bekannt. Eine offizielle Übersicht fehle.

In ganz Deutschland verzeichnet die Datenbank des Ingenieurs Albert Gieseler knapp 700 Dampfmaschinen in Museen, Vereinen und Technischen Denkmälern, sagt der Kurator für Kraftmaschinen am Deutschen Museum in München, Thomas Röber. Ausgenommen seien Fabriken oder TÜVs, die oft noch eine alte Dampfmaschine vor der Tür stehen hätten. "Stationäre Dampfmaschinen, die versetzt werden, wie in Plau, gibt es eher nicht so oft in dieser Größenordnung."

Wie bei der "Feuerzangenbowle"

Und wie funktioniert so eine Hochdruckdampfmaschine? Eigentlich sei es so, wie es im Filmklassiker "Die Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann beschrieben werde, sagt Pochert. In einem Dampferzeuger werde Wasser erhitzt. Der entstandene Druck bewege im Zylinder dann einen Kolben. "Im Prinzip kommt heißer Dampf rein, der drückt den Kolben runter. Dann geht der heiße Dampf wieder raus und der Kolben kommt hoch." Diese Bewegung werde auf ein großes Schwungrad übertragen, das mitunter zehn Maschinen mit Energie versorgt habe.

Das Burgmuseum erhofft sich durch das neue Exponat mehr Besucherinnen und Besucher. Im Schnitt seien es rund 10.000 pro Jahr. Ab Gründonnerstag (2. April) öffnet das Museum wieder. Wer will, kann sich die Dampfmaschine aus der Nähe anschauen und sie in Aktion erleben. Statt wie früher mit heißem Dampf wird sie dafür aber elektrisch betrieben, sagt Pochert.

dpa