DDR-Bau aus den 1970ern
Streit um Denkmalschutz für altes Volkstheater Rostock

Der Theater-Vorplatz, das Eingangsgebäude und das dahinter liegende backsteinerne Probebühnenhaus sind vom Landesamt unter Denkm
Der Theater-Vorplatz, das Eingangsgebäude und das dahinter liegende backsteinerne Probebühnenhaus sind vom Landesamt unter Denkmalschutz gestellt worden. (Archivbild) Foto
© Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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Das Volkstheater in Rostock bekommt einen Neubau, weil der alte aus den 1970er Jahren marode ist. Eine Sanierung wäre zu teuer, heißt es. Aus dem geplanten Abriss wird aber wohl nichts.

Zwischen der Hansestadt Rostock und der Landesregierung in Schwerin herrscht dicke Luft wegen des alten Volkstheaters. Die Stadt will den DDR-Bau aus den 1970er Jahren laut einem Sprecher abreißen und dort Wohnungsbau ermöglichen. Das Theater soll einen Neubau bekommen, die Arbeiten haben bereits begonnen. Nun hat das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege den terrassierten Vorplatz, das Eingangsgebäude und das dahinter liegende backsteinerne Probebühnenhaus unter Denkmalschutz gestellt. Zuvor hatte die „Ostsee-Zeitung“ darüber berichtet.

Ein Stadtsprecher erklärte, die Unterschutzstellung von Teilen des Theaters und Außenflächen konterkariere die Pläne der Stadt und würde sie wirtschaftlich unmöglich machen. Laut CDU-Fraktion in der Bürgerschaft sollte der Verkauf der Fläche fünf bis zehn Millionen Euro einbringen. Damit sollte ein Teil der Kosten für den Neubau gedeckt werden, so Fraktionschefin Chris Günther.

Sie wirft der rot-roten Landesregierung in Schwerin vor, die kommunale Verantwortung auszuhebeln. „Wir reden hier über einen Gebäudeteil, der zu klein ist, dessen Brandschutz nicht mehr funktioniert und der mit Schadstoffen belastet ist“, so Günther. „Selbst Umkleiden mussten wegen Schimmel gesperrt werden. Wer so etwas unter Schutz stellt, schützt nicht die Geschichte, sondern die Absurdität.“

Ministerium: fachliche Kriterien

Das Kulturministerium in Schwerin bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege „auf Eingabe einer Privatperson hin den Denkmalwert des Volkstheaters geprüft und für Teile des Ensembles einen Denkmalwert festgestellt hat“. Dabei handele es sich um den Eingangsbereich mit der gestalteten Freifläche, das Eingangsgebäude und das Probebühnenhaus.

„Die Feststellung des Denkmalwertes erfolgt ausschließlich nach fachlichen Kriterien auf Grundlage des Denkmalschutzgesetzes Mecklenburg-Vorpommern“, betonte ein Ministeriumssprecher. „Maßgeblich ist, ob an der Erhaltung und Nutzung einer Sache ein öffentliches Interesse besteht.“ Politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Erwägungen seien hingegen nicht ausschlaggebend. „Ebenso setzt Denkmaleigenschaft nicht voraus, dass ein Objekt allgemein als schön empfunden wird oder gefällt.“

Bezüge zu Seefahrt und Backsteintradition

Die zwischen 1975 und 1978 entstandene Erweiterung des Volkstheaters Rostock mit Vorplatz, Eingangsgebäude und Probebühnenhaus besitze besonderen architektur-, stadt- und kulturgeschichtlichen Zeugniswert. „Die Anlage verbindet eine klare, geometrisch-moderne Formensprache mit städtebaulicher Sensibilität und lokalen Bezügen – von der Rostocker Seefahrt über die Industriegeschichte der Kröpeliner-Tor-Vorstadt bis zur regionalen Backsteintradition.“ Zugleich stehe sie für eine frühe Rückbesinnung auf die historische Stadt und für eine qualitätvolle Weiterentwicklung des Bestands.

CDU-Frau Günther forderte das Land auf, die Denkmalschutz-Entscheidung zu korrigieren oder die finanziellen Folgen zu übernehmen. „Was wir nicht akzeptieren werden, ist eine Bauruine mitten in der Stadt, nur weil im Ministerium jemand nostalgische Gefühle für DDR‑Architektur entwickelt hat.“

dpa