Man hat den Eindruck, dass die Ratlosigkeit in den Gesichtern umso größer wird, je länger die Vernehmung andauert. Zweieinhalb Stunden wird Matthias R., der Vater des getöteten Fabian, am Donnerstag vom Vorsitzenden Richter im Landgericht Rostock befragt. Zweieinhalb Stunden, in denen er zur Aufklärung hätte beitragen können. Und an deren Ende doch mehr Fragezeichen stehen als zuvor.
Matthias R. war mehr als vier Jahre mit Gina H. liiert, mit der Frau, die angeklagt ist, seinen achtjährigen Sohn mit sechs Messerstichen getötet zu haben. Im August 2025 hatte er sich von ihr getrennt, ein paar Wochen später verschwand Fabian aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow. Kurz darauf wurde seine Leiche gefunden, verbrannt an einem abgelegenen Tümpel. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Gina H. den Jungen tötete, weil sie die „vage Hoffnung“ gehabt habe, dass Matthias R. zu ihr zurückkehren würde, wenn Fabian nicht mehr lebe. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Nachrichten und Aussageprotokolle, die an diesem zweiten Verhandlungstag in den Prozess eingeführt werden, zeichnen das Bild einer toxischen Beziehung, in der es keine klar verteilten Täter-Opfer-Rollen gibt. Sie deuten auf eine ungesunde Mischung aus Eifersucht und Kontrollzwang hin, Aggression und Übergriffen. Und womöglich auf eine gehörige Fähigkeit zur Manipulation.