Nach dem Eisschaden der Fähre "Vitte" hält weiterhin nur der Eisbrecher "Swanti" einen Notverkehr von und zur Insel Hiddensee aufrecht. Erlaubt sei nur die Mitfahrt in Notfällen, etwa bei nicht aufschiebbaren Arztterminen, sagte eine Sprecherin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Ostsee am Donnerstag. Das könnten etwa Dialysen oder Chemotherapien sein.
Ansonsten sei das Schiff für den Eisaufbruch und zum Gütertransport gedacht. Am Donnerstagmorgen habe die Schiffsuntersuchungskommission (SUK) das Schiff in Augenschein genommen. Die Ergebnisse stünden noch aus. Es gehe um die Frage, ob der Personenverkehr in sehr begrenztem Maße über die derzeit geltende Regelung hinaus erlaubt werden könne.
Das Schiff verkehrt aktuell nach Angaben der Reederei Hiddensee zwischen Vitte auf Hiddensee und Wittow Süd. Jeweils drei Abfahrten sind demnach täglich vorgesehen. Das Schiff hat laut Reederei Platz für maximal 20 Passagiere. Touristische Fahrten seien untersagt. Die Polizei kontrolliere dies zu den Abfahrten, schrieb ein Unternehmenssprecher.
Gestrandete Passagiere am Mittwoch
Am Mittwochnachmittag war der "Swanti" die Mitnahme von Passagieren ab Rügen zurück auf die Insel Hiddensee untersagt worden. Menschen waren auf Rügen gestrandet.
"Ich habe eine ganze Reihe von Telefonaten geführt", sagte der für den östlichen Landesteil zuständige Staatssekretär der Schweriner Landesregierung, Heiko Miraß (SPD). Er habe sich bei den zuständigen Behörden für eine Notversorgung der Insel eingesetzt.
Auch das Schweriner Verkehrsministerium befasst sich mit der Situation. Man sei im ständigen Austausch mit den jeweils zuständigen Stellen, schrieb ein Sprecher. "Ziel aller Beteiligten ist es, dass der reguläre Fährverkehr so zeitnah wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Selbstverständlich hat die Sicherheit oberste Priorität. Die Versorgung der Insel ist sichergestellt."
"Vitte" mit "Leckage im Schiff"
Laut Miraß geht es auch darum, für die Zukunft gegebenenfalls besser gewappnet zu sein. "Nicht nur für den Regelfall einer Notlage, sondern auch für den Ausnahmefall, dass dann eben noch was schiefgeht."
Der Geschäftsführer der Reederei Hiddensee, Knut Schäfer, sagte, bereits Sonntagabend habe die Besatzung der Fähre "Vitte" gemeldet, "dass sie eine Leckage im Schiff haben, ursächlich vermeintlich durch Schollenkontakt". Das Schiff wurde am Mittwoch nach Stralsund gebracht, wo es repariert werden soll.
Auch in der Vergangenheit hat Eis zu Problemen beim Inselverkehr gesorgt. Im Winter 2010 musste Hiddensee zeitweise aus der Luft versorgt werden, weil die eigentlich eisgängige "Vitte" wegen der zugefrorenen Gewässer nicht fahren konnte und auch damals einen Schaden erlitten hatte.
Danach war angedacht, eine zweite eisgängige Fähre zu kaufen mit Unterstützung auch des Landes. Dieses Schiff sollte früheren Angaben zufolge bis zu 40 Zentimeter dickes Eis bewältigen können. Stattdessen kaufte die Reederei vor über zehn Jahren den Eisbrecher "Swanti", der im Rahmen des Eisfahrplanes auch in diesem Jahr der "Vitte" vorausgefahren war.
Polizei verstärkt Präsenz auf Hiddensee
Weil der Verkehr von und auf die Insel Hiddensee eisbedingt sehr eingeschränkt ist, verstärkt die Polizei vorsorglich ihre Präsenz auf der Insel. Wie die Polizei mitteilte, "wird der dort eingesetzte Kontaktbeamte durch einen zweiten Polizisten rund um die Uhr unterstützt". Ziel sei es, im Bedarfsfall verlässliche Unterstützung bei Einsatz- und Notlagen vor Ort zu haben.
Die Polizei bedankte sich ausdrücklich bei der Gemeinde sowie dem Hafen- und Kurbetrieb der Insel für die unkomplizierte Bereitstellung einer Unterkunft für den zusätzlichen Polizeibeamten.
In Berlin stehen die Winterferien kurz bevor. Dass Hiddensee absehbar für Touristen nicht zu erreichen ist, sei "natürlich eine bisschen missliche Situation", sagte Staatssekretär Miraß.