Ermittlungen Online Aufforderung zur Selbstverletzung - Polizei ermittelt

Die Polizei in MV ermittelt derzeit in Fällen, in denen Jugendliche über Onlineplattformen massiv unter psychischen Druck gesetz
Die Polizei in MV ermittelt derzeit in Fällen, in denen Jugendliche über Onlineplattformen massiv unter psychischen Druck gesetzt und gezielt zu selbstverletzenden Handlungen aufgefordert wurden. (Symbolbild) Foto
© Philip Dulian/dpa
Die Polizei in MV ermittelt, weil Kriminelle Jugendliche im Netz massiv psychisch unter Druck und sie zur Selbstverletzung aufrufen sollen. Das Geschilderte erinnert teils an einen prominenten Fall.

Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern ermittelt derzeit in Fällen massiver, gezielter Manipulation von Jugendlichen über das Internet und der Aufforderung, sich selbst zu verletzen. Jugendliche seien über Onlineplattformen massiv unter psychischen Druck gesetzt und gezielt zu selbstverletzenden Handlungen aufgefordert worden, teilte das Polizeipräsidium Rostock mit.

"Durch Beleidigungen, Drohungen, Nötigungen und psychischen Zwang werden die Jugendlichen dazu gedrängt, den Forderungen der Täter nachzukommen", erklärte die Polizei.

Der erste Kontakt erfolge teilweise über Onlinespiele. Danach verlagere sich die Kommunikation häufig auf andere Onlineplattformen oder Messenger-Dienste, wo der psychische Druck aufgebaut oder verstärkt werde. "Neben den selbst zugefügten körperlichen Verletzungen erleiden die Betroffenen oftmals erhebliche psychische Belastungen." Wegen der laufenden Ermittlungen sowie zum Schutz der Betroffenen würden keine detaillierten Angaben zu den einzelnen Fällen gemacht.

Die Betroffenen wohnen nach Aussage einer Polizeisprecherin in dem Bereich, für den das Polizeipräsidium Rostock zuständig ist, also im Westteil des Landes. Am zurückliegenden Wochenende seien der Polizei entsprechende Sachverhalte angezeigt worden. Die Zahl der bislang bekannten Betroffenen bewege sich im einstelligen Bereich. Es handle sich um Mädchen und Jungen im unteren Jugendlichen-Alter. Die Staatsanwaltschaft Schwerin sei zuständig.

Aufsehenerregender Fall in Hamburg

Ab Freitag steht ein heute 21-Jähriger in Hamburg vor Gericht, der unter seinem Foren-Namen "White Tiger" bekanntgeworden ist. Ihm werden mehr als 200 Straftaten vorgeworfen, darunter ein vollendeter und fünf versuchte Morde. 

Der Deutsch-Iraner soll Tötungsdelikte in mittelbarer Täterschaft begangen haben. Das heißt, er soll seine Opfer dazu überredet haben, sich selbst zu töten. In einem Fall, bei einem 13-jährigen Jungen aus den USA, ist ihm das laut Anklage auch gelungen. Eine 14-jährige Kanadierin habe versucht, sich umzubringen. "White Tiger" soll der Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen gewesen sein, die aus sexueller Motivation heraus Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren im Internet zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben.

Gregor Peter Schmitz mit den Buchstaben GPS

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Appell der Polizei

Von sexuellen Motiven war in der Mitteilung des Polizeipräsidiums Rostock keine Rede. Davon unabhängig hieß es, die Polizei nehme die Sachverhalte sehr ernst. "Das gezielte Drängen zu Selbstverletzungen stellt eine Straftat dar und wird konsequent verfolgt."

Die Polizei appellierte eindringlich etwa an Eltern, aufmerksam zu sein und regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen über deren Online-Aktivitäten, Kontakte und Erlebnisse zu sprechen. "Warnsignale - insbesondere Verletzungen oder auffällige Verhaltensänderungen - sollten unbedingt ernst genommen werden." 

Betroffene sowie deren Bezugspersonen wurden gebeten, sich umgehend an die Polizei zu wenden. "Eine frühzeitige Anzeige kann helfen, weitere Taten zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen."

dpa