Wetter Blitzflaute in Niedersachsen – So wenige wie lange nicht

2025 blitzte es in Niedersachsen ungewöhnlich selten. (Symbolbild) Foto: Patrick Pleul/dpa
2025 blitzte es in Niedersachsen ungewöhnlich selten. (Symbolbild) Foto
© Patrick Pleul/dpa
Nur rund 9.000 Blitze schlugen 2025 in Niedersachsen ein – ein Drittel des Vorjahres. Welche Wetterphänomene stecken hinter dem Rekordtief?

2025 hat es in Niedersachsen ungewöhnlich selten geblitzt. Rund 9.000 Erdblitze – also Einschläge und keine Entladungen in den Wolken – zählte der Informationsdienst Aldis/Blids im Jahresverlauf. Das war gerade mal ein Drittel der Blitze des Vorjahres, als das Sensornetzwerk der in Österreich ansässigen Experten noch rund 27.000 Einschläge registriert hatte.

Noch nie wurden seit 2006 so wenige Blitze gezählt

Auch in den für Niedersachsen bis 2006 zurückreichenden Daten von Aldis/Blids findet sich kein Jahr, in dem es auch nur annähernd so wenige Blitze gab wie im vergangenen. Noch am nächsten kommt das Jahr 2022 mit rund 15.000. In den Jahren 2021 und früher sind überschätzte Blitzzahlen möglich und Vergleiche daher schwierig, sie weisen allerdings ebenfalls sehr viel höhere Werte auf.

Die blitzreichsten Monate in Niedersachsen waren mit Abstand der Juni und der Juli mit jeweils rund 3.000. Dahinter folgen der Mai mit etwa 1.100 und der August mit 800 Blitzen. Im Dezember wurde als an Blitzen ärmstem Monat hingegen kein einziger registriert, im November lediglich vier.

Es war für Blitze meist zu trocken

Doch warum war 2025 so blitzarm? Das Wetter ist komplex, die Antwort also vielschichtig, doch ein wichtiger Effekt ist relativ klar: in den meisten der gewitterträchtigen Monate war es diesmal schlicht zu trocken. Hohe Blitzzahlen gibt es typischerweise von Mai bis September, die allermeisten im Juni, Juli und August.

Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war es bundesweit – abgesehen vom Juli und September – deutlich trockener als sonst. Und ausgerechnet im Juli war es zwischenzeitlich eher kalt.

Gregor Peter Schmitz mit den Buchstaben GPS

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Feuchte, Energie und ein Hebeimpuls

Damit fehlte also relativ oft eine der zentralen Zutaten für Blitze: Für Gewitter brauche man feuchte und energiereiche Luftmassen, erklärt Tanja Egerer vom DWD. Zudem benötigen Blitze demnach große Temperaturunterschiede zwischen oben und unten und einen Hebungsimpuls, der dafür sorgt, dass die Luft vom Boden nach oben kommt.

Letzteres kann etwa ein Gebirge, Hitze am Boden oder auch ein Impuls aus höheren Luftschichten sein. "Oft geht es um die Mittagszeit im Bergland mit Gewittern los, die dann abhängig von den Strömungsverhältnissen ins Umland ziehen", erklärt die Meteorologin. 

Niedersachsen liegt mit Blitzarmut im Trend

Mit der ungewöhnlich niedrigen Zahl an Blitzen im abgelaufenen Jahr ist Niedersachsen übrigens nicht alleine: Auch bundesweit gab es den Daten nach in den vergangenen 20 Jahren noch nie so wenige Blitze. Der Informationsdienst Aldis/Blids zählt auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und in Frankreich. Überall ist 2025 das bisher blitzärmste Jahr in den veröffentlichten Daten.

Es kommt auf die Zählweise an

Die von Aldis/Blids erhobenen Zahlen unterscheiden sich von anderen Blitzstatistiken, die daher teils zu deutlich anderen Ergebnissen kommen. In der hier genannten Statistik zählen nur Erdblitze und jeder Blitz nur einmal.

Häufig kommt es nämlich vor, dass durch einen Blitzkanal in kürzester Zeit mehrere Entladungen fließen. Für Beobachter sieht das wie ein Flackern des Blitzes aus. In manchen Statistiken werden dann mehrere Blitze gezählt, in der hier vorliegenden nur einer.

dpa