Ganztag an Förderschulen
GEW-Umfrage an Förderschulen zu Ganztag zeigt große Defizite

Auch an Förderschulen kommt ab diesem Sommer - zunächst für die ersten Jahrgänge - der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. (
Auch an Förderschulen kommt ab diesem Sommer - zunächst für die ersten Jahrgänge - der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. (Archivbild) Foto
© Maurizio Gambarini/dpa
Bald startet der Anspruch auf einen Ganztagsplatz, zunächst für Erstklässler. Auch an Förderschulen in NRW. Dort fehlen aber einer Umfrage der Gewerkschaft GEW zufolge schon jetzt Personal und Räume.

Wenige Monate vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz sind viele Förderschulen laut einer Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW mit erheblichen Defiziten konfrontiert. Auch in Nordrhein-Westfalen fehlten an Förderschulen Personal und geeignete Räumlichkeiten, bilanzierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Grundlage ist eine Befragung von knapp 1.600 Beschäftigten.

Mit Beginn des neuen Schuljahrs 2026/27 ab diesem Sommer haben zunächst alle Erstklässler bundesweit einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Der Anspruch wird nach und nach auf die Jahrgänge zwei bis vier erweitert, so dass er ab dem Schuljahr 2029/30 für alle Grundschulkinder gilt. Dafür wird zusätzliches Personal benötigt. 

Die zentralen Umfrageergebnisse laut GEW 

Die Mehrheit der Ende 2025 in NRW Befragten arbeitet an Förderschulen mit einem gebundenen Ganztag. Hier sind regulärer Unterricht und Freizeitphasen miteinander verzahnt und über den ganzen Tag hinweg bis in den Nachmittag verteilt. 42 Prozent gaben allerdings an, dass aus Personalnot mindestens ein Nachmittag pro Woche gekürzt oder gestrichen werden müsse. 

Im Fall der Förderschulen mit einem offenen Ganztagsangebot (OGS) - also verbindlicher Unterricht bis zum Mittag, danach freiwilliges Programm am Nachmittag - ergab die Befragung: Die Plätze reichen derzeit längst nicht aus - und das ein halbes Jahr vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs. OGS-Angebote können etwa Hausaufgabenbetreuung, zusätzliche Förderkurse oder Freizeitprogramme aus den Bereichen Sport, Kultur, Spiele umfassen. 

Gewerkschaft GEW sieht akuten Handlungsbedarf 

Nach GEW-Angaben sind an den rund 500 Förderschulen in Nordrhein-Westfalen aktuell rund 1.100 Stellen für Sonderpädagogen unbesetzt, es fehlten zudem Fachlehrkräfte. Die Folgen: Beschäftigte seien überlastet, die Qualität der Förderung für Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf werde gefährdet. 

Die Ausbildungskapazitäten im Lehramt Sonderpädagogik und für Fachlehrkräfte müssten ausgebaut werden, mahnt die Gewerkschaft. Es brauche zudem mehr multiprofessionelle Teams, auch mit Therapeutinnen oder Psychologen, sowie zusätzliche passende Räumlichkeiten. Aus Sicht der GEW sollten Förderschulen perspektivisch alle zu Schulen mit einem gebundenen Ganztag ausgebaut werden.

dpa