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Studie zur Inklusion: Regel- oder Förderschule? Eltern fühlen sich alleingelassen

Das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigungen, die Inklusion, erhitzt seit Jahren die Gemüter. Eine neue Studie zeigt: Viele Eltern haben zu hohe Erwartungen.

Mädchen im Rollstuhl

Die Entscheidung für die richtige Schule fällt Eltern von Kindern mit Behinderung oft schwer, sie vermissen beratende Unterstützung

Eltern von Schülern mit besonderem Förderbedarf wünschen sich für ihr Kind einen möglichst hohen Abschluss, werden aber oft enttäuscht. Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zur Inklusion hervor, die sich auf Einstellungen und Hoffnungen betroffener Mütter und Väter konzentriert. Zugleich wollen diese Eltern überwiegend Wahlfreiheit – zwischen einer Regelschule, an der ihr Kind zusammen mit nicht gehandicapten Schülern unterrichtet wird (Inklusion), und einer Förderschule mit fundierter Sonderpädagogik.

Die befragten Eltern seien sehr leistungsorientiert, stellen die Verfasser der KAS-Studie fest. Nur 11 Prozent der Mütter und Väter bewerteten die Beeinträchtigung ihres Kindes als so groß, dass kein Abschluss angestrebt wird. Während Eltern von Sonderschulkindern zu 72 Prozent einen Haupt- oder Realschulabschluss für ihren Nachwuchs anstreben, erhoffen Eltern von zumeist weniger gehandicapten Kindern, die auf normale Schulen gehen, zu 13 Prozent sogar das Abitur und zu 61 Prozent einen Realschulabschluss. Die Realität zeigt aber, dass drei Viertel der Sonderschüler in Deutschland ohne Abschluss bleiben.

Hauptsache selbstständig

Wichtigstes gemeinsames Ziel aller befragten Eltern ist die Selbstständigkeit ihres Kindes - und die Erwartung, dass es eine Arbeit finden kann, die ihm später Spaß macht. Im Vorfeld, bei der Suche nach der richtigen Schule, gebe es große Schwierigkeiten. "Hier fühlen sich Eltern häufig alleingelassen und überfordert." Laut Studie sind Eltern mit ihrer Wahl schließlich meist zufrieden. "Wer sein Kind in eine Regelschule schickt, stellt die gesellschaftliche Integration in den Mittelpunkt. Wer sein Kind in die Förderschule schickt, möchte nicht, dass das Kind permanent das Gefühl des Scheiterns erlebt", so das Fazit der CDU-nahen Stiftung.  

Gemeinsamer Schulunterricht für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung (Inklusion) geht auf die UN-Behindertenrechtskommission von 2006 zurück. Als Handicap gelten dabei nicht nur geistige und körperliche Behinderungen, sondern auch kleinere Entwicklungsrückstände. Die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte bei der Präsentation der Studie davor, die Debatte über Pro und Kontra von Inklusion allzu ideologisch zu führen. Ihr Eindruck: "Die Fronten verhärten sich." So werde Befürwortern von Inklusion schnell Naivität vorgeworfen, während Skeptiker sogleich als Gegner des gemeinsamen Unterrichts kritisiert würden. 

Für die nach KAS-Angaben zwar nicht repräsentative, aber inhaltlich voll belastbare Elternbefragung wurden 304 Fragebogen-Interviews und 30 Tiefeninterviews geführt. Unter der Leitfrage "Was ist die beste Schule für mein Kind?" wurden Väter und Mütter interviewt, die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben – je 50 Prozent gingen auf Sonder- beziehungsweise Regelschulen.

DPA

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