Musikfestival
"Eine große Tüte Popkultur" - Festival "c/o pop"

In dieser Woche startet in Köln wieder das Musikfestival "c/o pop". (Archivbild) Foto: Thomas Banneyer/dpa
In dieser Woche startet in Köln wieder das Musikfestival "c/o pop". (Archivbild) Foto
© Thomas Banneyer/dpa
Beim Kölner Musikfestival "c/o pop" sind diese Woche Newcomer der deutschsprachigen Popmusik-Szene zu entdecken. Die Besucher erwartet aber noch vieles andere - sogar ein Festival-Beichtstuhl.

Ob Rapperin Ebow, Hip-Hopper Levin Liam oder Popsänger Aaron – das Kölner Musikfestival "c/o pop" setzt in diesem Jahr vor allem auf junge, aufstrebende Talente der deutschsprachigen Popmusik-Szene. "Unser Anspruch ist es, die neuen heißen Stars von morgen zu zeigen", sagt Festivalleiterin Elke Kuhlen. Fünf Tage lang, vom 15. bis zum 18. April, werden in Kölner Clubs und bei einem Straßenfestival rund um die Venloer Straße im Stadtteil Ehrenfeld über 120 Programmpunkte zu erleben sein. Die Veranstalter rechnen mit rund 30.000 Besuchern.

Zu den Höhepunkten des Festivals zählt der Eröffnungsabend mit Popsängerin Fuffifufzich ("Zauberstab") am Mittwochabend im Schauspiel Köln. Die Künstlerin wird gleich zwei Shows hintereinander spielen. "Die Auftritte finden im Bühnenbild des Schauspiel Köln statt, das wird eine ungewöhnliche Sache in intimer Atmosphäre", sagt Kuhlen. Weitere Höhepunkte des fünftägigen Musik-Marathons sind Konzerte des Schauspielers und Sängers Levin Liam ("Mann vom Fach"), des Kölner Songwriters Carlo5 ("Wolken am Abend") oder des österreichischen Grunge-Trios lovehead ("erdnussallergie").

Techno-Hänsel im Trachtenlook

Musikalisch liegen weiter Hyper Pop, Urban Music und Rap im Trend. "Wir sehen dabei immer mehr Artists, die bewusst Genre-Grenzen auflösen und sich klaren Zuweisungen entziehen", sagt Kuhlen. "Zudem beobachten wir einen Trend zu Künstlern, die auf konzeptionelle Ansätze setzen und mit besonderen Performances und Auftritten überraschen." Ein Beispiel hierfür ist der Popmusiker Hänsel, der in an Märchenwelten erinnernden Trachtenlooks auftritt und bekannte Lieder wie "Freude schöner Götterfunken" oder "Hänschen klein" in Techno-Arrangements verpackt.

In der britischen Indie-Rocksängerin Chloé Slater, die am Freitagabend im Saal des Arttheaters auftreten wird, sieht Kuhlen eine besonders vielversprechende Newcomerin. "Bei ihr gehe ich fest davon aus, dass wir sie zeitnah auf den großen internationalen Bühnen sehen werden." In der deutschsprachigen Popmusik-Szene gelten Paula Engels oder Philine Sonny als "heiß gehandelte Talente".

"Auf ganz große Namen als Zugpferde müssen wir leider inzwischen aus wirtschaftlichen Gründen verzichten", erläutert Kuhlen. "Deshalb setzen wir ganz auf unsere DNA - eine große Tüte Popkultur, mit der wir die neuen Trends und Themen der deutschen Popmusik-Szene darstellen."

Queere Messe und Festival-Beichtstuhl

Neben den kostenpflichtigen Clubkonzerten können sich die Besucher auf ein Gratis-Straßenfestival am Samstag und Sonntag auf der Venloer Straße freuen. Auf der bunten Festivalmeile werden Konzerte und ein buntes Rahmenprogramm zu erleben sein. Dazu gehören auch ungewöhnliche Aktionen – etwa ein Festival-Beichtstuhl, bei dem man seine Sorgen und Gedanken teilen kann, oder ein Seiltanz über die Venloer Straße. Besucher mit besonderem Durchhaltevermögen können zudem am 24-Stunden-Programm "c/o pop nonstop" teilnehmen. Unter anderem sollen dort ein Pilz-Influencer auftreten, eine queere Messe mit Pfarrer Tim Lahr zelebriert werden und DJs zwischen 12 und 70 Jahren auflegen.

Begleitend zum Festival diskutieren am 16. und 17. April rund 2.000 Teilnehmende beim Branchentreff "Convention" aktuelle Themen der Musikbranche. Einen Schwerpunkt bilden in diesem Jahr gesellschaftlich-politische Aspekte. Unter anderem thematisieren Vorträge die Zusammenhänge von Popkultur und Demokratie-Entwicklung oder die Bedeutung rechtspopulistischer Narrative für die Entwicklung der Musikbranche.

dpa