Die Universitäten in Nordrhein-Westfalen erwarten 2026 wegen des weitgehend ausfallenden Abiturjahrgangs weniger Studienanfänger. Gerechnet werde landesweit mit einem einmaligen Rückgang der Erstsemesterzahlen um etwa 19 Prozent, teilte die Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW (LRK) auf dpa-Anfrage mit. 2027 steht laut einer Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) in NRW dann wieder ein Sprung bei den Studienanfängerzahlen bevor.
Grund ist die Umstellung auf die neunjährige Gymnasialzeit im bevölkerungsreichsten Bundesland. Der letzte G8-Jahrgang an Gymnasien hatte 2025 das Abitur abgelegt. Der nachfolgende Jahrgang ist bereits im G9-Modus und macht erst 2027 Abitur. Dennoch können junge Menschen auch 2026 etwa an Gesamtschulen und Berufskollegs eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben.
Das NRW-Schulministerium rechnet 2026 einmalig mit nur rund 30. 000 Abiturienten. Aber schon 2027 werde die Zahl wieder auf etwa 70.500 steigen.
Bewerberrückgang bis zu 50 Prozent in Düsseldorf erwartet
Die Heinrich-Heine-Uni Düsseldorf rechnet für das Wintersemester 2026/27 und das Sommersemester 2027 insgesamt mit einem temporären Rückgang der Bewerbungen von bis zu 50 Prozent. In Düsseldorf waren bereits zum aktuellen Wintersemester 2025/26 in einigen Fächern die Zulassungsbeschränkungen aufgehoben worden. Weitere Studiengänge könnten im Wintersemester 2026/27 folgen, so ein Sprecher.
Die Universität Münster geht davon aus, dass es bei weiterhin deutlich über 40.000 Studierenden bleiben wird. Ob es zu einer Veränderung der NC-Grenzen komme, sei noch offen. Dass der NC etwa bei Rechtswissenschaften oder Psychologie steige, es also leichter wird, einen Studienplatz zu bekommen, sei wegen des weiterhin hohen Bewerberaufkommens sehr unwahrscheinlich.
Bessere Chancen in Köln
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An der Universität Köln wird sich der ausbleibende Abiturjahrgang nach Worten eines Sprechers "wie eine Delle in der Entwicklung der Studierendenzahlen bemerkbar machen". In der Mehrzahl der Fächer werde sich die Chance auf eine Zulassung im Vergleich zu den Vorjahren verbessern.
Die Universität Duisburg-Essen rechnet zwar mit einem Einschnitt bei den Studienanfänger-Zahlen. Es sei aber zu erwarten, dass Abiturienten früherer Jahrgänge sich wegen besserer Chancen bewusst für einen Studienstart 2026 entscheiden, sagte eine Sprecherin. Hinzu kämen Abiturienten aus anderen Bundesländern sowie Absolventen von Gesamtschulen und Berufskollegs. Der sogenannte G9-Effekt werde sich insgesamt auf die kommenden Jahre verteilen. Die Universität hatte bereits zum aktuellen Wintersemester 2025/26 die Zahl der Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung erhöht.
An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurde mit Blick auf den reduzierten Abi-Jahrgang der Numerus Clausus in vier Studiengängen gestrichen. Durch eine geringe Studienplatznachfrage würden die verbleibenden NC automatisch abgeschwächt, hieß es.