Theater-Festival
Iranisches Eröffnungsstück der Ruhrfestspiele abgesagt

Festival-Chef Kröck will an der Einladung der Theatergruppe aus Teheran festhalten - dann eben im nächsten Jahr. (Archivbild) Fo
Festival-Chef Kröck will an der Einladung der Theatergruppe aus Teheran festhalten - dann eben im nächsten Jahr. (Archivbild) Foto
© Fabian Strauch/dpa

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Ein iranisches Flüchtlingsdrama sollte das Schauspielprogramm der diesjährigen Ruhrfestspiele eröffnen - doch angesichts der aktuellen Lage kann das Ensemble nicht nach Deutschland reisen.

Aufgrund des fortdauernden Iran-Kriegs haben die Ruhrfestspiele alle Vorstellungen eines als Eröffnungsschauspiel geplanten iranischen Flüchtlingsdramas abgesagt. Das Ensemble der preisgekrönten Shieveh Theater Company aus Teheran sei durch die aktuellen Ereignisse von der Welt abgeschnitten und könne nicht wie geplant nach Deutschland kommen, teilte die Festivalleitung mit. Die Inszenierung "Das Kind" sollte Anfang Mai das Schauspielprogramm der diesjährigen Ruhrfestspiele eröffnen. 

Einen Ersatz für die Produktion soll es nicht geben. "Ihr Fehlen soll sichtbar bleiben. Die entstehende Lücke wird bewusst nicht geschlossen", teilten die Ruhrfestspiele mit. 

Die Einladung bleibe aber bestehen, betonte Ruhrfestspiele-Intendant Olaf Kröck: "Wir werden diese Produktion im nächsten Jahr erneut einladen, als Zeichen der Solidarität und als verbindliches Versprechen, dass ihre Stimmen auf unserer Bühne gehört werden." Der Kaufpreis der bereits zahlreichen verkauften Tickets für die Vorstellungen wird laut Festival erstattet. 

Ensemble "jenseits der Grenzen gestrandet"

Im Drama "Das Kind" der iranischen Autorin Naghmeh Samini geht es um drei Frauen, die mit einem Kind an einer europäischen Grenze gestoppt werden. Alle drei verleugnen im Verhör eines Grenzbeamten die Mutterschaft, um die Chancen des Kindes auf eine Einreise nicht zu schmälern. 

"In diesen Tagen der Dunkelheit und des Krieges ist ein Teil unseres Lebens geworden wie die Geschichte von "Das Kind" - zurückgelassen, jenseits der Grenzen gestrandet", so ein Statement der Theatergruppe um Direktorin Afsaneh Mahian. Nach mehr als 1.300 Stunden in Dunkelheit und ohne Internet wisse man noch nicht einmal, ob diese Botschaft aus dem "unruhigen, erschöpften und verwundeten Iran" an ihr Ziel komme. 

Die Ruhrfestspiele sind ein vom DGB mitgetragenes Theater-, Tanz- und Musikfestival im Ruhrgebiet. Es beginnt traditionell mit einem kulturellen Volksfest am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, und dauert bis zum 13. Juni. Es steht in diesem Jahr unter dem Motto "Erschrecken und Erstaunen".

dpa

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