Falsches Füttern mit Folgen
Ein Keks zu viel

Landaus Direktor Heckel beklagt, dass grundlegende Vorschriften missachtet würden. (Archivbild) Foto: Uwe Anspach/dpa
Landaus Direktor Heckel beklagt, dass grundlegende Vorschriften missachtet würden. (Archivbild) Foto
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Eine Scheibe Brot oder ein paar Möhren: Zootieren etwas durch den Zaun zu reichen, kann doch nicht falsch sein. Oder? Tierparks haben hier eine klare Meinung - und nicht nur gute Erfahrung.

Das Frühjahrswetter lädt zum Spazieren ein - zum Beispiel in den Zoo. Aber Vorsicht: Im Tierpark können Besucherinnen und Besucher viel falsch machen. Im ältesten Zoo des Bundeslandes in Landau zum Beispiel werden immer wieder grundlegende Vorschriften missachtet – vor allem das generelle Fütterungsverbot. Dabei seien die Regeln eindeutig und gut sichtbar, sagt Direktor Jens-Ove Heckel.

"Ausnahme ist die Fütterung mit an der Kasse erhältlichem Futter für Ziegen und Schafe im Streichelzoo und für Meerschweinchen. Das steht auch deutlich an diesen Gehegen." Ist es Absicht - oder Leichtsinn? "Nun, das kann jeder selbst beurteilen", betont Heckel. "Wenn Erwachsene direkt vor einem dreisprachigen Verbotsschild stehen und ihre Kinder trotzdem animieren, etwas zu füttern..."

Gefahr für Tiere und Menschen

Die Folgen können gravierend sein. "Falsches oder zu viel Futter macht unsere Tiere krank oder tötet sie im schlimmsten Fall", warnt der Direktor. Auch das Argument, es sei doch "nur ein Keks", greife bei jährlich mehr als 200.000 Besuchern nicht. Zudem würden immer wieder Gehegegrenzen missachtet oder als Kletterflächen genutzt. "Das ist potenziell hochgefährlich – für Tiere und Menschen."

Besonders im Streichelzoo komme es zu Problemen. Rückzugsorte würden ignoriert, Kinder teils ohne Aufsicht sich selbst überlassen. "Bei kleinen Kindern ist das vielleicht noch verzeihlich – bei Erwachsenen eher nicht."

Mehr Regeln – und ein Appell

Der Zoo hat reagiert und Hinweis- und Verbotsschilder aufgestellt. "Manche finden das übertrieben – und ignorieren es trotzdem", erzählt Heckel. Das Wohl der Tiere habe aber oberste Priorität, die Toleranz gegenüber Fehlverhalten sei begrenzt.

Zugleich betont der Direktor: "Die überwiegende Mehrheit unserer Besucher verhält sich absolut respektvoll." Es sei eine kleine Gruppe, die Probleme verursache – aber Konsequenzen für alle nach sich ziehe. "Wir wollen ein Ort für Erholung und Erfahrung sein, aber nicht auf Kosten unserer Tiere."

Neuwied: Aufklärung statt Strafen

Ähnliche Erfahrungen macht der Zoo in Neuwied. Auch dort kommt es immer wieder vor, dass Besucher Tiere unerlaubt füttern – trotz klarer Regeln. "Um die Gesundheit unserer Tiere nicht zu gefährden, gilt im gesamten Zoo ein absolutes Fütterungsverbot, auch mit abgerissenen Zweigen und abgerupftem Grünfutter", unterstreicht Direktor Mirko Thiel. Ausnahmen gebe es lediglich im Streichelzoo sowie bei den Fuchsschafen, wo in begrenzten Mengen spezielles Futter erlaubt sei.

In den meisten Fällen geschehe das Fehlverhalten aus Unwissen. Deshalb setze man zunächst auf das Gespräch. Nur in seltenen Fällen, etwa bei wiederholtem Fehlverhalten, würden Besucher des Geländes verwiesen.

Viele Kinder relativ unbeaufsichtigt

Besonders häufig fallen dem Zoo zufolge Kinder auf, die aus Übermut etwa Ruhebereiche missachten. Entscheidend sei hier die Aufsicht durch Erwachsene. Allerdings werde beobachtet, dass viele Kinder – etwa in Schulklassen – relativ unbeaufsichtigt unterwegs seien.

Die möglichen Folgen entsprechen denen in anderen Tierparks: Falsches Füttern kann Tiere krank machen oder im schlimmsten Fall töten. Auch in Neuwied setzt man daher weiterhin vor allem auf Aufklärung und bestehende Maßnahmen, um Besucher für den Schutz der Tiere zu sensibilisieren.

Wildpark Rheingönheim

Auch im Wildpark Rheingönheim werden immer wieder grundlegende Verhaltensregeln missachtet. Besonders betroffen sind hier ebenfalls die Fütterverbote etwa bei den Eseln sowie Ruhezonen im Streichelzoo. Diese Rückzugsbereiche sollen den Tieren Erholung ermöglichen, werden jedoch immer wieder betreten, schilderte die Verwaltung im April. Hinweisschilder werden häufig ignoriert. Die Folge ist ein wachsender Druck auf Tiere.

Ein zentrales Problem bleibe das falsche Füttern der Tiere. Besucher bringen oft Futter mit, das für Tiere ungeeignet ist, oder verfüttern vom Park bereitgestellte Nahrung an Arten, für die diese nicht vorgesehen ist. Dies könne gravierende gesundheitliche Folgen haben, heißt es. Immer wieder komme es zu Koliken, in einzelnen Fällen müssen Tierärzte hinzugezogen werden. Todesfälle sind nicht ausgeschlossen. Neben gesundheitlichen Risiken führe das Verhalten auch zu Stress und Überfütterung bei den Tieren.

Kinder oft beteiligt – Maßnahmen geplant

Regelverstöße werden im Wildpark Rheingönheim sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern begangen, wobei Kinder häufiger auffallen, da sie generell eher füttern, wie es heißt. Besonders bei Schulklassen komme es vermehrt zu Problemen, wenn sich Gruppen unbeaufsichtigt bewegten. Neben Auswirkungen auf die Tiere führt das Verhalten auch zu Verschmutzungen, etwa durch Müll abseits der Wege.

Als Reaktion setzt der Wildpark verstärkt auf Aufklärung und Kontrolle. Kindergärten und Schulklassen werden gezielt sensibilisiert, neue Schilder sollen Orientierung geben. Zudem behält sich die Leitung vor, bei wiederholten Verstößen Kontaktgehege etwa bei den Ziegen vorübergehend zu schließen.

dpa