Der heutige sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist 1990 unerwartet auf einer Herrentoilette mit dem "Kanzler der Einheit" in den Tag der Wiedervereinigung gestartet. "Der Vereinigungsparteitag der CDU fand Anfang Oktober 1990 in Hamburg statt. In der Nacht vor der Wiedervereinigung bin ich kurz vor 0 Uhr noch mal auf die Toilette. Und als um Mitternacht draußen plötzlich die Glocken läuteten, kam von der Seite jemand hinzu und ich stand in dessen Halbschatten. Plötzlich war da Helmut neben mir", erzählte Haseloff der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
"Wir standen stillschweigend nebeneinander. Da redest du ja nicht"
Wie hat der damals 36-jährige Haseloff reagiert? "Wir standen stillschweigend nebeneinander. Da redest du ja nicht", so der CDU-Politiker. Aber: "Ich habe mit dem Bundeskanzler so einen besonderen Moment der deutschen Einheit erlebt. Das war ein historischer Zufall."
So ungewöhnlich das Zusammentreffen in Hamburg war - das Erste war es nicht. "Ich war bereits im Dezember 1989 bei der Rede von Helmut Kohl an der Dresdner Frauenkirche dabei, weil ich da gerade an der Technischen Universität als Physiker zu tun hatte", so Haseloff.
"Wir haben uns köstlich amüsiert"
Kohl hatte am 19. Dezember 1989 vor den Trümmern der Frauenkirche eine unvergessliche Rede gehalten. "Mein Ziel bleibt - wenn die geschichtliche Stunde es zulässt - die Einheit unserer Nation", hatte Kohl den knapp hunderttausend Zuhörern versprochen. Immer wieder wurde seine Rede von lauten "Deutschland"-Rufen unterbrochen.
"Bis zu seinem Lebensende haben wir immer eine enge Beziehung gehabt", sagte Haseloff. "25 Jahre später waren wir 2014 wieder gemeinsam in Dresden. Da habe ich ihm die Geschichte dann noch mal erzählt und wir haben uns köstlich amüsiert. Ich hab' zu ihm gesagt: "Ich bin in Ihrem Schatten gewesen als Sie uns die deutsche Einheit gebracht haben.""