Theaterfestival Lessingtage 2026: Theaterfestival mit politischem Fokus

Milo Rau präsentiert "Prozess gegen Deutschland". (Archivbild) Foto: Christiane Oelrich/dpa
Milo Rau präsentiert "Prozess gegen Deutschland". (Archivbild) Foto
© Christiane Oelrich/dpa
Die Lessingtage des Thalia Theaters bringen auch 2026 internationale Theaterproduktionen nach Hamburg. Beim "Prozess gegen Deutschland" stehen echte Experten auf der Bühne.

Mütter, die gegen den Krieg singen und ein "Prozess gegen Deutschland", bei dem keine Schauspieler auf der Bühne stehen: Die Lessingtage des Hamburger Thalia Theaters zeigen vom 31. Januar bis zum 15. Februar wieder internationale Theaterproduktionen in Hamburg. Eröffnet wird das Festival mit dem polnischen Gastspiel von Marta Górnickas "Mothers - A Song for Wartime": ein Chor ukrainischer, belarussischer und polnischer Frauen zwischen 9 und 71 Jahren erzählt darin eindrücklich von Gewalt und Krieg. Zuvor hält die Autorin Jagoda Marinić die Eröffnungsrede. 

Kurator des zweiwöchigen Festivals ist der renommierte Theatermacher Matthias Lilienthal, der ein Programm aus internationalen Gastspielen, Neuproduktionen und Begegnungsformaten zusammengestellt hat. Angesichts des anhaltenden Siegeszugs rechter und rechtsextremer Kräfte in Europa werde der Begriff "Postpopulismus" zum zentralen Element des Programms, teilten die Veranstalter mit. Gezeigt werden zehn verschiedene Produktionen aus Japan, Polen und dem gesamten deutschsprachigen Raum. 

Prozess verhandelt ein Verbot der AfD

Der Schweizer Regisseur Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, bringt mit "Prozess gegen Deutschland" erstmals sein spektakuläres Prozessformat nach Hamburg. In dem dreitägigen Prozess (13. bis 15. Februar) soll unter anderem ein Verbot der AfD verhandelt werden. Auf der Bühne stehen keine Schauspielenden, sondern echte Expertinnen, Juristinnen sowie prominente Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Die Prozesse werden auch als Video-Stream live auf der Website des Thalia Theaters zu sehen sein.

Jakub Skrzywanek, Intendant des Stary Teatr Krakau, zeigt "Attack on the National Stary Theatre". Zudem beleuchtet ein umfangreiches Symposium, kuratiert von Julia Roth und Olga Drygas, den Postpopulismus in Diskussionen und Vorträgen. Erstmals wird es bei den Lessingtagen ein Festivalzentrum geben: Unter dem Titel "Inhabilia" wird eine Gruppe Kunststudenten aus Düsseldorf rund um die Uhr die Foyers des Thalia Theater bewohnen und zu gemeinsamen Mahlzeiten, Tanz und Gesprächen einladen.

dpa