Mit dem Hinweis "Mind the Gap!" werden an Londoner U-Bahn-Stationen Passagiere vor einer Lücke zwischen dem Bahnsteig und der herankommenden Bahn gewarnt. Bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hat der Warnhinweis einen ganz anderen Akzent. Unter dem Motto "Akzent – Mind the Gap!" geht es hier um eine Lücke, die der Künstlernachwuchs zwischen Umbaupausen von Ausstellungen füllen soll. Im Kupferstich-Kabinett des Residenzschlosses ist aktuell der Fotograf Robert Vanis noch bis Ostermontag dafür zuständig.
Dialog von jungen Künstlern mit alten Meistern
Durch die Kooperation mit der Hochschule der Bildenden Künste (HfBK) seien in den letzten fünf Jahren bereits sieben sehr unterschiedliche Präsentationen entstanden, erklärt die Direktorin des Kupferstich-Kabinetts, Stephanie Buck. Im Zentrum stehe der Dialog zwischen jungen Künstlerinnen und Künstlern und der Sammlung. Gemeinsam mit Kuratoren der SKD werden Werke ausgewählt und im Studiensaal des Kupferstich-Kabinetts mit eigenen Arbeiten in Vitrinen und an den Wänden präsentiert.
Nachwuchs kann im Kupferstich-Kabinett aus dem Vollen schöpfen
Der Nachwuchs kann dabei aus dem Vollen schöpfen. Denn das Kupferstich-Kabinett beherbergt mit seinen mehr als eine halbe Million Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien vom Mittelalter bis heute Werke bedeutender Meister wie Dürer, Rembrandt, Toulouse-Lautrec oder Baselitz. Für die Absolventen der HBFK sei es eine große Freude, dort ausstellen zu dürfen, sagt Robert Vanis. Er könne sich noch gut an seine erste Begegnung mit Originalen im Studiensaal des Kabinetts erinnern.
Brücke zwischen Kunst der Gegenwart und Vergangenheit
Direktorin Buck betont, dass dieser Ort für alle offen, kostenfrei zugänglich und "ein wirklich großzügiges und demokratisches Angebot der SKD" sei. Gerade jungen Menschen und Künstlern die Sammlung zugänglich zu machen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, gehöre zum Selbstverständnis des Hauses. Auch für das Kupferstich-Kabinett stelle "Mind the Gap!" eine große Bereicherung dar. Das Format erlaube es, die eigene Sammlung aus der Perspektive junger zeitgenössischer Künstler zu betrachten und eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen.
Robert Vanis hat das Foyer des Studiensaals für seine Ausstellung in rotes Licht gehüllt. Er will so den Eindruck vermitteln, eine Dunkelkammer zu betreten - die seit 170 Jahren ein zentraler Arbeitsort für Fotografen darstellt. In der Schau sind fotografische Manipulationen, die glaubwürdig erscheinen, genauso zu sehen wie Realitätsbilder, die irritieren. Der Fotograf möchte sein Publikum dazu anregen, über den technischen Wandel, Zuverlässigkeit und Kunstcharakter der Fotografie nachzudenken. In einer Vitrine sind Skizzen enthalten: "Dieser unfertige Moment – so könnte man das nennen – darauf möchte ich hinweisen."
SKD bieten jungen Künstlern viele Bühnen
"Akzent - Mind the Gap!" ist nicht die einzige Bühne, die die SKD jungen Künstlern bietet. Das Archiv der Avantgarden pflegt eine Kooperation mit der Palucca Hochschule für Tanz. Das The Artists Advocat Stipendium wurde gemeinsam mit der Hochschule für Bildende Künste entwickelt und soll die Kooperation zwischen beiden Institutionen stärken. Studierende der HfBK im Fach Restaurierung sind regelmäßig in Forschungsprojekte der SKD eingebunden.
Eine Kooperation existiert auch mit der Musikhochschule Dresden. Und nicht zuletzt trägt freier Eintritt für Kunststunden aus ganz Sachsen in den Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden dazu bei, dass die Jungen von alten Schätzen profitieren können.