Knapp sechs Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bleibt die CDU mit ihrem Regierungschef Kai Wegner einer neuen Umfrage zufolge vorn. Die Christdemokraten kommen in der repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des "Tagesspiegel" auf 23 Prozent. Dahinter liegen vier Parteien nahezu gleich auf: SPD, Linke und AfD kommen auf 16 Prozent, die Grünen auf 15 Prozent. BSW (4) und FDP (3) würden den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpassen, sonstige Parteien vereinen zusammen 7 Prozent auf sich.
Das seit 2023 regierende Bündnis aus CDU und SPD hätte nach diesen Zahlen keine Mehrheit mehr. Realistisch sind demnach zwei Koalitionsoptionen unter Beteiligung von jeweils drei Parteien: ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen unter Führung der Union oder eine Neuauflage der bis 2023 regierenden Koalition aus SPD, Linken und Grünen. Welche Partei in einer solchen Koalition am Ende vorn liegt und den Regierenden Bürgermeister stellt, ist offen.
Ost-West-Unterschiede
Deutliche Unterschiede in der Parteipräferenz zeigen sich laut Umfrage im Osten und Westen der Stadt. Während im Osten die CDU (21 Prozent) und die AfD (21) knapp vor der Linkspartei (19) liegen, führen die Christdemokraten im Westen deutlich mit 25 Prozent vor der SPD (20) und Grünen (15).
Wenig Bewegung in Umfragen
Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ist am 20. September geplant. Umfragen anderer Institute kamen seit Januar auf ähnliche Werte für die Parteien. Die Kritik am Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters Wegner während des großen Stromausfalls im Berliner Südwesten Anfang Januar scheint der CDU also nicht zu schaden.
Allerdings liegt die Partei rund 5 Punkte hinter ihrem Wahlergebnis 2023. Bei der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus war sie mit 28,2 Prozent der Zweitstimmen der klare Sieger. SPD und Grüne kamen auf jeweils 18,4 Prozent, wobei die Sozialdemokraten wenige Stimmen mehr hatten. Die Linke bekam 12,2 Prozent, die AfD 9,1 Prozent. Die FDP flog mit 4,6 Prozent aus dem Abgeordnetenhaus.
Unsicherheiten durch geringere Parteibindung
Für die aktuelle Civey-Umfrage wurden 3.000 Berlinerinnen und Berliner zwischen dem 12. und 26. März online befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtwahlumfrage beträgt 3,5 Prozent, der für den Ost-West-Vergleich 5,1 Prozent.
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.