In der Stunde seines größten Erfolgs offenbarte Ole Werner eine verzeihliche Schwäche. "Ich bin nicht im Training, deshalb will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Aber ich gebe mein Bestes und versuche, auch da zu überzeugen", sagte der Trainer von RB Leipzig. Werner sprach nicht etwa über Fußball, sondern über seine Qualitäten als Feierbiest.
Schließlich hatte er nach dem Sieg gegen St. Pauli und der erfolgreichen Qualifikation für die Champions League noch auf dem Platz den Partybefehl erteilt. "Der Trainer hat offensiv ausgesprochen, dass wir alle Gas geben sollen", sagte Abwehrchef Willi Orban und gab ebenfalls zu: "Ich bin nicht dafür bekannt, da der Beste zu sein."
Nächstes Ziel: Punkterekord
Doch das war kein Grund zur Beunruhigung, es fanden sich dann doch noch einige Partymonster in der Mannschaft. Diese hatte mit dem 2:1 gegen St. Pauli nicht nur den dritten Platz in der Fußball-Bundesliga fixiert, sondern auch den 20. Saison-Sieg eingefahren. Damit ist der Clubrekord eingestellt. Und mit einem Sieg in Freiburg kann man mit 68 Punkten so viele Zähler holen wie noch nie in der Bundesliga.
"Da bin ich ganz, ganz scharf drauf. Ich will unbedingt, dass wir den Punkterekord erreichen", sagte der sichtlich erleichterte Sportchef Marcel Schäfer. Was zunächst etwas sarkastisch klang, meinte der 41-Jährige völlig ernst: "Wenn man bedenkt, was wir für Wellen hatten, was wir für Themen hatten - und trotzdem können wir noch den Punkterekord knacken."
Die 67 Punkte aus der ersten Bundesliga-Saison sind bisher unerreicht. Und wenn man bedenkt, das in der Schwächephase von Mitte Dezember bis Ende Februar auch der Trainer nicht mehr unumstritten war, ist das umso erstaunlicher. Das befand auch Werner: "Wir haben viele Momente auch gehabt, in denen es in eine andere Richtung hätte kippen können."
Teamgeist als Schlüssel
Dass es in die richtige Richtung kippte, ist nicht nur Verdienst des Trainers, dem nun eine vorzeitige Verlängerung des bis 2027 laufenden Vertrages in Aussicht gestellt wurde. Auch Sportchef Schäfer darf sich als Gewinner fühlen. Er hat einen Kader zusammengestellt, in dem sich ein gefestigter Teamgeist entwickelte. Dieser war einer der Hauptgründe, dass sich die Mannschaft in der wichtigen Phase der Saison wieder fing.
Zum insgesamt achten Mal ist Leipzig nun in der Champions League dabei. Abwehrchef Orban war jedes Mal ein wichtiger Teil der Mannschaft. Doch die Königsklasse bleibt für den Routinier etwas Besonderes. "Es ist einfach nicht selbstverständlich", sagte der 33-Jährige. "Die Leistungsdichte in der Bundesliga ist enger geworden. Gerade was Platz vier bis sechs angeht, rücken die Mannschaften zusammen.
Neuer Vertrag für Diomande
Für den Club bedeutet die Champions League vor allem Planungssicherheit. Neben Werner soll auch Yan Diomande einen neuen Vertrag erhalten, die Entdeckung der Saison dürfte mit einer spürbaren Gehaltserhöhung belohnt werden. Brajan Gruda kehrt zwar zunächst zu Stammclub Brighton zurück, soll aber möglichst dauerhaft nach Leipzig wechseln. Deshalb wurde er auch noch nicht verabschiedet.
Auf der Abgangsseite dürfte sich weniger tun als in den vergangenen Jahren. David Raum kann wohl per Ausstiegsklausel gehen, doch der Linksverteidiger ist trotz seines Kapitäns-Status nicht unersetzbar. Selbiges gilt für Castello Lukeba, für den Manchester United zur Stärkung seiner Innenverteidigung offenbar tief in die Tasche greifen möchte.