Ukraine-Krieg "Wir Ukrainer sind Meister der Improvisation" – wie ukrainische Techniker das Stromnetz am Laufen halten

Andrij Medina und ein Kollege warten ein kleines Umspannwerk
Andrij Medina (rechts) und ein Kollege warten ein kleines Umspannwerk in einem Kyiver Neubauviertel, das zwei riesige Wohnblocks versorgt
© Andrzej Rybak/stern
Bis Anfang Oktober waren Stromleitungen und Kraftwerke in der Ukraine in einem guten Zustand. Dann nahmen die Russen gezielt die Infrastruktur ins Visier. Seitdem kämpfen ukrainische Elektrotechniker einen eigenen – sehr ungleichen Krieg.

Mykola Neschtschipurenko steigt in eine frisch ausgehobene Grube hinein, wo in einem Meter Tiefe mehrere armdicke Stromkabel verlaufen. Er führt eine Sonde, die an einen Hockeyschläger erinnert, dicht an die in Plastik und Metal verpackte Leitungen. Vorsicht ist geboten, immerhin beträgt die Spannung bis zu 10.000 Volt. "Diese Leitung ist nicht direkt von russischen Raketen getroffen", sagt der Techniker des zweitgrößten ukrainischen Stromversorgers DTEK. "Dennoch sind die Russen an dem Defekt schuld, diese Verbrecher, die unsere Umspannwerke zerstören und uns damit zu täglichen Stromabschaltungen zwingen." Manche ältere Kabel brennen dabei durch.

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