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Duschgel von Sagrotan: Was taugt die Ganzkörper-Desinfektion?

Sagrotan hat ein antibakterielles Duschgel herausgebracht, das geruchsbildende Bakterien vermindern und so für langanhaltende Frische sorgen soll. Kann das funktionieren?

Von Ilona Kriesl

Ein neues Duschgel von Sagrotan soll geruchsbildende Bakterien im Zaum halten: Tatsache oder reiner Marketingtrick?

Ein neues Duschgel von Sagrotan soll geruchsbildende Bakterien im Zaum halten: Tatsache oder reiner Marketingtrick?

Unsere Haut lebt: Eine Vielzahl von Bakterien wuselt auf ihr und überzieht unsere Körperhülle wie eine Art Schutzschild. Einige dieser natürlich vorkommenden Lebewesen besitzen eine Vorliebe für Schweiß. Sie fühlen sich da wohl, wo es warm und feucht ist, insbesondere in den Achselhöhlen und an den Füßen. Dort vermehren sie sich rasch, zersetzen den Schweiß - und sorgen so mitunter für unangenehmen Körpergeruch.

Dem Hersteller von Sagrotan, Reckitt Benckiser (RB) , kam da eine Idee: Er hat ein antibakterielles Duschgel entwickelt, das geruchsbildenden Bakterien den Garaus machen soll.

"Für ein langanhaltendes Frischegefühl" sollen die Duschgele der Linie "Profresh" sorgen und dabei "pH-hautneutral" sein. Seit Januar 2015 gibt es sie in vier verschiedenen Geruchsvarianten zu kaufen, etwa "Limette & Zitrone" oder "Crème & Honig". Die Produkte konnten sich nach Angaben von RB "erfolgreich im Segment der Duschgele positionieren". Lange frisch duften - wer will das nicht? Und ein paar Bakterien weniger auf der Haut können ja auch nicht schaden, oder?

Wir haben bei Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), angefragt. Müssen Bakterien, die auf der Haut leben, grundsätzlich bekämpft werden?

"Gutartige, unentbehrliche Bakterien"

"Die Haut des Menschen ist mit einer Keimflora besiedelt, die aus gutartigen, für die gesunde Hautabwehr unentbehrlichen Bakterien besteht. Inzwischen wissen wir, dass diese physiologische Bakterienflora wichtige Funktionen wie die Immunabwehr der Haut und die Regulation von Entzündungsvorgängen beeinflusst."

Schädlich scheinen die Mitbewohner schon einmal nicht zu sein - eher das Gegenteil ist der Fall. Doch wie sieht es mit den geruchsbildenden Bakterien aus? Sind die nicht überflüssig?

Augustin: "Auch diese können Teil der physiologischen Flora sein und erzeugen in der Regel keine Krankheiten."

Allmählich drängt sich die Frage auf: Wozu ein antibakterielles Duschgel verwenden, wenn doch die Bakterien auf der Haut offenbar so viel Gutes verrichten? Wir stellen eine Anfrage bei Sagrotan und bekommen eine allgemeine Antwort:

"Mit den Profresh Duschgelen und Duschcremes bedient Sagrotan das Bedürfnis der Verbraucher nach langanhaltender Frische und einem wirksamen Schutz vor Körpergeruch. Sagrotan Profresh Duschgele, mit einem antibakteriellen Wirkstoff, reinigen den Körper und vermindern dadurch geruchsbildende Bakterien."

Auf der Verpackung findet sich für Laien jedoch kein Hinweis auf einen antibakteriellen Wirkstoff. Lediglich die Inhaltsliste wartet mit unverständlichen Begriffen auf. Auf Nachfrage erklärt Sagrotan, es sei die Salicylsäure, die für die antimikrobielle Wirkung sorge.

Beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bitten wir um eine Einschätzung des Wirkstoffs. Das BfR antwortet detailliert und weist zunächst darauf hin, dass antimikrobielle Inhaltsstoffe in Kosmetika generell zwei Zwecken dienen können: Sie können das Produkt konservieren oder "im Zuge der Anwendung eine antimikrobielle Zusatzwirkung entfalten". Sprich: Keime auf der Haut abtöten.

Das BfR schreibt weiter: "Salicylsäure darf in Kosmetikprodukten als Konservierungsmittel in einer Konzentration von bis zu 0,5 % eingesetzt werden. Wird der Stoff nicht als Konservierungsmittel verwendet/deklariert, darf er auch in höheren Konzentrationen eingesetzt werden. Salicylsäure wirkt in Abhängigkeit von der Konzentration bakteriostatisch und bakterizid."

"Die Menge an Salicylsäure könnte auch in jedem anderen Kosmetikprodukt stecken."

Aus einem Video, das Sagrotan auf seiner Seite veröffentlicht hat, geht hervor, dass der Salicylsäure-Gehalt des Duschgels 0,4 Prozent beträgt - und damit im Rahmen der Konzentration, für die Salicylsäure als Konservierungsmittel  zugelassen ist. Mit anderen Worten: Der Gehalt an Salicylsäure, mit dem Sagrotan wirbt, könnte so auch in jedem x-beliebigen anderen Kosmetikprodukt stecken.

Kann das Produkt dann überhaupt die versprochene Wirkung entfalten? "Für eine selektive antibakterielle Wirkung von 0,4 Prozent Salicylsäure allein auf geruchsbildende Bakterien gibt es in der publizierten Literatur keine Belege", sagt der Dermatologe Matthias Augustin und fügt an: "Die antibakterielle Wirkung dieser Zubereitung müsste durch Studiendaten des Herstellers belegt werden." 

Sagrotan jedoch schweigt dazu. Eine Frage nach möglichen Wirknachweisen lässt die Herstellerfirma RB unbeantwortet.

Das BfR stellt zudem den Sinn antimikrobieller Produkte für die Körperhygiene grundsätzlich in Frage: "Aus Sicht des BfR ist der Einsatz dieser Produkte bei gesunden Menschen im Privathaushalt verzichtbar, weil durch ihre Verwendung im Allgemeinen kein über die üblichen Hygienemaßnahmen hinaus gehender Nutzen erreicht wird." Im Gegenteil: Werden antimikrobielle Wirksubstanzen großflächig angewendet, kann das "gesundheitliche Risiken" bergen: Denkbar wäre etwa eine allergische Reaktion, "sowie eine mögliche Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen."

 

 

 

 

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