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Coronavirus in Großbritannien: 39-jährige Patientin warnt vor Covid-19: "Bitte geht keine Risiken ein. Ich meine das so"

Tara Jane Langston gehört nicht zur Risikogruppe – und erkrankte doch schwer an Covid-19. Ihr Video aus dem Krankenhaus rüttelte viele Briten auf. Doch es gab auch Anfeindungen.

Tara Jane Langston hat offenkundig Probleme zu sprechen. Ihr fällt es schwer zu atmen, immer wieder wird sie von Hustenanfällen geplagt. Die 39-jährige Britin ist an Covid-19 erkrankt, der Lungenkrankheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wird. In einem Video, das sich in den sozialen Netzwerken verbreitet, meldet sie sich von der Intensivstation und warnt auch Jüngere, das neuartige Virus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

"Bitte geht keine Risiken ein. Ich meine das so", sagt Langston in dem Video. "Denn wenn es wirklich schlimm kommt, landet ihr hier." Raucher warnt sie: "Wenn jemand immer noch raucht, legt eure Zigaretten weg. Denn ich sage euch jetzt: Ihr braucht eure Lungen." Mittlerweile geht es Langston deutlich besser. Wie die "Daily Mail" berichtet, konnte sie bereits das Krankenhaus verlassen und zu ihrem Mann und ihren beiden Töchtern zurückkehren.

My sister is in her 30’s & normal health she contracted CV-19 and has been in intensive care for a while now. Please...

Gepostet von Nicole Poppy Keatley am Mittwoch, 18. März 2020

Großbritannien nahm das Coronavirus lange nicht ernst

Vor allem in Großbritannien ist Langston aber zum Gesicht der Bedrohung durch das Coronavirus geworden. Auf der Insel wurde das Virus lange nicht so ernst genommen wie in anderen Ländern: Premierminister Boris Johnson hatte zunächst darauf gesetzt, eine sogenannte "Herdenimmunität" in der Bevölkerung zu erreichen, indem sich viele Menschen mit dem Virus infizieren. Mittlerweile gerät das englische Gesundheitssystem in Schwierigkeiten, Johnson hat nun strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt.

Dass sich die Wahrnehmung des Virus in Großbritannien verändert hat, dazu könnte auch das Video von Tara Jane Langston beigetragen haben. Viele Nachrichtenseiten veröffentlichten den Clip, über Whatsapp und Social Media wurde ihre eindringliche Warnung weitergeschickt. Langston hatte das Video zuerst per Whatsapp an Freunde geschickt, dann hatte ihre Schwester Nicole Keatley es auf Facebook veröffentlicht. Dort wurde es bereits fast 1,5 Millionen Mal angesehen.

Auch für jüngere Menschen kann Covid-19 gefährlich werden

"Das, was ich durchgemacht habe, würde ich nicht meinem schlimmsten Feind wünschen", sagte Langston der "Daily Mail". Beim Atmen habe es sich angefühlt, als hätte sie "Glas in der Lunge". "Aber wenn es etwas Gutes daran gab, dann dass es vielen Menschen die Augen geöffnet hat." Die erkrankte Langston warnt vor allem jüngere Menschen davor, sich in Sicherheit zu wähnen. Sie selbst zählt mit 39 Jahren nicht zur Risikogruppe alter Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, die besonders durch Covid-19 gefährdet sind. 

Auch ihre Schwester, durch die Video in Umlauf kam, warnte auf Facebook mit deutlichen Worten: Nur weil jemand nicht zur Risikogruppe gehöre, bedeute das nicht, "dass euer Körper damit so einfach fertig wird". "Bitte bitte bitte seid vorsichtig und befolgt die Vorgaben und gesundheitlichen Empfehlungen", schrieb Nicole Keatley.

Das Krankenhauspersonal applaudiert dem entlassenen Patienten

Hassnachrichten und Drohungen aus aller Welt

"Bis ich krank wurde, habe ich es auch mit Humor genommen", erzählt Tara Jane Langston. "Ich war sehr gesund und dachte nicht, dass es für mich gefährlich werden könnte. Und dann hat es mich erwischt." Viele Menschen hat sie mit ihrem Aufruf wachgerüttelt, doch ihre Familie erreichten in der Zeit auch viele Hassnachrichten und Drohungen, berichtete ihr Ehemann dem "Guardian". Langston wurde beschuldigt, Fake News zu verbreiten und Panikmache zu betreiben. Weil sie nicht ausdrücklich das Coronavirus genannt hatte, wurde die Authentizität ihres Videos angezweifelt.

Mit einem zweiten Video konnte Langston die Zweifel ausräumen. Nun freut sie sich, wieder Zeit mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in ihrer Heimat in Middlesex verbringen zu können. Gesundheitlich geht es ihr deutlich besser – nur beim Treppensteigen kommt sie noch schnell aus der Puste.

Quellen: Nicole Keatley auf Facebook / Tara Jane Langston auf Facebook / "The Guardian" / "Daily Mail"

epp

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