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Schluss mit Gratis-Tests Die Preisfrage: Was wird der Corona-Schnelltest künftig kosten? Die Antwort: Es kommt darauf an

Eine Frau geht am Schaufenster einer Apotheke in der Innenstadt vorbei
Ab dem 11. Oktober werden kostenlose Corona-Schnelltests weitestgehend der Vergangenheit angehören (Symbolbild)
© Arne Dedert / DPA
Kostenlose Corona-Schnelltests werden bald weitestgehend der Vergangenheit angehören. Es stellt sich die Preisfrage: Wie teuer wird der Abstrich? Nachfrage bei einem, der es wissen sollte.

Viel wurde gestritten in der sogenannten MPK, der Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, wenn es um den künftigen Kurs im Kampf gegen das Coronavirus geht. Am Dienstag waren sich Bund und Länder vor allem einig: Es stehen schwierige Wochen bevor, gegen die man gewappnet sein will. 

Urlauber kommen heim, die Schulen starten, die Neuinfektionen steigen. Gleichzeitig gerät die Impfkampagne ins Stocken, die hockansteckende Delta-Variante breitet sich weiter aus.

Daher haben die Bundeskanzlerin und Länderchefinnen und -chefs unter anderem beschlossen, dass kostenlose Corona-Schnelltests weitestgehend abgeschafft werden sollen. Das Ziel: Mehr Menschen zu einer kostenlosen Impfung bewegen. Die Folge: Ab 11. Oktober sollen die sogenannten "Bürgertests" dann nur noch gratis für Menschen sein, die nicht geimpft werden können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt wie Schwangere oder Unter-18-Jährige. 

Zur Erklärung heißt es in dem Beschluss von Bund und Ländern wörtlich:

Da mittlerweile allen Bürgerinnen und Bürgern ein unmittelbares Impfangebot gemacht werden kann, ist allerdings eine dauerhafte Übernahme der Kosten für alle Tests durch den Bund und damit den Steuerzahler nicht angezeigt.

Damit stellt sich die Preisfrage: Wie teuer wird der Corona-Schnelltest?

Nachfrage bei Marcus Reisiger, der in Hamburg das private Testzentrum "CSH Corona Schnelltest Hamburg" betreibt. "Es wird mit Sicherheit zu einem Preiskampf unter den Zentren kommen", sagt er zum stern

Eine Rechnung, die sich lohnen muss

Zunächst bedeute der Beschluss "das Ende unseres jetzigen Geschäftsmodells", erklärt der Testzentrum-Betreiber, und stelle ihn vor die "schwierige Entscheidung, ob und wie der Betrieb des Testzentrums sich dann noch lohnen wird". 

Zum Hintergrund: Bislang melden Betreiber von Testzentren für die Kostenerstattung ihre Zahlen, also wie viele Menschen sie getestet haben, an die Kassenärztliche Vereinigung. Dabei wird auch angegeben, wie viel Geld für die Tests ausgegeben wurde. Es gibt verschiedene Tests zu verschiedenen Preisen und von unterschiedlicher Qualität.

"Aktuell liegt die Höhe der Erstattung bei 11,50 Euro pro Test", rechnet Reisiger vor. "Diese Summe setzt sich zusammen aus maximal 3,50 Euro für das Testkit und acht Euro für die Durchführung." Das lohne sich schon jetzt "nur bei einer guten Auslastung des Zentrums". Während die Anschaffungskosten der Testkits immer weiter gefallen seien – "was dem Anspruch an deren Qualität leider nicht sehr zuträglich war", so Reisiger – seien hingegen die Fixkosten der Zentren unverändert geblieben. Die Stichworte: Löhne und Gehälter, Mieten, Gebühren für Software und Datenschutz, Hygienematerial, Versicherungen.

"Auf jeden Fall müssen und werden die Kosten für einen bezahlten Test um einiges höher liegen als die jetzt von der Kassenärztlichen Vereinigung erstatteten 11,50 Euro", sagt Reisiger. "Denn die Nachfrage wird nochmals deutlich sinken und dies wirkt sich stark auf die Kalkulation der Stückkosten aus." Für das eigene Zentrum gehe man davon aus, "dass der Preis unter 20 Euro liegen wird". Das sei zumindest das Ziel, damit der Test für möglichst viele Menschen auch bezahlbar bleibe.

Unterschiedliche Sorten von Schnelltests, Unterschiede bei der Größe der Testzentren und Anzahl der Mitarbeiter: Letztlich wird der Preis pro Test von Zentrum zu Zentrum wohl unterschiedlich ausfallen. "Es wird mit Sicherheit zu einem Preiskampf unter den Zentren kommen, der noch deutlich schärfer sein wird, als er vor Einführung der kostenlosen Tests Anfang des Jahres war", prognostiziert Reisiger daher. "Da gab es ja Angebote von 29 bis 49 Euro für einen Antigen-Schnelltest."

Folglich werde es wohl zu "einer weiteren Marktbereinigung der Testzentren" kommen, glaubt Reisiger. Die man in der jetzigen Lage nicht gebrauchen könne: "Sorge bereitet mir dabei, dass zunehmend auch Fälle vom Impfdurchbrüchen nachgewiesen werden, wobei dann ein Geimpfter auch einen Ungeimpften anstecken kann", so Reisiger. "Das bedeutet, dass hier – wie bei den großen Impfzentren – Kapazitäten abgebaut werden, die wir in diesem Herbst und Winter noch für einige weitere Monate brauchen werden."

"Testzentren nicht mehr an jeder Straßenecke"

Auch Martin Walger geht davon aus, dass die Anzahl der Testzentren im Zuge der Beschlüsse wohl weiter abnehmen werde. Er ist Geschäftsführer des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH) und damit ein Vertreter der Test-Hersteller. "Testzentren werden nicht mehr an jeder Straßenecke sein, aber in jedem Stadtviertel", sagte Walger am Mittwoch im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Zwar werde es einen spürbaren "Rückgang des Bedarfs" an Corona-Schnelltests geben, aber: "Insgesamt wird der Bedarf an verschiedenen Testvarianten hoch bleiben". Noch immer gebe es Personengruppen, die einen kostenlosen Corona-Test in Anspruch nehmen könnten. So seien etwa Arbeitgeber weiterhin dazu verpflichtet, Mitarbeitenden ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten.  

Walger geht allerdings von einem anderen Preis pro Testung aus. Seine "grobe Schätzung": acht bis zehn Euro pro Testung, um das Testmaterial und die Abnahme im Testzentrum zu finanzieren. Doch: "Wer Symptome hat oder glaubt, krank zu sein, der möge bitte zum Arzt gehen", erinnert Walger, "denn dort hat er natürlich aufgrund seiner Krankenversicherung einen Anspruch auf eine entsprechende medizinische Diagnostik mit einem PCR-Test. Das ist der Goldstandard. Auch das ist natürlich eine Möglichkeit, sich weiter testen zu lassen."

Quellen: Beschluss von Bund und Ländern (10. August 2021), Deutschlandfunk


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