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Fastfood, Süßigkeiten, Softdrinks Mexiko beschließt Strafsteuer auf Dickmacher


Und bist du nicht willig... Um der grassierenden Fettsucht im Land zu Leibe zu rücken, erhebt Mexiko künftig Steuern auf Fettiges und Süßes.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto hat der Fettleibigkeit den Kampf angesagt: "Angesichts einer wahren Epidemie von Übergewicht und Fettsucht können wir nicht einfach die Arme verschränken", sagte der Regierungschef am Donnerstag. Erste Konsequenz: Das Parlament beschloss eine Strafsteuer auf Dickmacher wie Schokolade, Eiscreme und Erdnussbutter.

Acht Prozent sollen die Mexikaner ab 2014 zusätzlich für Lebensmittel mit mehr als 275 Kilokalorien je 100 Gramm zahlen. Für Softdrinks wird künftig pro Liter eine Steuer von einem Peso (knapp sechs Cent) erhoben, ungefähr zehn Prozent des Preises. Die Regierung rechnet damit, dass die Abgabe im kommenden Jahr 12,5 Milliarden Pesos (etwa 700 Millionen Euro) in die Staatskasse spült. Die Neuregelung war zuvor vom Senat beschlossen worden, das Unterhaus segnete sie mit 299 zu 160 Stimmen ab.

Ob sich echte Schleckermäuler von solchen Centbeträgen abhalten lassen? Der Fotograf Mario Eduardo Nájera aus Mexiko-Stadt glaubt nicht daran: "Softdrinks sind wie Handys. Die Leute haben vielleicht nicht genug Geld, um zu essen. Aber für Erfrischungsgetränke und Handys werden sie immer Geld haben." Peña Nieto scheint ebenfalls Zweifel am 'Allheilmittel Steuer' zu haben. Seinen Landsleuten riet er vorsichthalber, mehr zu laufen, Treppen zu steigen und sich jeden Tag mindestens eine Stunde lang sportlich zu betätigen.

Jeder zehnte erwachsene Mexikaner hat Diabetes

Der Kampf um die neue Steuer wurde seit Monaten mit harten Bandagen geführt. Während Verbraucherschutzorganisationen und linke Abgeordnete Softdrinks sogar mit 20 Prozent des Preises besteuern wollen, lehnen die Unternehmen und die Industrieverbände die Zwangsabgabe rundweg ab.

Schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung haben dazu geführt, dass es mittlerweile in Mexiko prozentual mehr Übergewichtige gibt als in den USA. 70 Prozent der Erwachsenen sowie 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten laut einer UN-Studie als zu schwer. Fast jeder zehnte erwachsene Mexikaner leidet an Diabetes.

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 140 Litern liegen die Mexikaner beim Konsum von Softdrinks an zweiter Stelle hinter den Vereinigten Staaten, wie aus den jüngsten Erhebungen der US-Universität Yale und von Industrieverbänden hervorgeht.

jwi/DPA DPA

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