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Gut geschützte Augen: Zehn Tipps, um die perfekte Sportbrille zu finden

Wind, Sonne, Mücken, Staub – eine Sportbrille soll die Augen vor Ungemach im Freien schützen. Welche ist die richtige? Zehn Fragen und Antworten.

Von Stéphanie Souron

Mit diesen zehn Tipps finden Sie die perfekte Sportbrille

Mit diesen zehn Tipps finden Sie die perfekte Sportbrille

1. Was unterscheidet eine Sportbrille von einer normalen Brille?

Treiben wir Sport, spielen wir mit Bällen, Schlägern und Gegnern. Wir laufen, springen und schwitzen. Wir rackern, rennen – und manchmal rempeln oder stürzen wir auch. Alltagsbrillen sind für solche Belastungen nicht gemacht. Gebrochene Gläser und Fassungen können die Augen verletzen und Schnittwunden verursachen, Metallteile können sich in die Haut bohren. Deshalb ist eine Sportbrille sinnvoll, deren Gläser und Fassung aus nahezu unzerbrechlichem Kunststoff bestehen. Die Form kann leicht gebogen und der Kopfform angepasst sein. So ist das Sichtfeld größer und der Schutz für die Augen noch besser.

2. Viele Menschen tragen ihre Gleitsichtbrille auch beim Sport, um in der Nähe wie in der Ferne scharf sehen zu können. Ist das sinnvoll?

Vorsicht! Es gibt zwar Sportarten, bei denen Gleitsichtgläser von Nutzen sind, etwa Radrennfahren, Radwandern oder Segelfliegen. Aber beispielsweise zum Golfspielen sind Gleitsichtgläser - egal, welcher Art - ungeeignet. Denn sie sind so aufgebaut, dass man damit je nach Blickwinkel Dinge in unterschiedlicher Entfernung scharf sehen kann. Beim Golf sind jedoch Blickrichtung und Kopfhaltung für die richtige Ausführung der Bewegungen von grundlegender Bedeutung. Wechselt der Spieler während der Vorbereitung des Schlags wiederholt seinen Blickwinkel, ändert er dadurch automatisch auch jedes Mal die Kopf- und Körperhaltung – und sein Ball fliegt höchstwahrscheinlich in die Walachei. Auf Dauer kann das sogar zu Haltungsschäden führen. Die meisten Trainer bitten die Golfer daher, ihre Gleitsichtbrillen abzusetzen.

3. Sind Sportbrillen auch für Träger von Kontaktlinsen interessant?

Grundsätzlich sollte man unterscheiden zwischen einer Korrektionsbrille und einer Schutzbrille ohne Stärke. Letztere schützt ihren Träger vor Wind, Staub, Insekten, Schlägen, umherfliegenden Bällen oder zu hellem Licht. Solche reinen Schutzbrillen sind eigentlich für Menschen gedacht, die gar keine Sehhilfe brauchen. Deshalb sind sie auch denjenigen zu empfehlen, die lieber Kontaktlinsen statt einer Korrektionsbrille tragen.

4. Müssen Freiluftsportler ihre Augen mit dunklen Gläsern gegen die UV-Strahlen schützen?

Keineswegs, denn der UV-Schutz hängt nicht von der Tönung des Filters ab. Auch ein normales weißes Glas filtert UV-Strahlen weitgehend heraus. Wenn Menschen sehr empfindlich auf Sonne reagieren und nach dunklen Scheiben verlangen, haben sie oft eine leichte Kurzsichtigkeit, die nicht richtig korrigiert wurde. Oder sie leiden unter beginnendem grauem Star. Auch einige Medikamente können blendempfindlich machen. All das sollte mit dem Optiker abgeklärt werden, bevor man sich für eine Tönung entscheidet. Und: Das dunkelste Glas ist nicht unbedingt das beste. Denn dunkle Gläser mindern die Kontraste, was im Sport oft gar nicht sinnvoll ist. Im Gegenteil: Man braucht sie, um Entfernungen und damit Geschwindigkeiten richtig einschätzen zu können.

5. Polarisierende Gläser versprechen einen erhöhten Blendschutz. Kann man diese auch in Sportbrillen einbauen lassen?

Natürlich geht das. Das Polglas filtert eine Lichtrichtung aus dem reflektierten Licht heraus. Dadurch entsteht der Eindruck, klarer zu sehen. Aber der Effekt kommt nur zustande, wenn das Licht von einer glatten Fläche zurückgeworfen wird. Im Fall von bewegten Oberflächen ist die Wirkung kaum spürbar. Zudem sind Polgläser nicht für alle Sportarten gleichermaßen sinnvoll. Für einen Angler an ruhigem Gewässer ist es eine Erleichterung. Segler müssen jedoch jeden Reflex an der Wasseroberfläche wahrnehmen, um den Wind richtig einschätzen zu können. Im Skisport kann eine Polscheibe sogar die Sicherheit beeinträchtigen: Ein Skifahrer muss sein Fahrverhalten ständig an die Konsistenz des Schnees anpassen. Diese nimmt er durch die Reflexion wahr: Frischer Schnee hat eine dumpfe, Eis eine grelle Reflexion. Mit Polgläsern auf der Nase kann der Fahrer das nicht unterscheiden.

6. Beim Wandern und Walken ist es doch egal, welche Brille man trägt, oder?

Ganz und gar nicht. In steilem Gelände zum Beispiel können Gleitsichtgläser sogar gefährlich sein. Das Gleitsichtglas hat im unteren Bereich die Lesestärke. Geht man bergab, muss man den Kopf sehr stark nach unten neigen, um den Boden mit dem Fernbereich des Glases zu sehen. Das ist extrem anstrengend und in manchem Gelände schlicht nicht möglich. Deshalb passieren Wanderern gerade mit Gleitsichtgläsern bergab viele Unfälle.

7. Fast alle großen Sportmarken verkaufen inzwischen auch Brillen. Wie steht es um deren Qualität?

Jede Brille kann gut sein, wenn sie auf die Bedürfnisse des Sportlers eingestellt ist. Wichtig ist, dass sie alle Bewegungen und Blickfolgen zulässt. Sie sollte nicht rutschen, nicht beschlagen und Sicherheit bieten. Eine Sportbrille zu kaufen, nur weil ein gewisses Emblem darauf prangt, ist nicht funktional, sondern Lifestyle. Optiker bieten Sportbrillen ab rund 80 Euro an. Sonderanfertigungen - etwa Spezialmodelle für Segelflieger - können bis zu 900 Euro kosten. Die gesetzliche Kasse gewährt zu einer Sportbrille keinen Zuschuss. Zuzahlungen privater Kassen muss man im Einzelfall klären.

8. Sind selbsttönende Gläser empfehlenswert?

Für den Sport sind sie aus zwei Gründen nicht so gut geeignet: Zum einen werden die meisten Filter grau, wenn sie abdunkeln. Graue Gläser aber können eine schlechte Wirkung auf die Psyche haben. Zum anderen reagieren selbsttönende Scheiben auch auf die Temperatur: Wenn es kalt ist, werden die Gläser dunkel, wenn es heiß ist, bleiben sie heller. Bei Kälte ist aber oft auch das Wetter trübe - dann behindern dunkle Scheiben erst recht die Sicht.

9. Wie sinnvoll sind Sportsonnenbrillen?

Es gibt keine Sportsonnenbrillen, es gibt nur Sportbrillen mit getönten Gläsern. Dabei ist die Tönungsfarbe entscheidend. Den Blick durch blaue oder grüne Gläser empfinden viele Menschen als beruhigend. Gelbe Gläser werden oft bei Nebel eingesetzt. Nicht weil man damit besser sehen könnte - womöglich fällt es durch diese Tönung psychisch leichter, mit den schlechten Sichtverhältnissen umzugehen. Vorsicht dagegen mit roten Gläsern: Sie sind im Straßenverkehr nicht geeignet, weil man mit ihnen Signallichter schlecht erkennen kann. Für die meisten Sportarten ist Orange eine gute Wahl.

10. Als Schutz gegen Wind und Kälte setzen auch Skifahrer ohne Sehschwäche eine Brille auf. Worauf ist zu achten?

Eine Skibrille sollte die Augen dicht umschließen und hundertprozentigen UV-Schutz bieten. Schnee und Eis reflektieren bis zu 95 Prozent des Lichts; am Gletscher empfiehlt sich ein Glas der Kategorie 4. Gute Gletschergläser sind im oberen und unteren Glasbereich verspiegelt, in der Mitte nicht. Denn auch am Gletscher ist das Kontrastsehen sehr wichtig.