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Gendiagnostik: Gen-Länge verrät Depressionsrisiko

Die Neigung eines Menschen zu Depressionen hängt offenbar stark von der Länge des Gens 5-HTT ab. Es spielt eine wichtige Rolle im Serotonin-Haushalt des Gehirns.

Die Neigung eines Menschen zu Depressionen hängt offenbar stark von der Länge eines bestimmten Gens ab. Darauf deutet eine Studie hin, in der britische Forscher bei rund 850 Menschen die Länge zweier Formen des Gens 5-HTT maßen. Waren beide Formen des Gens verkürzt, lag die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit der Betroffenen, nach mindestens vier Stresserlebnissen im Alter von 21 bis 26 Jahren an einer klinischen Depression zu erkranken, bei 43 Prozent. Hatten beide Gene eine normale Länge, lag das Risiko nur bei 17 Prozent.

Das Gen spielt eine wichtige Rolle für den Serotonin-Haushalt im Gehirn

Als Stressfaktoren werteten die Forscher Trennung, Verschuldung, Arbeitslosigkeit oder andere Situationen von Bedrohung, Verlust oder Niederlage. Das untersuchte Gen codiert das Protein 5-HTT, das für den Serotonin-Haushalt eine wichtige Rolle spielt. Das Protein sorgt dafür, dass der Neurotransmitter nach Ausschüttung wieder zurück in die Zelle geführt wird. Bei Menschen mit verkürztem 5-HTT-Gen wird offenbar weniger Serotonin zurücktransportiert. Dieser Mangel wird vermutlich durch Stressfaktoren verstärkt.

121 Millionen Menschen leiden an Depression

Die Entdeckung könnte es ermöglichen, neue Medikamente gegen Depressionen zu entwickeln. Zudem könnten Menschen genanalytisch auf ihre Anfälligkeit für Depressionen untersucht werden. Da jedoch auch andere genetische Faktoren und Umwelteinflüsse eine wesentliche Rolle spielen, ist eine genaue Risikoabschätzung derzeit nicht möglich. Weltweit leiden laut dem Magazin Nature" rund 121 Millionen Menschen an einer klinischen Depression.

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