VG-Wort Pixel

Gewohnheiten Von wegen langweilig: Warum Routinen viel besser sind als ihr Ruf

Frau sitzt mit einem Notizbuch und eine Tasse am Fenster
Wer den Kopf voll hat, kann zum Beispiel jeden Tag die Gedanken aufschreiben. Eine solche Routine hilft dabei, Stress zu reduzieren.
© MundusImages/Getty Images
Der erste Gedanke bei Routine mag zwar erstmal Langeweile sein, doch es lohnt sich, neue Gewohnheiten zu etablieren. Sie unterstützen die kognitiven Fähigkeiten, können die Gesundheit fördern und dem Leben sogar eine gewisse Würze verleihen.

Der Bus fährt in fünf Minuten ab, die Zeit wird knapp. Doch der Schlüssel lässt sich einfach nicht finden. Eine Situation, die für unnötigen Stress sorgt. Eine Routine könnte hier Abhilfe schaffen. Wer sich angewöhnt, den Schlüssel immer in eine Schale auf dem Wohnzimmertisch zu legen oder an ein Schlüsselbrett zu hängen, verschwendet weniger Zeit, um den verlorenen Schlüssel zu suchen und ist weniger gestresst. Außerdem bleibt mehr Zeit für die Dinge, die Spaß machen. Das ist nur ein positiver Effekt von Routinen im Alltag. Sie helfen auch dabei, gesunde Entscheidungen zu treffen, denn einmal etablierte Routinen gehören zu den festen Gewohnheiten. Statt sich immer wieder entscheiden zu müssen, gibt die gelernte Routine vor, dass wir zum Beispiel jeden Tag einen Apfel essen. Wie uns gesunde Routinen helfen und wie wir sie in den Alltag einbauen können.

Wer tägliche Routinen hat, unterstützt auch die kognitiven Fähigkeiten. Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßige Arbeitsprozesse es Arbeitnehmer:innen ermöglichen, ihre kognitive Energie nicht bei wiederkehrenden Aufgaben aufwenden zu müssen. Das könne die Konzentration und Kreativität unterstützen, sagt Megan Edgelow, Assistenzprofessorin für Gesundheitswissenschaften an der Queen’s University in Ontario in "The Conversation". Bei älteren Menschen können Routinen sogar dabei helfen, dass sie in ihrer häuslichen Umgebung besser klarkommen. Nicht nur in Krisenzeiten helfen Routinen außerdem dabei, dass sich die Situation kontrollierbarer und vorhersehbarer anfühlt.

Doch Routinen müssen nicht nur dazu da sein, um produktiver zu sein, den Tag zu strukturieren oder Zeit zu sparen: "Routinen können unserem Leben auch eine gewisse Würze verleihen. Untersuchungen weißen darauf hin, dass eine gesundheitsfördernde Aktivität wie Wandern die Möglichkeit bieten kann, die Natur zu genießen, neue Orte zu erkunden und Kontakte zu knüpfen", sagt Megan Edgelow.

66 Tage bis neue Routinen automatisch ablaufen

Doch wer neue, gesunde Routinen in den Alltag integrieren möchte, sollte sich nicht zu viel vornehmen. Bis eine Routine quasi automatisch abläuft, ist es anstrengend, das Vorhaben jeden Tag 15 Minuten zu lesen, wirklich in die Tat umzusetzen. In einer Studie vom University College sollten 96 Studierende sich eine neue und gesunde Alltagsroutine angewöhnen. Durchschnittlich brauchten die Proband:innen 66 Tage, bis das neue Verhalten automatisch ablief. Heißt: Es braucht Zeit, um neue Routinen in das eigene Leben zu integrieren.

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass zu viele und zu schnelle Veränderungen eher dazu führen, dass es zu einem Verhaltensrückfall kommt. Statt sich zehn neue Routinen vorzunehmen, besser erst mal nur mit einer anfangen. Ob ein analoger Kalender oder eine App auf dem Smartphone, die neue(n) Routine(n) sollten eingeplant werden – wie ein fester Termin im Kalender. Und wer es nicht gleich in der ersten Woche schafft, den täglichen Spaziergang zu machen, sollte nicht zu streng mit sich sein.  

Gewohnheiten: Von wegen langweilig: Warum Routinen viel besser sind als ihr Ruf

Manche Routinen lassen sich auch gut miteinander verbinden. Wer einmal in der Woche eine:n Freund:in treffen und einmal die Woche zum Yoga gehen möchte, könnte die Yogastunde zusammen mit eine:n Freund:in machen.

Tipps für neue Routinen, die gut für Körper und Geist sind:

  • Ein neues Hobby beginnen oder ein altes Reaktivieren.
  • Bewegung in den Alltag integrieren. Zum Beispiel durch Spaziergänge oder Radfahren.
  • Möglichst oft immer die gleiche Einschlaf- bzw. Aufstehzeit haben.
  • Jeden Tag etwas tun, um Stress abzubauen. Das kann beispielsweise Sport sein, Mediation, ein Buch lesen oder mit Freund:innen telefonieren.
  • Medikamente zur gleichen Zeit einnehmen – um es nicht zu vergessen.
  • Dinge wie Schlüssel oder Geldbeutel immer an einem festen Platz ablegen.
  • Sich regelmäßig Zeit für Menschen nehmen, die einem wichtig sind. Oft ist der eigene Terminkalender und auch der von Freund:innen voll. Wie wäre es also mit einer Date-Night einmal pro Woche oder einmal im Monat?
  • Täglich die Gedanken aufschreiben, die im Kopf umherschwirren.
  • Jeden Tag etwas tun, was Spaß macht. Ob etwas Musik von der Lieblingsband hören, ein leckeres Gericht kochen oder 15 Minuten lesen – auch solche Routinen sollten in den Kalender eingetragen werden.

Quellen:The Conversation, PsychCentral,Studie zu Kreativität im Sage Journals, Studie zu Gewohnheiten in der National Libary of Medicine, Studie University College

Mehr zum Thema

Newsticker