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Erkältungsmedikamente: Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Beim ersten Kratzen im Hals greifen viele Menschen sofort zu rezeptfreien Medikamenten. Das ist selten sinnvoll und nicht immer ganz ungefährlich.

Von Angelika Unger

Mehr als eine Milliarde Euro gaben die Deutschen 2004 für rezeptfreie Husten- und Erkältungsmedizin aus. Erkältungsmittel sind damit die umsatzstärkste Medikamentengruppe bei der so genannten Selbstmedikation: Beim ersten Anflug einer Erkältung decken sich viele Menschen mit Hustensaft, Halstabletten und Nasenspray ein. Doch auch diese rezeptfreien Mittel können unerwünschte Nebenwirkungen auslösen - und einiges, was in den Apotheken angeboten wird, ist schlicht und einfach wirkungslos.

Beispielsweise Präparate mit Echinacea, also Sonnenhut: Sie sollen die Abwehr stärken und den Verlauf der Erkältung abkürzen. Zwar gibt es Hinweise, dass der Wirkstoff des Sonnenhuts die Symptome bei Erkältungen lindern kann. Eine vorbeugende Wirkung konnte in Studien aber bisher nicht belegt werden - die Sonnenhutpräparate schützten nicht besser vor Erkältungen als die wirkungslosen Placebos.

Lieber Tee als Halstabletten

Gegen Halsschmerzen haben Apotheker ein riesiges Sortiment an Lutschtabletten im Angebot: rot, grün, gelb, mit Zitronen- oder Wildkirschgeschmack, desinfizierend, schmerzlindernd, betäubend. Bernhard Ruf betrachtet diese Vielfalt kritisch. "Von desinfizierenden Lutschtabletten raten wir generell ab", sagt der Professor. "Sie können die Bakterienflora der Schleimhaut zerstören." Zudem ist umstritten, ob die desinfizierenden Zusätze gegen Halsentzündungen überhaupt wirksam sind: Womöglich verstecken sich die Entzündungsherde zu tief im Gewebe der Schleimhäute, als dass die Tabletten etwas ausrichten könnten.

Ruf empfiehlt deshalb, bei Halsschmerzen lieber auf bewährte Hausmittel zurückzugreifen: "Salbeitee oder Thymiantee mit Honig helfen zuverlässig. Oder lutschen Sie ein Kräuterbonbon, das beruhigt den Hals."

Hustenstiller nur nachts verwenden

Gerade der trockene Reizhusten zu Beginn einer Erkältung kann überaus schmerzhaft sein, Hustensaft ist deshalb gerade für Eltern erkälteter Kinder oft die letzte Rettung. "Wer vor lauter Husten nicht schlafen kann, kann ruhig einen hustenstillenden Saft nehmen", sagt Bernhard Ruf. Tagsüber sollte man von Hustenstillern aber die Finger lassen; denn Husten ist zwar unangenehm, aber sinnvoll: Er schleudert Schmutz und Krankheitserreger aus den Atemwegen nach draußen. Sitzt der Schleim nach einigen Tagen Erkältung erst einmal locker, sollten Hustenstiller nicht mehr verwendet werden, rät Ruf.

Viele Hustensäfte enthalten den Wirkstoff Codein, ein schwach wirkendes Opiat. Es unterdrückt den Hustenreiz, macht aber auch müde und beeinträchtigt das Reaktionsvermögen. Wer Codein-Saft nimmt, sollte deshalb nicht Autofahren oder sich in gefährliche Situationen begeben. Oder gleich zu einem pflanzlichen Präparat greifen: "Hustensäfte auf pflanzlicher Basis sind meist genauso wirksam wie codeinhaltige Säfte und haben nicht so viele Nebenwirkungen", sagt Ruf. Häufig enthalten sie Spitzwegerich, Efeu-Extrakt oder Thymian.

Nasensprays maximal eine Woche lang verwenden

Nach einem bestechend einfachen Prinzip arbeiten Nasensprays: Sie enthalten Substanzen, die die Schleimhäute abschwellen lassen - einmal sprühen und die verstopfte Nase ist wieder frei. "Abschwellende Sprays sollten Sie jedoch nie länger als eine Woche verwenden, da sie sonst die Schleimhaut völlig austrocknen", warnt Bernhard Ruf. Dann kann ein so genannter medikamentöser Schnupfen entstehen, bei dem sich die Nasenschleimhäute vollständig zurückbilden.

"Eine nebenwirkungsarme Alternative ist ein Salzwasserspray", rät Ruf. Zwar dauert es etwas länger, bis nach dem Sprühen die Nase frei wird, dafür ist aber die Daueranwendung gesundheitlich unbedenklich. Auch Dampfbäder, etwa mit heiß aufgebrühter Kamille, können dafür sorgen, dass man wieder besser Luft bekommt.

Kombipräparate

Als wahre Wunderwaffe gegen Erkältungen werden Kombi-Präparate angepriesen, die gleichzeitig gegen Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber helfen sollen.

Bernhard Ruf rät von diesen Mitteln ab: Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten seien sehr viel häufiger als bei Medikamenten, die nur ein Symptom der Erkältung gezielt bekämpfen. Zudem sei die Zusammensetzung nicht für jedes Stadium der Erkältung sinnvoll: Oft sind hustenstillende Wirkstoffe enthalten, die das Abhusten verhindern.