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Heuschnupfen: Früher, länger, intensiver

Millionen Birkenpollen-Allergiker niesen wieder - und stöhnen über Neuigkeiten aus der Forschung: Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Pollen Jahr für Jahr früher fliegen, der Pollenflug sich zudem bis in den Spätherbst ausdehnt. Und: Ein "Allergiker-Schrecken" wurde in Deutschland bereits heimisch.

Haaatschi! Haaatschi! Haaatschi! Deutschland niest - die Heuschnupfen-Saison ist wieder im vollen Gange. Die von besonders vielen Allergikern gefürchteten Birkenpollen schwirren durch die Luft und sorgen für geschwollene Augen, laufende Nasen und Hustenreiz. Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland reagiert allergisch auf die Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern.

Eine schlechte Nachricht für die Heuschnupfen-Geplagten haben nun Forscher der Freien Universität Berlin: Die Leidenszeit für Allergiker verlängert sich - schuld daran ist der Klimawandel. Die Blühzeit der Birke habe sich durch das wärmere Wetter zum Beispiel in Berlin seit den 1980er Jahren um acht Tage verlängert, melden sie.

Auch andere Pollen fliegen länger als früher. "Normalerweise endet die Pollenbelastung im September mit den Kräutern wie Beifuß", sagte der Vorsitzende der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst in Berlin, Karl-Christian Bergmann. Im vergangenen Jahr habe man jedoch noch im Dezember Kräuterpollen gemessen.

Frühstart bei Erle und Hasel

Für einige Allergiker bedeutet dies: Heuschnupfenattacken ohne Atempause im Winter - denn der Pollenflug dauert nicht nur länger, sondern beginnt auch immer früher. In diesem Jahr hatte der milde Winter für einen exorbitanten Frühstart bei den Frühblühern Erle und Hasel gesorgt. Sie blühten bereits sechs Wochen früher als üblich, berichtet die Biologin Anja Schwalfenberg vom Deutsche Allergie- und Asthmabund. Bereits Anfang Dezember seien die ersten Haselpollen unterwegs gewesen. Kurz nach dem Jahreswechsel habe man die ersten Erlenpollen festgestellt. "Die Beschwerden haben in diesem Jahr deutlich früher begonnen als sonst, weil die ersten Pollen zeitiger unterwegs waren", fasst Bergmann zusammen.

"Allergiker-Schrecken" wird heimisch

Und damit nicht genug der schlechten Nachrichten: Dank des milder werdenden Klimas könnten bald viele Pflanzen in Deutschland wachsen, denen es in der Region bisher zu kalt war. Eine ist offenbar bereits heimisch geworden: die aus Nordamerika stammende Ambrosia-Pflanze, auch bekannt als Traubenkraut oder Ragweed. In der Pollenfalle der Freien Universität Berlin fanden sich am 4. September 2006 erstmals Ambrosia-Pollen.

Den Beinamen "Allergiker-Schrecken" trägt die Ambrosia nicht ohne Grund: Sie verlängert nicht nur die Pollensaison in Deutschland um gut zwei Monate - als Spätblüher blüht die Pflanze von Mitte Juli bis Ende Oktober. Sie besitzt außerdem das wohl weltweit stärkste Pollenallergen der Welt. Zehn Pollenkörner pro Kubikmeter Luft reichen aus, um tränende und juckende Augen, Kopfschmerzen und Heuschnupfen, aber auch schwere Symptome wie Asthma oder Atemnot hervorzurufen, erläutert der Berliner Kinderarzt und Allergologe Michael Silbermann. Ein warmes Klima könne dazu beitragen, dass sich die Pflanze rasch ausbreite, fürchten die Experten.

Angelika Unger (mit AP, DPA)

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