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Erstmalig: HIV-Therapie: Injektionen könnten Pillen überflüssig machen

Es ist eine Revolution im Kampf gegen den HI-Virus für alle betroffenen Patienten. Eine neue, vielversprechende Studie zeigt, welche Vorteile die Injektionstherapie gegenüber der konventionellen Methode hat. Allerdings mit einem kleinen Haken.

Zu sehen ist eine offene Handfläche, in der einige Tabletten liegen. Hier das HIV-Medeikament Retrovir.

Die gängige HIV-Therapie bestand bislang aus der Einnahme etlicher Pillen. Das könnte sich bald ändern.

Durch die monatliche Injektion der HIV-Medikamente kann das heimtückische HI-Virus und dessen Wirkung so gut eingedämmt werden, wie es bislang nur herkömmliche Pillen schafften. Eine Gruppe internationaler Forscher, auch mit deutscher Beteiligung, haben die Studie auf der HIV-Konferenz in Paris vorgestellt.

Sollten Zulassungsstudien - die bereits laufen - die im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichten Ergebnisse bestätigen, könnte erstmals eine Injektionstherapie gegen HIV auf den Markt kommen, die nur alle vier Wochen nötig wäre. Unabhängige Experten sprechen in einem "Lancet"-Kommentar von einem Meilenstein in der Geschichte der HIV-Therapie.

HIV-Bekämpfung via Kanüle

Bei der HIV-Behandlung nehmen Patienten derzeit täglich oral drei Wirkstoffe, die die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze drücken können. Seit einigen Jahren gibt es Kombinationspräparate, so dass Betroffene nur noch eine Tablette pro Tag benötigen. Die nun getestete Injektionstherapie könnte die Behandlung weiter vereinfachen: Patienten bräuchten - im Fall der Zulassung - nur noch alle vier Wochen eine Dosis, allerdings als intramuskuläre Injektion.

In der Studie, die auch in Deutschland vor allem die Sicherheit der Therapie prüfte, nahmen rund 300 Teilnehmer zunächst 20 Wochen lang wie üblich drei Wirkstoffe als Tabletten ein, um die Viruslast im Körper zu senken. Danach führten knapp 60 Patienten diese Behandlung fort, während jeweils 115 Teilnehmer zwei Wirkstoffe im Abstand von vier und acht Wochen intramuskulär injiziert bekamen.

Zeitraum nicht weiter dehnbar

Nach knapp zwei Jahren (96 Wochen) war die Viruskontrolle bei der Injektionstherapie sogar etwas ausgeprägter als bei der konventionellen Tabletten-Einnahme. Bei rund 90 Prozent der Betroffenen wurde das Virus dauerhaft unterdrückt - sowohl bei Injektionen im Abstand von vier Wochen wie auch von acht Wochen.
Häufigste Nebenwirkung waren Schmerzen an der Einstichstelle, die im Mittel nach drei Tagen abklangen.

Die Ergebnisse zeigten, "dass eine langwirkende injizierbare antivirale Therapie über einen langen Zeitraum sowohl hocheffektiv sein als auch gut vertragen werden kann", wird Ko-Autor Joseph Eton von der University of North Carolina in Chapel Hill in einer "Lancet"-Mitteilung zitiert. Zulassungsstudien für die Injektionstherapie laufen bereits - allerdings nur für den Abstand von vier Wochen. Die achtwöchige Injektion hatte bei vier Teilnehmern nicht angeschlagen.

Meilenstein in der Forschung

Eine seltenere Anwendung könnte dazu führen, dass Patienten sich zuverlässiger an Therapien halten. Dies würde sowohl die Kontrolle des Aids-Erregers verbessern als auch die Entstehung von Resistenzen gegen Wirkstoffe erschweren.

"Diese Resultate verdienen große Aufmerksamkeit", schreiben Mark Boyd von der University of Adelaide und David Cooper von der University of New South Wales in Sydney in einem "Lancet"-Kommentar. "Eine antivirale Injektionstherapie ist umso attraktiver, je seltener sie injiziert werden muss." Die Studie biete einen markanten Meilenstein in der Entwicklung von HIV-Therapien.

fk / DPA
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