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Medikamentenstudien: Pharmafirmen halten Daten zurück

Positive Ergebnisse werden publiziert, negative verschwiegen. Immer wieder werden Medikamentenstudien mit kritischen Ergebnissen zurückgehalten, sagt Professor Klaus Lieb, der solche Manipulationen untersucht hat.

Kürzlich wurde berichtet, dass der Pharmakonzern Pfizer wichtige Studiendaten über ein Medikament gegen Depressionen zurückhalten soll. Arzneimittelprüfer konnten den Nutzen des Präparats Reboxetin daher offenbar nicht beurteilen. Hat Sie die Nachricht überrascht?

Ja, denn Pfizer hatte den Wissenschaftlern vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) offenbar zugesichert, alle Studiendaten weiterzugeben. Und dann blockierte das Unternehmen die Herausgabe mit der Begründung, dass bereits ausreichend Daten zur Begutachtung vorlägen. Was ausreichend ist, definierte der Konzern also selbst. So ein Ausmaß der Zurückhaltung von Studiendaten ist auch für mich neu.

Haben Sie solche Vorfälle bereits erlebt?

Dass positive Studienergebnisse publiziert und negative verschwiegen werden, kennen wir schon länger. Im vorigen Jahr ergab eine Analyse zu bestimmten Antidepressiva bereits, dass von allen verfügbaren Studien diejenigen mit positivem Ausgang fast alle veröffentlicht worden waren. Von den Studien, bei denen das Medikament nicht besser gewirkt hatte als ein Placebo, kam dagegen ein Großteil nie an die Öffentlichkeit. Die Unternehmen suchten sich also aus allen Studiendaten jene heraus, die ihr Präparat gut dastehen ließen. Und das könnte bei Reboxetin ähnlich abgelaufen sein.

Wie kommen Sie darauf?

Weil schon die publizierten Daten über das Medikament nicht sehr überzeugend sind. In einer Übersichtsarbeit vor vier Monaten schnitt Reboxetin unter zwölf modernen Antidepressiva in seiner Wirkung am schlechtesten ab. Das bedeutet aber nicht, dass Patienten das Medikament nun absetzen sollen. Insbesondere bei schweren Depressionen ist der Nutzen der Antidepressiva sicher belegt. Und vor allem wenn das Antidepressivum bislang geholfen hat, sollten sie es unbedingt weiter einnehmen.

Verschweigen nur Pharmafirmen den Patienten wichtige Daten?

Das Problem ist nicht nur eines der Pharmaindustrie. Auch unabhängige Wissenschaftler wollen lieber positive als negative Ergebnisse veröffentlichen.

Forscher wollen mit positiven Resultaten glänzen?

Die Untersuchung einer renommierten Fachzeitschrift ergab, dass Wissenschaftler vor allem positive Studienergebnisse zur Publikation einreichen, auch unabhängig von der Pharmaindustrie. Und die Gutachter der Journale wählen hauptsächlich solche Arbeiten aus. Jene mit negativen Resultaten haben es ungleich schwerer, den Weg in eine Fachzeitschrift zu finden. Denn nur wer viele Artikel in hoch angesehenen Journalen platziert, kann es in der Wissenschaft weit bringen.

Und doch ist der Einfluss der Pharmaindustrie besonders groß. In einer noch unveröffentlichten Expertise haben Sie sich angesehen, welche Auswirkungen es hat, wenn Studien von Unternehmen finanziert werden. Was kam dabei heraus?

Unsere Arbeit bestätigte unsere Befürchtungen: Von der Pharmaindustrie veröffentlichte Arzneimittelstudien haben häufiger ein für die Pharmaindustrie günstiges Ergebnis als aus anderen Quellen publizierte Studien.

Wie ist das möglich?

Erstens kann man Daten unkorrekt darstellen, indem - wie möglicherweise bei Reboxetin - negative Ergebnisse nicht offengelegt werden. Zweitens lassen sich kleine Überlegenheiten eines neuen Wirkstoffs bei der Interpretation der Ergebnisse übertrieben stark hervorheben. Und drittens kann man eine Medikamentenstudie so entwerfen, dass das Medikament besser dasteht als der Wirkstoff, mit dem es verglichen wird. Indem man etwa die Dosis der anderen Substanz niedriger als üblich ansetzt. Sie wirkt dann bei den Probanden nicht so effektiv, und das Präparat sticht besonders hervor - selbst wenn es in Wahrheit weniger Wirkung zeigt.

Auch nach der Zulassung eines Medikaments geben die Pharmaunternehmen keine Ruhe. 15 000 Pharmareferenten besuchen ihre Kunden in Praxen und Krankenhäusern 20 Millionen Mal pro Jahr, um sie von ihren Produkten zu überzeugen. Warum wird das noch geduldet?

Vermutlich sehen viele Ärzte das Problem gar nicht. In einer aktuellen, noch unveröffentlichten Umfrage unter 300 Medizinern zum Umgang mit der Pharmaindustrie glaubten die meisten, gegen den Einfluss der Pharmaindustrie immun zu sein. Dabei wissen wir aus Studien, dass Geschenke oder von der Industrie bezahlte Vorträge durchaus beeinflussen, welche Medikamente Ärzte verschreiben.

Nur wenige Mediziner trauen sich bislang, dies öffentlich zu kritisieren. Werden Sie für Ihre Haltung attackiert?

Ich versuche, die Fakten zu benennen und auf den Tisch zu legen, das wird von den Unternehmen natürlich nicht freudig aufgenommen. Und sie knirschen mit den Zähnen, seit ich im Jahr 2007 neue Regeln für den Umgang mit Pharmavertretern in meiner Klinik aufgestellt habe, sodass sie zum Beispiel nicht einfach unangemeldet die Assistenzärzte auf den Stationen besuchen können.

Lehnen Sie die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen grundsätzlich ab?

Nein, aber ich nehme seit 2007 keine Geschenke mehr an - vom Kugelschreiber bis zur Fernreise - und lehne auch Vorträge im Auftrag der Industrie ab. Ich möchte in meinen Therapieempfehlungen und auch in meinen Entscheidungen weitestgehend unbeeinflusst sein.

Wie steht es mit der Forschung?

Natürlich brauchen wir mehr unabhängige Studien. Doch können und wollen wir auch in Zukunft nicht auf die Pharmaindustrie als Forschungspartner verzichten. Mir geht es um eine gute wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den Unternehmen, bei der nicht allein wirtschaftliche Interessen das Sagen haben dürfen, bei der echte Weiterentwicklungen entstehen, die den Patienten zugute kommen. Wir müssen uns aber eingestehen, dass sich die Industrie nicht immer an ihre freiwilligen Verpflichtungen hält. Deshalb brauchen wir gesetzliche Regelungen, die einen Zugang zu allen durchgeführten Studien sicherstellen.

Interview: Astrid Viciano / print

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(