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Höhenkrankheit: Todesfalle Mount Everest: Das macht den höchsten Berg der Erde so gefährlich

Der Mount Everest ist ein Sehnsuchtsort, doch für elf Bergsteiger wurde er in diesem Jahr zur tödlichen Falle. Ursache ist vermutlich eine Kombination aus zwei Extremen - das eine ist natürlich, das andere menschengemacht.

Das letzte Opfer war 62 Jahre alt, ein US-Amerikaner, der beim Abstieg vom 8848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest verstarb. Kurz vor seinem Tod hatte sich der Traum des passionierten Bergsteigers erfüllt: einmal auf dem höchsten Gipfel der Erde zu stehen. Doch schließlich war es nicht er, der den Berg bezwang - der Berg bezwang ihn. Chris Kulish starb im südöstlich gelegenen Camp kurz unterhalb des Gipfels.

Sein Tod markiert einen traurigen Höhepunkt in der diesjährigen Saison am Mount Everest. Mit ihm starben bisher elf Menschen bei dem Versuch, einen der 8000er-Berge im Himalaya zu besteigen. Das sind mehr als doppelt so viele wie in der Saison 2018, in der fünf Menschen ihr Leben lassen mussten.

In der vergangenen Woche sorgte ein Bild für Schlagzeilen, das in der Nähe des Mount Everest-Gipfels bei günstigem Wetter entstand. Es zeigt Dutzende Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel: Sie drängen sich auf dem engen Pfad und bilden eine Art Warteschlange. Experten vermuten, dass die diesjährigen Todesfälle in Zusammenhang mit den Menschenmassen am Mount Everest stehen könnten. Es entstünden längere Wartezeiten, die Menschen verbrächten zu viel Zeit in der gefährlichen Todeszone. 

Doch was versteht man darunter genau? Und warum sind die Höhen des Himalaya-Gebirges so riskant für den Menschen?

Mount Everest: Ein Team der Nepal Army lädt die sterblichen Überreste von vier Bergsteigern aus einem Hubschrauber

Tod am Mount Everest: Ein Team der Nepal Army lädt die sterblichen Überreste von vier Bergsteigern aus einem Hubschrauber

DPA

Tückische Höhenkrankheit

Höhen ab etwa 2000 bis 2500 Meter bedeuten für den menschlichen Körper enormen Stress. Mit zunehmender Höhe sinken sowohl Luftdruck wie auch Sauerstoffgehalt der Luft. Der Körper versucht zunächst, das zu kompensieren und steigert Atem- und Herzfrequenz. Sind die Organe dennoch nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, entsteht die Höhenkrankheit. Betroffene klagen über Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Sie fühlen sich krank, sind appetitlos, können kaum schlafen oder müssen erbrechen. Hände und Füße können anschwellen. Die Höhenkrankheit tritt vor allem beim schnellen Aufstiegen auf, weil der Körper nicht ausreichend Zeit hat, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. 

Die Symptome einer Bergkrankheit bilden sich meist innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst zurück. Wer die Symptome jedoch ignoriert und weiter aufsteigt, riskiert ein lebensbedrohliches Höhenhirn- oder Höhenlungenödem. Je nachdem, wo sich die Flüssigkeit ansammelt, leiden Erkrankte an Bewusstseinsstörungen oder drohen zu ersticken. 

Die Gefahr in der Todeszone

Ein menschlicher Körper kann sich etwa bis zu einer Höhe von 5000 Metern anpassen. Experten sprechen dabei von Akklimatisation. "Oberhalb von 5500 Metern ist eine vollständige Anpassung an die Höhe bzw. den Sauerstoffmangel nicht mehr möglich, stattdessen kommt es zu einem kontinuierlichen Abbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit", schreibt dazu die "Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin". "Diese Höhenmarke ist deshalb auch die oberste Grenze einer menschlichen Dauerbesiedelung und gleichzeitig die höchste noch sinnvolle Basislagerhöhe für Expeditionsbergsteiger."

Höhenzonen im Überblick

0-3000 Metermittlere Höhe (Schwellenhöhe liegt bei 2500 Meter)
3000-5000 Metergroße Höhe, vollständige Akklimatisation möglich
5000-7500 Metersehr große Höhe, nur unvollständige Akklimatisation möglich
über 7500 MeterTodeszone, akuter Kräfteverfall, nur kurzer Aufenthalt möglich

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.

Ab einer Höhe von 7500 Metern beginnt die Todeszone, in der sich der Körper nicht mehr regenerieren kann. Es droht ein "akuter Kräfteverfall", warnen die Expeditionsmediziner. Dementsprechend kurz sollte der Aufenthalt in dieser Zone sein.

Höhenkrankheit vorbeugen

Wie schnell sich ein Körper an neue Höhen anpasst, ist individuell unterschiedlich und hängt auch von der körperlichen Fitness ab. Bergsteiger sollten langsam aufsteigen, nach Möglichkeit nicht mehr als 300 bis 500 Meter am Tag, und eine tiefe Schlafhöhe wählen ("climb high - sleep low"). Wer Symptome der Höhenkrankheit bei sich feststellt, sollte nicht höher steigen, sondern seinem Körper Zeit geben, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen ("don't go up until sympoms go down"). Verschlechtern sich die Beschwerden, ist ein sofortiger Abstieg angeraten.

Quellen: Denver Post / Techniker Krankenkasse / Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.

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