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Oben ohne: Bestrahlung – ein Gastpost von Silvia Hiller

Für viele Krebs-Patienten sind Strahlen Bestandteil der Therapie. Wegen ihrer Brust-Amputation blieben sie Uta Melle jedoch erspart. Daher meldet sich heute mal eine andere Bloggerin zu Wort.

Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Diese Reihenfolge wurde mir empfohlen, um mein Rückfallrisiko zu senken. Mein Name ist Silvia Hiller, 42 Jahre alt und Mutter von 3 wundervollen Kindern. Meine Diagnose liegt 11 Monate zurück. In meinem Blog cherryonair schreibe ich unverblümt über meine Erfahrungen mit meinem Krebs. Kollege Humor wurde mein treuester Begleiter. Er teilt sich den Platz mit unermüdlichem Lebenswillen.

Ich darf heute in Vertretung für die bezaubernde Uta Melle diesen Gast-Post verfassen. Warum? Uta hatte keine Bestrahlung nötig. Durch die beidseitige Amputation ihrer Brüste blieb ihr der tägliche Gang in die Strahlenpraxis erspart.

Doch für viele Patienten sind die heilenden Strahlen eine zentrale Säule ihrer Krebstherapie. Krebszellen werden mit Hilfe elektromagnetischer Strahlung zerstört. Die Erbsubstanz, welche das Rückgrat der Zelle darstellt, wird sozusagen gesprengt.

Das ist das sichere Todesurteil für die DNA der Krebszelle. Die Zellteilung endet. Die Schädigung der gesunden Zellen wird als weniger problematisch angesehen, da man ihnen nachsagt, sich selbst wieder reparieren zu können, diese Teufelskerle! Besagte Fähigkeit besitzt die Krebszelle glücklicherweise nicht.

Vor vielen Jahren lag der Patient auf der Bestrahlungsliege und wurde frontal mit Strahlen „beschossen“. Organschäden ein bleibendes Andenken der Strahlenzeit. Heute geht eine sorgfältige Planung für eine schonende Behandlung voraus. Die zu bestrahlende Stelle wird millimetergenau berechnet. Der Strahlungswinkel so eingestellt, damit darunter liegende Organe größtenteils verschont bleiben. Diese neuen Strahlentechniken ermöglichen dem Patienten eine bessere Verträglichkeit und mindern das Risiko bleibender Schäden und Spätfolgen. Inoperable Tumore werden kleiner oder verschwinden sogar.

Was jedoch immer noch nicht komplett verhindert werden kann, ist die Belastung für Körper und Psyche. Der tägliche Gang unter die „Elektronensonne“ schränkt die persönlichen Freiräume sehr ein. Der Körper meldet Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit bis hin zu Erbrechen und Durchfall. In Fachkreisen auch Strahlenkater genannt. Drüsen- und Schleimhautgewebe können verkleben oder vernarben. Die Haut reagiert auf die Verbrennung mit Blasenbildung , Hitze, Schwellung und Juckreiz.

Hätte man dieses Hautbild durch einen Sonnenbrand hervorgerufen, wäre das Sonnenbaden strikt verboten worden. In der Krebstherapie wird dieser Hautschaden begrüßt, sogar als Erfolg gewertet und weiterbestrahlt. Glücklicherweise erreicht die Haut meist erst im letzten Drittel der Behandlung diesen Zustand. Das bestrahlte Gewebe kann jedoch auf Dauer empfindlich bleiben. Speziell geschulte Wundschwestern kümmern sich geradezu liebevoll um die geschundene Haut. Ihre Tipps sind Gold wert und unglaublich hilfreich! Sie verarzten, begutachten und versuchen alles, um dem Patienten Linderung zu verschaffen. Eine grandiose Unterstützung.

Beim Betrachten meines persönlichen „Strahlenschadens“, Ende 2014, beschlichen mich große Zweifel, ob meine Haut sich jemals wieder regenerieren könnte. Die obere Hautschicht legte rosafarbenes Fleisch frei. Linderung brachten nur kühlende Seidentücher auf der Wunde und Paraffinkompressen. Das cremen mit Wund- und Heilsalbe war weniger erfolgreich. Nach ca. 2 Wochen hatte sich die Haut fast vollständig regeneriert. Die Wunden waren verheilt und kaum mehr sichtbar. Nur noch die dunkle Färbung der verbrannten Hautstelle erinnert mich täglich an meine 30 Sitzungen.

Die Spätfolgen dieser Therapiesäule stehen in den Sternen. Mein Strahlenerbe trete ich zu gegebener Zeit an - nicht heute. Für den Moment danke ich Wilhelm Conrad Röntgen, der 1895 die Röntgenstrahlung entdeckte. Diesem pfiffigen Wissenschaftler ist es zu verdanken, dass ich heute hier sitze und diese Zeilen schreiben darf.

Unsere Welt ist voller unentdeckter Abenteuer, lassen wir uns doch darauf ein.

Nur der Himmel weiß, was uns morgen erwartet!

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