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Oben ohne Libidoverlust nach Brustkrebs


Nach ihrer Eierstock-OP verlor Uta Melle von einem Tag auf den anderen ihre Libido. Es brauchte lange, bis sie wieder Lust auf Sex hatte. Heute glaubt sie zu wissen, woran es vor allem lag.

Fünf Jahre ist meine Eierstock-OP jetzt her. Ich rutschte von einem Tag zum anderen in die Menopause: Plötzliche Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen und Austrocknen aller Schleimhäute. Das Schlimmste jedoch war der Libidoverlust, den ich mir lange nicht eingestehen wollte. Innerhalb kürzester Zeit von lüstern zu frigide.

Die Entfernung der Eierstöcke aufgrund eines Krebsgens oder eine Hormonersatztherapie bei hormonbedingtem Brustkrebs führt häufig zu Libidoverlust. Die Scheide ist trocken, der Körper will nicht, der Kopf sucht nach Ausreden.

Zunächst experimentierten wir mit Gleitmitteln, dann ließen wir den Sex erst mal sein. Da unsere Beziehung immer sehr leidenschaftlich war, hatten wir eine harte Zeit. Wir entfernten uns voneinander, suchten nach anderen Gemeinsamkeiten.

Unter Zwang und Verzweiflung nach neuen Gemeinsamkeiten zu suchen ist schwer. Wir haben lange gebraucht, zu verstehen, dass wir erst die Schwierigkeiten und Stressfaktoren aus unserem Leben bannen müssen, um wieder Freude zu haben. Seit dieser Erkenntnis entrümpeln wir unsere Beziehung und unser Leben – verschenken und verkaufen gerade alles, was wir nicht mehr brauchen. Wir machen uns leicht.

Und nun kommt der Knüller: Meine Libido ist wieder da und die Schleimhäute machen auch wieder mit. War doch der Stress das Problem?

Gerade habe ich in einer seriösen Zeitschrift einen Artikel gelesen, dass eine Studie belegt hat, dass das Hirn von der Chemo gar nicht so geschädigt wird (Chemobrain), sondern dass die geistigen Missstände in der Zeit eher auf die permanent existierende Sorge oder das mit den Schmerzen beschäftigt sein zurückzuführen sind. Das würde dafür sprechen, dass die Freiheit von Sorgen wieder Platz für die Libido macht.

Hinzu kommt natürlich die Akzeptanz des neuen brustlosen Körpers. Carolin Kebekus sagt überzogen in ihrer unnachahmlichen Art: „Ich muß fickbar bleiben“. Hier äußerlich auf BMI und After-Baby-Body bezogen, will ich das ergänzen: Ich will auch innerlich fickbar bleiben. Ich mag Sex. Ich habe auch an meiner Liebe gezweifelt, denn ohne Libido war auch kein Verlangen nach Zärtlichkeiten und Nähe vorhanden.

Daher hätte ich mich in meiner frigiden Zeit gefreut, wenn es so etwas wie die jetzt bald auf den Markt kommende Viagra für die Frau gegeben hätte. Kein Mann möchte mit einer Frau schlafen, die keine Lust hat. Anders herum geht es ja auch nicht: ein Mann kann gar nicht mit einer Frau schlafen, wenn er keine Lust hat


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