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Ärztefunktionär im stern: Organverkauf - warum eigentlich nicht?

Zehntausende Patienten warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Viele von ihnen sterben. Deshalb fordert ein Münchner Ärztefunktionär: Man sollte offen über den Verkauf von Organen diskutieren.

Von Bernhard Albrecht

Ärzte verschließen nach einer Nierentransplantation die Wunde. Weil in Deutschland zehntausende Spenderorgane fehlen, bringt ein Münchner Mediziner finanzielle Anreize für mögliche Spender ins Gespräch.

Ärzte verschließen nach einer Nierentransplantation die Wunde. Weil in Deutschland zehntausende Spenderorgane fehlen, bringt ein Münchner Mediziner finanzielle Anreize für mögliche Spender ins Gespräch.

Der Münchner Transplantationschirurg Karl-Walter Jauch fordert im aktuellen stern eine "offene und ehrliche Diskussion über finanzielle Anreize für Organspender". Die Voraussetzung sei aber, dass die Gesellschaft so weit wäre, solche Modelle zu akzeptieren, sagte der ärztliche Direktor des Klinikums Großhadern München, der auch lange Zeit Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie war. Natürlich dürfe die Verteilung der Organe dann nicht weiterhin in den Händen korrupter Vermittler liegen und hohe Provisionen abwerfen.

Jauch verweist auf das einzige Land weltweit, in dem Menschen ihre Organe seit 1988 Jahren legal verkaufen können: Iran. "Die Gesellschaft lebt dort offenbar gut mit dem Modell. Wir sollten das nicht von vorneherein verteufeln."

Jauchs Forderung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Die Akteure des Organspendeskandals am Klinikum Göttingen im Jahr 2012 verantworten sich noch vor Gericht, da steht schon ein neuer Verdacht im Raum: Könnte es sein, dass Patienten auf dem OP-Tisch Organe entnommen werden, die gar nicht tot sind? Bei der geforderten Hirntod-Diagnostik wurde in mindestens elf Fällen geschlampt, zuletzt vor eineinhalb Monaten in Bremerhaven.

Niere gegen Geld

Der stern sprach mit Jauch anlässlich des Erscheinens des Buches "Niere gegen Geld". Darin schildert der Auslandsreporter Willi Germund, wie er sich auf dem internationalen Organ-Schwarzmarkt die Niere eines Afrikaners kaufte. Germund, der Strafverfolgung fürchtet, gab ein einziges Print-Interview auf deutschem Boden, das diese Woche ebenfalls im stern erscheint. Er berichtet von Kliniken mit katastrophalen hygienischen Zuständen und von kriminellen Vermittlern, die Verkaufswillige um ihr Geld prellen. Und er schildert, wie rasch sich kurz vor einer Reise nach China seine moralischen Bedenken auflösten: "Ich weiß, dass die meisten Organe bisher von Hingerichteten stammten. Aber damals war ich bereit, alles zu machen, um der Dialyse zu entgehen."

Mit Gesetzen, so Germunds These, sei der Organhandel nicht zu unterbinden. In Deutschland steht der Handel mit Organen seit 1997 durch das Transplantationsgesetz unter Strafe und kann mit fünf bis zehn Jahren Gefängnis geahndet werden.

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