Tages- und Hüttentouren
Wenn der Weg das Ziel ist: Sechs kompakte Wanderrucksäcke im Vergleichstest

Wanderrucksack Test: Sechs Produkte im Vergleich
Im Wanderrucksack-Test untersuchen wir sechs kompakte Wanderrucksäcke für Tages- und Hüttentouren
© Tobias Stahl / stern

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Sechs kompakte Rucksäcke treten im Wanderrucksack-Test gegeneinander an. Welcher ist der passende Begleiter für Wanderungen, den Urlaub oder den Weg zur Arbeit?

Die Jahreszeiten streifen durch die Felder – also heißt es: Rucksack packen und raus in die Natur zum Wandern. Dabei entscheidet unter anderem die Wahl des richtigen Wanderrucksacks darüber, ob der Ausflug ein entspannter Ausflug oder eine lästige, anstrengende Tour wird.

Kompakte Wanderrucksäcke zwischen 25 und 32 Litern sind die probaten Alleskönner für Ganztagestouren und leichtere Hüttentouren mit Übernachtung – sie sind aber auch kompakt genug für den Berufsweg oder den Wochenendurlaub mit der Bahn. Bei den verschiedenen Herstellern und Modellen gibt es zahlreiche Bauarten, Rückensystem-Philosophien und Organisationskonzepte. Sechs dieser Wanderrucksäcke traten in unserem Vergleichstest gegeneinander an – wir wollten wissen, welche Modelle praktische Begleiter sind.

Wanderrucksack-Test: Die ausgewählten Modelle

  1. Vaude Wizard 24+4 zum Shop
  2. Deuter Futura Pro 32 zum Shop
  3. Quechua MH900 25L zum Shop
  4. Gregory Nano 28 zum Shop
  5. Rab Protium 27L zum Shop
  6. Salomon Trailblazer 30 zum Shop

Weitere lohnende Wanderrucksäcke

Folgende Modelle haben wir nicht selbst getestet, sind aber auch einen Blick wert:

Testergebnis: Diese Wanderrucksäcke überzeugen

Klarer Gesamtsieger in unserem Test ist der Vaude Wizard 24+4. Der Rahmenrucksack mit verstellbarer Rückenlänge, verstellbarem Netz und erweiterbarem Volumen überzeugt in nahezu jeder Disziplin, ohne dafür an anderen Stellen Kompromisse einzufordern. Der Wanderrucksack von Vaude punktet mit seiner Flexibilität, seiner optimalen Lastverteilung und tollem Tragekomfort – und auch Verarbeitung, Design und Nachhaltigkeit lassen kaum Wünsche offen. Für knapp 110 Euro zum Testzeitpunkt ist das ein wirklich solides Angebot für Kurzentschlossene auf Tageswanderung und ambitionierte Wanderer gleichermaßen.

Unser Preis-Leistungs-Tipp ist der Quechua MH900 mit 25 Litern Volumen: Der Rahmenrucksack überzeugt im Einsatz mit einem ausgefeilten Organisationskonzept und überraschend gutem Tragekomfort. Bei einem Kaufpreis von rund 90 Euro fallen auch kleinere Schwächen in der Verarbeitung und die nicht verstellbare Rückenlänge kaum ins Gewicht – zumal der Hersteller zehn Jahre Garantie gewährt.

Alle Details, Eindrücke und Testergebnisse finden Sie in den Einzeltests unter der Tabelle.

Tobias Stahl

Über den Tester

Wenn Wälder und Wiesen, Berge und Bäche rufen, lasse ich mich nicht lange bitten: Regelmäßig breche ich zu kurzen Ausflügen und längeren Wanderungen auf, mal im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Sauerland und der Eifel, mal in den Dolomiten oder den Hohen Tauern. Immer mit dabei: ein Rucksack mit allen Must-haves, von Snacks und Getränken bis zu Wanderstöcken, Wechselkleidung, Blasenpflastern und einer Stirnlampe. Der passende Rucksack macht jede Tour gleich viel angenehmer – deshalb war ich für diesen Vergleichstest mit sechs kompakten Wanderrucksäcken draußen unterwegs, um herauszufinden, welcher der beste Begleiter ist.
Weitere Informationen über Tobias Stahl

Vergleichstabelle: Wanderrucksack-Test

Preis
Testsieger
VAUDE Wizard 24+4
VAUDE Wizard 24+4*
1.
Deuter Rucksack Futura Pro 32 blau
Deuter Rucksack Futura Pro 32 blau*
2.
Preis-Leistungs-Tipp
Quechua Wanderrucksack - MH900 25 l
Quechua Wanderrucksack - MH900 25 l*
3.
Gregory Essential Hiking - Nano 28
Gregory Essential Hiking - Nano 28*
4.
Rab Protium 27L Rucksack - Anthrazit - M/L
Rab Protium 27L Rucksack - Anthrazit - M/L*
5.
Salomon Trailblazer 30 Unisex Hiking Backpack, 30L
Salomon Trailblazer 30 Unisex Hiking Backpack, 30L*
6.
Osprey Hikelite Unisex-Wanderrucksack, 28L, Raven Black
Osprey Hikelite Unisex-Wanderrucksack, 28L, Raven Black*
7.
Mammut Lithium 30 l
Mammut Lithium 30 l*
8.
Fjällräven Unisex Singi 28 Rucksack, Dark Olive, One Size
Fjällräven Unisex Singi 28 Rucksack, Dark Olive, One Size*
9.
deuter Trail 30 Klettersteig Wanderrucksack
deuter Trail 30 Klettersteig Wanderrucksack*
10.
ab € 113,99
ab € 168,95
ab € 89,99
ab € 82,90
ab € 118,40
ab € 71,99
ab € 97,99
ab € 99,90
ab € 158,48
ab € 117,90
Bewertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung Nicht in der Wertung
Nennvolumen* 28 l 32 l 25 l 28 l 27 l 30 l 28 l 30 l 28 l 30 l
Gewicht 1.250 g 1.610 g 1.080 g 600 g 1.040 g 540 g 990 g 930 g 1.550 g 1.120 g
Bauart Rahmenrucksack Rahmenrucksack Rahmenrucksack Rahmenlos Rahmenlos Rahmenlos Rahmenrucksack Rahmenrucksack Rahmenlos Rahmenrucksack
Rückensystem Netzrücken (verstellbare Körpernähe) Netzrücken Belüfteter Kontaktrücken (Schaumstoff) mit Netzbezug Formgestanztes Rückenteil (Schaumstoff) mit Netzbezug Vorgeformtes Rückenteil aus ABS-Kunststoff (halbstarr) Schaumstoffrücken Netzrücken Belüfteter Kontaktrücken mit Netzbezug Kontaktrücken Kontaktrücken
Rück­en­län­ge ver­stell­bar Ja Ja Nein Nein Ja Nein Ja Ja Nein Nein
Hüftflossen Ja Ja Ja Nein (Hüftgurt) Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Hauptmaterial 100 % Polyamid; 200D / dobby ripstop weave Polyamid; 210D REC PA X-GRID 100 % Polyamid 100 % Polyester; 450D 100 % Polyamid; 100D Robic® 100 % Polyamid 100 % Polyamid; 210D 100 % Polyamid 65 % Polyester, 35 % Baumwolle; G-1000 HeavyDuty S; 100 % Polyamid 500D Polyester und Polyamid; 600D PES REC BS; 210D PA REC BS
Beschichtung Polyurethan (PFAS-frei) DWR (PFAS-frei) Polyurethan (PFAS-frei) C0 DWR (PFAS-frei) Hydroshield Coating (PFAS-frei) k.A. DWR (PFAS-frei) DWR (PFAS-frei) k.A. keine Angabe (PFAS-frei)
Regenhülle inklusive Ja Ja Ja Nein Ja Nein Ja Ja Ja Ja
Trinksystem-kompatibel Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Stockhalter Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja (Befestigungsschlaufen f. zusätzliche Ausrüstung) Ja
Empfohlene Zuladung 3-8 kg 6-10 kg 3-8 kg max. 9,1 kg k.A. k.A. 2-11 kg k.A. k.A. 4-8 kg
Siegel/Zertifikate Vegan; Global Recycled Standard; Green Shape; Grüner Knopf Grüner Knopf; Bluesign Product - Bluesign approved buckles - - Bluesign-zertifiziert Bluesign Product, Fair Wear - Bluesign-zertifiziert
Erhältlich bei
-24 %
113,99 €
150,00 €
-12 %
132,29 €
150,00 €
-20 %
168,95 €
209,95 €
209,95 €
89,99 €
-17 %
82,90 €
100,00 €
99,95 €
118,40 €
-24 %
71,99 €
95,00 €
-25 %
71,40 €
94,95 €
-5 %
90,20 €
94,95 €
-25 %
97,99 €
130,00 €
-15 %
110,60 €
129,95 €
129,95 €
-29 %
99,90 €
140,00 €
-12 %
122,99 €
140,00 €
-5 %
132,95 €
139,95 €
140,00 €
-21 %
158,48 €
199,95 €
199,95 €
-24 %
117,90 €
155,00 €
-10 %
139,50 €
154,95 €
-8 %
142,55 €
154,95 €

* Herstellerangabe

So haben wir die Produkte ausgewählt

Nach diesen Kriterien haben wir die Produkte für den Wanderrucksack-Test ausgewählt:

  • Markenbekanntheit: Wir haben Wanderrucksäcke etablierter Hersteller getestet, die im Outdoor-Bereich bekannt sind. Mit den Produkten dieser Hersteller decken wir das mittlere bis gehobene Verbrauchersegment ab.
  • Beliebtheit: Wir haben gängige Onlineshops nach Wanderrucksäcken durchsucht, die Nutzer häufig gekauft und gut bewertet haben.
  • Verfügbarkeit: Alle getesteten Wanderrucksäcke sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in bekannten Onlineshops erhältlich. Produkte, die nur schwer oder unregelmäßig verfügbar sind, haben wir bewusst nicht getestet.
  • Volumen: Wir haben Rucksäcke mit einem Fassungsvermögen zwischen 25 und 32 Litern getestet. Dieser Größenbereich bildet den Übergang zwischen Daypacks und kleineren Tourenrucksäcken: groß genug für ausgedehnte Tagestouren mit Verpflegung, Wechsel- und Regenkleidung sowie leichtere, zwei- bis dreitägige Hüttentouren ohne Zelt oder Kochausrüstung, aber auch kompakt genug für den Arbeitsweg oder einen spontanen Wochenendausflug.
  • Bauarten: Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Wanderrucksäcken mit Tragesystem (Rahmen oder Framesheet) und rahmenlosen Daypacks. Beide Bauarten eignen sich für unseren anvisierten Einsatzbereich – deshalb umfasst unser Testfeld je drei rahmenlose Rucksäcke und solche mit Tragesystem.
  • Unisex: Viele Hersteller bieten sowohl Unisex- als auch geschlechterspezifische Modelle für Damen oder Herren an. Die in unserem Test untersuchten Wanderrucksäcke sind Unisex-Modelle, die prinzipiell von allen Geschlechtern getragen werden können. Die individuelle Passform hängt jedoch auch vom jeweiligen Körperbau ab.

So haben wir getestet

Wir möchten herausfinden, ob die Rucksackmodelle in unserem Vergleichstest praktische Begleiter für unterwegs sind – also testen wir sie natürlich in der Praxis: Wir gehen mit allen Rucksäcken raus in die Natur zum Wandern. Jedes Exemplar begleitet uns auf einer Wanderung von rund zehn Kilometern. Die ausgewählten Wanderstrecken umfassen Steigungen und Gefälle, Treppen, flache Passagen und verschiedene Untergründe, von Asphalt über Kies und Forstweg bis zum kleinen Trampelpfad inklusive Stolperfallen. 

Um Sitz und Komfort, Lastverteilung und Stabilität reproduzierbar zu testen, beladen wir alle Rucksäcke mit den gleichen Gegenständen in einer festen Packreihenfolge: Wasser und Snacks, Kleidung, Kamera samt Zubehör und ein paar Kleinigkeiten für unterwegs, etwa Portemonnaie, Elektrolyte, Blasenpflaster und Sonnencreme. Alle Rucksäcke beladen wir mit insgesamt 7 Kilogramm Gewicht. Auch die Handhabung der Rucksäcke und der Zugriff auf die unterschiedlichen Fächer gehören zum Praxistest. Wir prüfen, wie einfach oder umständlich es ist, Sitz und Lage der Rucksäcke korrekt einzustellen, Regenjacken oder Wasserflaschen aus dem Rucksack zu holen und dort zu verstauen, die Rückenlänge einzustellen (falls möglich), die Schnallen ein- oder zweihändig zu bedienen oder Reißverschlüsse zu öffnen und zu schließen. Auch die Belüftung der Rückenflächen, Schulterriemen und Hüftgurte bewerten wir im Rahmen des Praxistests. 

Zum Test gehört außerdem ein Verarbeitungscheck. In dessen Rahmen überprüfen wir die Qualität der Nähte und Materialien an den Lastpunkten und im Inneren der Rucksäcke ebenso wie die Leichtgängigkeit der Reißverschlüsse, die Stabilität der Schnallen und die Dicke, Haptik und Abriebfestigkeit der verwendeten Materialien. 

Angesichts wochenlangem, strahlendem Sonnenschein verlegen wir den Regentest – auch im Sinne der Reproduzierbarkeit – in die Dusche: Jeden gepackten Rucksack setzen wir zwei Minuten lang bei gleichbleibender Duschkopfeinstellung und gleicher Wassermenge einem simulierten Wolkenbruch aus. Dabei überprüfen wir, wie gut das Wasser vom Material abperlt oder wie viel Wasser ins Innere des Rucksacks gelangt. Dabei ist jedoch anzumerken, dass keines der Modelle in unserem Testfeld als wasserdicht beworben wird – einige Modelle kommen aber inklusive Regenhülle. Sofern diese zum Lieferumfang gehört, ziehen wir sie vor dem Beregnungstest auf den Rucksack.

Zu guter Letzt möchten wir wissen, wie nachhaltig die Rucksäcke sind: Wanderfreunde sind in aller Regel auch Naturfreunde – dementsprechend wichtig ist vielen Käufern der Nachhaltigkeitsaspekt. Rucksäcke, die zu möglichst großen Anteilen aus recyceltem Material bestehen und deren Beschichtung ausdrücklich frei von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) ist, erhalten Bestnoten. Diese auch als Ewigkeitschemikalien bekannten Stoffe sind sehr langlebig und gelten als gesundheitsschädlich.

Freilich hat unser Test auch Grenzen: Wir testen nicht in der Klimakammer und das Wetter ändert sich täglich. Beim Komforttest hielten sich die Temperaturunterschiede möglichst in Grenzen. Die Passform und Stabilität der Rucksäcke sind – trotz zahlreicher Einstellmöglichkeiten – auch immer eine Frage des individuellen Körperbaus. Ein Rucksack mag einer Person ideal passen, während jemand mit längerem oder kürzerem Rücken, breiterem oder schmalerem Körperbau ein anderes Modell als komfortabler empfindet.

Zu guter Letzt vergeben wir Schulnoten für die einzelnen Wertungskategorien und berechnen daraus eine gewichtete Gesamtnote. Die Gesamtnote setzt sich aus folgenden Wertungskategorien zusammen:

GewichtungKategorie
40 %Tragekomfort & Ergonomie
20 %Verarbeitung & Qualität
20 %Handhabung & Zugriff 
10 %Ausstattung & Organisation
5 %Optik & Haptik
5 %Nachhaltigkeit & Materialien

Aus der Gesamtnote leiten wir abschließend eine Sternebewertung von bis zu fünf Sternen ab.

1. Unser Testsieger: Vaude Wizard 24+4

VAUDE Wizard 24+4
Testsieger
VAUDE Wizard 24+4*
113,99 €
150,00 €
-24%
132,29 €
150,00 €
-12%

Ausstattung & Bedienung: Mit dem Wizard 24+4 bietet das deutsche Unternehmen Vaude als einziger Hersteller in unserem Test einen Wanderrucksack mit verstellbarem Volumen: Standardmäßig sind es 24 Liter, die wir über einen umlaufenden Reißverschluss auf 28 Liter erweitern. Auch die Rückenlänge passen wir stufenlos über einen stabilen, intuitiv bedienbaren Mechanismus an. Dazu kommt eine Funktion, die der Hersteller „Aeroflex Control“ getauft hat. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich ein schlaues Belüftungssystem: Über Riemen am unteren Ende des Rucksacks stellen wir stufenlos und während des Tragens ein, wie nah das Belüftungsnetz am Rückenteil liegt. Entweder liegt der Rucksack direkt auf dem Rücken auf, was Stabilität und Lastverteilung verbessert, oder wir öffnen den Ventilationsraum zwischen Netz und Rückenteil zur Belüftung. Ferner verfügt der Wizard über 

  • einen gepolsterten Hüftgurt mit einseitiger Tasche
  • eine separate Innentasche fürs Trinksystem
  • flexible Seitentaschen
  • eine Fronttasche mit gepolstertem Handyfach
  • separate Organizer-Fächer im Hauptfach
  • Brust- und Kompressionsgurte
  • Lageverstellriemen
  • sowie ein kleines Fach auf der Unterseite für die Regenhülle.

Für Wanderstöcke und Sonnenbrille hat Vaude zudem separate, mit kleinen Piktogrammen markierte Halterungen verbaut.

Tragekomfort & Ergonomie: Gemessen am Gesamtvolumen von 28 Litern ist der Wizard mit knapp 1.300 Gramm vergleichsweise schwer. Die Lastverteilung ist dennoch ideal: Wir spüren keine Druckpunkte, und auch auf steilen An- oder Abstiegen mit geöffnetem Hüftgurt wackelt nichts. Bei geschlossenem Hüftgurt leitet der Rahmen das Gewicht effektiv an die Hüften weiter. Auch das Belüftungssystem überzeugt: Geht es steil bergauf oder -ab, legen wir den Rucksack direkt auf den Rücken, wo er trotzdem bequem sitzt. Auf flachen Passagen vergrößern wir den Ventilationsraum so weit wie möglich. Schwitzen verhindert das Netz zwar nicht vollständig, an heißen Tagen verschafft es aber spürbar Linderung. Auch die gepolsterten, leicht belüfteten Schultergurte tragen zum Komfort bei: Auf Brusthöhe sind sie etwas schmaler und führen leicht zur Brustmitte hin, was die Bewegungsfreiheit der Arme verbessert. Der einzige Störfaktor auf unserer Tour ist die einseitig aufgesetzte Hüftflossentasche, die wir beim Gehen bisweilen mit dem Unterarm streifen.

Wanderrucksack Test: Vaude Wizard 24+4
Der Testsieger Vaude Wizard 24+4 überzeugt hinsichtlich Komfort, Organisation und Verarbeitung auf ganzer Linie. Dank verstellbarem Netzrücken öffnen wir bei Bedarf den Ventilationsraum
 
© Tobias Stahl / stern

Verarbeitung & Material: Vaude setzt beim Wizard 24+4 auf mehrere Standards und Siegel: Er entspricht dem Global Recycled Standard und besteht damit zu mindestens 50 Prozent aus recyceltem Polyester – in diesem Fall aus PET-Flaschen. Er trägt den grünen Knopf, ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien, und erfüllt den von Vaude selbst entwickelten, aber unabhängigen Green-Shape-Standard, der neben zertifiziert recycelten oder erneuerbaren Materialien auch Reparierbarkeit und Materialeffizienz in der Produktion berücksichtigt. Der Rucksack ist zudem vegan. Das bedeutet, dass er nicht aus tierischen Produkten gefertigt wurde und auch bei der Produktion keine tierischen Klebstoffe, Farben oder sonstige Hilfsmittel verwendet wurden. All dies geht weder zulasten der Optik noch der Haptik: Nähte, Außen- und Innenmaterialien wirken stabil und hochwertig. Das Außenmaterial ist mit einer PFAS-freien, Wasser und Schmutz abweisenden Beschichtung versiegelt – bei Regen sollten Sie aber dennoch die beiliegende Regenhülle aufziehen.

Fazit: Der Vaude Wizard 24+4 ist unser Testsieger – aus einem simplen Grund. Ihm gelingt das Kunststück, in jeder Disziplin zu überzeugen, ohne anderswo Kompromisse zu machen. Das verstellbare Volumen, die anpassbare Rückenlänge und das Belüftungssystem machen ihn ausgesprochen flexibel, ohne dass er zu schwer ist. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind stabil und sinnvoll konstruiert, die Lastverteilung funktioniert optimal. Die durchdachte Fächeraufteilung bietet einen Platz für nahezu jeden Ausrüstungsgegenstand. Hinzu kommen eine tadellose Verarbeitung, die konsequent nachhaltige Herstellung und eine ansprechende Optik in einer von fünf Farbvarianten. Angesichts dieser Leistung ist auch der Kaufpreis von aktuell knapp 110 Euro ein wirklich solides Angebot. Wer einen vielseitigen, hochwertigen und bequemen Wanderrucksack für Tages- und leichte Hüttentouren sucht, macht hier nichts falsch.

+ Vorteile:

  • verstellbare Rückennähe
  • verstellbare Rückenlänge
  • tolle Verarbeitung

– Nachteile:

  • Hüftflossentasche ist teils im Weg
  • relativ schwer

2. Für ambitionierte Touren: Deuter Futura Pro 32

Deuter Rucksack Futura Pro 32 blau
Deuter Rucksack Futura Pro 32 blau*
168,95 €
209,95 €
-20%
209,95 €

Ausstattung & Bedienung: Der Deuter Futura gehört zu den beliebtesten Wanderrucksäcken in Deutschland – mit 32 Litern ist die kürzlich überarbeitete Variante Futura Pro 32 zudem der geräumigste Rucksack in unserem Test. Die Rückenlänge stellen wir auf eine von fünf Stufen ein, dann beladen wir den Rucksack mit unserem Referenzgepäck. Deuter bestückt den Futura Pro 32 mit allen wichtigen Fächern:

  • einer geräumigen Fronttasche aus Netzmaterial
  • zwei großzügigen Deckelfächern außen und innen
  • einer Tasche für Trinkblasen
  • einem separaten Innenfach für Nass- und Schmutzwäsche
  • einem Bodenfach mit Regenhülle
  • Seitenfächern
  • Stock- und Sonnenbrillenhalterungen
  • sowie Taschen in beiden Hüftflossen.

Auf die Seitentaschen greifen wir auf Wunsch auch von vorn zu und entnehmen Getränkeflaschen so ganz ohne Abnehmen des Rucksacks. Top: Auf beiden Seiten des Korpus sitzen zusätzlich separate Reißverschlusstaschen, die wir durch einseitiges Absetzen des Rucksacks erreichen – hier verstauen wir Dinge, die wir häufiger benötigen, die aber zu groß für die Hüftflossentaschen sind.

Tragekomfort & Ergonomie: Mit 1.610 Gramm ist der Futura Pro 32 kein Leichtgewicht – er trägt sich aber so: Die gepolsterten, belüfteten Schulterträger sind auch nach längerer Tragezeit komfortabel, der Netzrücken sitzt bequem und belüftet den Rücken merklich. Obwohl er nicht verstellbar ist und die Rückenfläche nie direkt am Rücken anliegt, sitzt der Futura Pro stabil – auch auf etwas technischeren Strecken gerät nichts ins Wackeln. Das dürfte auch an den vergleichsweise breiten Hüftflossen liegen, die das Gewicht dank des elastischen Federstahlrahmens wirksam auf die Hüften übertragen. Die Lageverstellriemen clippen wir in eine von zwei Ösen, direkt über den Schultergurten oder rund 5 Zentimeter höher – wir stellen dabei aber keine Wirkung auf den Tragekomfort fest. Trotz der in fünf Stufen verstellbaren Rückenlänge (42 bis 62 cm) und ergonomisch geformter Schulterträger dürfte der Futura Pro für besonders schmale Personen etwas zu breit ausfallen. Für diese Fälle bietet Deuter mit der Futura-SL-Linie entsprechend auf schmalere Staturen abgestimmte Varianten.

Wanderrucksack Test: Deuter Futura Pro 32
Der Deuter Futura Pro 32 präsentiert sich im Vergleichstest als äußerst komfortabler und geräumiger Begleiter. Dank des Volumens von 32 Litern eignet sich der Deuter Futura Pro 32 auch für Hüttentouren mit Übernachtung
© Tobias Stahl / stern

Verarbeitung & Material: Der Futura Pro 32 überzeugt optisch wie haptisch: Die Verarbeitung ist solide, die Nähte stabil, die Reißverschlüsse laufen leichtgängig und das Material ist belastbar. Anzahl, Größe, Position und Befestigung der Fächer sind durchdacht – man spürt, dass dies nicht die erste Modellgeneration ist. Deuter setzt beim Futura auf Nachhaltigkeit: Der Wanderrucksack trägt den grünen Knopf sowie das Label „bluesign Product“, ein Standard mit strengen Richtlinien für Schadstofffreiheit, Verbraucherschutz, Immissionsschutz und Arbeitssicherheit. Der Wanderrucksack verzichtet auf PFAS und setzt stattdessen auf eine DWR-Imprägnierung („Durable Water Repellency“, deutsch: dauerhafte Wasserabweisung), die Wasser abperlen lässt. Allerdings wird die DWR-Beschichtung online mitunter für ihre mangelnde Langlebigkeit kritisiert. In unserem Beregnungstest perlt das Wasser zwar noch zuverlässig ab – für den Fall der Fälle gehört aber ohnehin eine Regenhülle zum Lieferumfang.

Fazit: In unserem Vergleichstest landet der Deuter Futura Pro 32 auf dem zweiten Platz: Er präsentiert sich als durchdachter, geräumiger Wanderrucksack, dem wir an vielen Details anmerken, dass er über mehrere Produktgenerationen optimiert wurde. Die Taschen sind clever platziert und belastbar, der Netzrücken sitzt stabil und belüftet spürbar, die Lastübertragung funktioniert. Das macht den Futura Pro 32 zum souveränen Begleiter für längere Wanderungen und Hüttentouren. Kleinere Mankos bleiben: Mit rund 1.600 Gramm ist er kein Leichtgewicht, für besonders schmale Staturen dürfte er außerdem zu breit sein – hier hält Deuter aber die Futura-SL-Linie bereit. Mit einem Preis von rund 210 Euro zum Testzeitpunkt ist der Futura Pro 32 kein Schnäppchen, Qualität und Ausstattung rechtfertigen den Preis jedoch, und mit etwas Pflege dürfte der Rucksack ein langfristig zuverlässiger Begleiter sein. Wer ausgiebige Touren plant und nicht zwingend eine ultraleichte Ausstattung benötigt, trifft mit dem Futura Pro eine einwandfreie Wahl.

+ Vorteile:

  • gutes Organisationskonzept
  • tolle Lastverteilung
  • verstellbare Rückenlänge

– Nachteile:

  • vergleichsweise teuer
  • für kurze Touren evtl. überdimensioniert
  • für schmale Staturen womöglich zu groß

3. Preis-Leistungs-Tipp: Quechua MH900 25 Liter

Quechua Wanderrucksack - MH900 25 l
Preis-Leistungs-Tipp
Quechua Wanderrucksack - MH900 25 l*
89,99 €

Ausstattung & Bedienung: Der Quechua MH900 hat das wohl ausgefeilteste Organisationskonzept im Testfeld. Der Rahmenrucksack bietet 

  • zahlreiche Fächer
  • eine große Fronttasche mit Reißverschluss
  • Halterungen und Gummizüge für Wanderstöcke, Jacken und Trinkflaschen
  • sowie zwei Seitentaschen
  • ergänzt durch eine separate Flaschentasche am Hüftgurt, die Platz für bis zu 0,5 Liter bietet und auch im Gehen bequem erreichbar ist.

Eine der beiden Hüftflossentaschen ist wasserdicht und eignet sich somit bestens fürs Smartphone. Das Fach für die Trinkblase liegt zwischen Hauptfach und Rückenteil und ist von außen erreichbar. Praktisch ist auch der separate Reißverschluss auf der Vorderseite, über den wir die untere Hälfte des Hauptfachs erreichen, ohne den Rucksack auszuräumen. Der Deckel mit zwei Reißverschlusstaschen ist abnehmbar, um das ohnehin geringe Gewicht von 1.080 Gramm bei Bedarf weiter zu reduzieren. In einem separaten Fach auf der Unterseite verstauen wir die dazugehörige Regenhülle.

Tragekomfort & Ergonomie: Zugegeben, als wir den Rucksack der Decathlon-Eigenmarke zum ersten Mal in den Händen halten, erwarten wir keine Offenbarung beim Tragekomfort. Die Schultergurte sind zwar gepolstert und belüftet, wirken aber zunächst recht dünn. Das belüftete Rückenteil aus vorgeformtem Schaumstoff wirkt leidlich stabil, aber eher zweckmäßig. Gleiches gilt für die belüfteten Hüftflossen. Der Netzstoff am Rücken bildet keinen Ventilationsraum, sondern liegt direkt auf dem Rückenteil. Unsere Zweifel sind jedoch unbegründet: Im Einsatz ist der MH900 überraschend komfortabel, was sicherlich auch am geringen Gewicht und dem schmalen, aber klug konstruierten Rückenteil liegen dürfte. Die Belüftung könnte besser sein, der Rucksack sitzt aber stabil und liegt bergauf wie bergab angenehm auf. Die Lastkontrolle über die Lageverstellriemen etwa auf Brusthöhe funktioniert auch unterwegs tadellos. Der Drahtrahmen gibt das Gewicht effektiv an die Hüften weiter. Der Hersteller empfiehlt eine Zuladung zwischen 3 und 8 Kilogramm, aber auch bis 10 Kilogramm Gewicht soll der Rucksack noch bequem sein. Bei einer zweiten, kürzeren Testrunde mit gut 9 Kilogramm im Rucksack spüren wir das höhere Gewicht zwar – bequem bleibt der MH900 aber tatsächlich noch. Die Rückenlänge des Quechua MH900 ist allerdings nicht verstellbar – je nach Körperbau und -größe könnte der Rucksack also zu groß oder klein ausfallen, individuellen Spielraum zur Anpassung gibt es nicht. 

Wanderrucksack Test: Quechua MH900
Der Quechua MH900 bietet zahlreiche Möglichkeiten, Gepäck und Proviant zu verstauen. Praktisch: Eine der Hüftflossentaschen am Quechua MH900 ist wasserfest
© Tobias Stahl / stern

Verarbeitung & Material: Anders als bei den höherpreisigen Modellen in unserem Testfeld finden wir am Quechua MH900 stellenweise lose Fäden oder Nähte, die nicht ganz sauber ausgeführt sind. Es handelt sich um rein optische Mängel – alle von uns geprüften Nähte halten dem Zugtest stand. Das Hauptmaterial fasst sich etwas weniger wertig an als bei Vaude, Deuter oder Gregory. Zumindest dürfte das Nylon (Polyamid) teilweise für das angenehm geringe Gewicht verantwortlich sein. Um die Langlebigkeit muss man sich ohnehin kaum Sorgen machen: Quechua gibt eine großzügige Garantie von zehn Jahren, normaler Verschleiß ist davon ausgenommen. Die Farbauswahl ist hingegen weniger großzügig – Käufer haben die Wahl zwischen Asphaltgrau und Stahlgrau. Zudem fehlen Reflektoren. Wer bei schlechter Sicht in Straßennähe unterwegs ist, sollte dringend anderweitig für Sichtbarkeit sorgen. Charmant: Auf der Produktwebsite schlüsselt Decathlon die entstehenden Emissionen auf. Knapp 11,4 Kilogramm CO₂-Äquivalente stoßen Herstellung, Transport und Entsorgung am Lebensende aus, was einer Strecke von gut 55 Kilometern in einem Benzinauto entsprechen soll. Der Rucksack besteht zu 41 Prozent aus recyceltem Polyamid und zu 3 Prozent aus recyceltem Polyester, zur Beschichtung finden wir online oder am Rucksack keine Informationen.

Fazit: Der Quechua MH900 schafft es in unserem Test nicht nur aufs Treppchen, sondern ist auch unser Preis-Leistungs-Tipp. Der 25-Liter-Rahmenrucksack weckt auf den ersten Griff zwar nicht unbedingt Leidenschaft, überzeugt im Einsatz aber. Das Organisationskonzept mit zahlreichen klug platzierten Fächern, Riemen, Ösen und Gummizügen hält mit manch teurerem Modell mit – bisweilen fühlen wir uns von der Vielzahl an Verstau- und Befestigungsmöglichkeiten fast erschlagen. Trotz eher zweckmäßig wirkender Polster trägt sich der MH900 auch mit mehr als 7 Kilogramm noch angenehm, was auch am geringen Gewicht und dem ergonomisch geformten Rückenteil liegt. Die Verarbeitung könnte optisch vereinzelt etwas sauberer sein, und das Hauptmaterial fasst sich etwas weniger wertig an als bei der teureren Konkurrenz. Die Rückenlänge lässt sich nicht anpassen – was bei einem Kaufpreis von aktuell knapp 90 Euro aber kaum zu erwarten ist. Quechua bürgt mit einer zehnjährigen Garantie für die Langlebigkeit des Rucksacks. Wer einen Rahmenrucksack für gelegentliche Ausflüge sucht und auf die verstellbare Rückenlänge verzichten kann, erhält mit dem Quechua MH900 einen leichten, gut organisierten Wanderrucksack, der neben Tagestouren auch die ein oder andere Übernachtung mitmacht.

+ Vorteile:

  • vergleichsweise günstig
  • zahlreiche Taschen und Halterungen
  • zehn Jahre Garantie

– Nachteile:

  • Nähte optisch nicht immer sauber
  • keine Reflektoren
  • kein Netzrücken 

4. Leichtgewicht mit edler Optik: Gregory Nano 28L

Gregory Essential Hiking - Nano 28
Gregory Essential Hiking - Nano 28*
82,90 €
100,00 €
-17%
99,95 €

Ausstattung & Bedienung: Der rahmenlose Daypack Gregory Nano wirkt zunächst minimalistisch, bietet auf den zweiten Blick aber nahezu alles, was man für eine ausgedehnte Wanderung braucht: Unter dem Deckel, der eine Reißverschlusstasche und einen Schnallenverschluss enthält, befindet sich das Hauptfach, das wir über einen Kordelzug erreichen. Die vom Hauptfach getrennte Tasche für das Trinksystem sitzt ebenfalls unter dem Deckel und ist per Reißverschluss zugänglich. Berufspendler können dort auch einen Laptop oder ein Tablet verstauen, sofern ihnen die fehlende Polsterung nichts ausmacht. Auch die großzügige Fronttasche hat einen Reißverschluss, der – wie alle Reißverschlüsse am Gregory Nano 28L – mit einem leicht zu greifenden, ringförmigen Komfortgriff ausgestattet ist. Eine der Seitentaschen besteht aus elastischem Netzmaterial und bietet Platz für eine Trinkflasche, die andere kommt mit Reißverschluss. Hinzu kommen mehrere Befestigungsschlaufen, etwa für Wanderstöcke, Eispickel oder Helm. Hüftflossen hat der Gregory-Rucksack nicht, ein rund 25 Millimeter breiter Hüftgurt und ein schmalerer Brustgurt sorgen für zusätzliche Stabilität. Auch ein Bodenfach oder eine Regenhülle suchen wir vergebens.

Tragekomfort & Ergonomie: Der Gregory Nano 28L ist rahmenlos – selbst mit Hüftflossen könnten diese also allenfalls zur Stabilität und nicht zur Lastverteilung beitragen. Dennoch bleibt der Nano auch mit 7 Kilogramm Zuladung komfortabel. Wir führen das auf das flexible, angenehm weiche und belüftete Rückenteil, die relativ breiten Schultergurte und das sehr geringe Gewicht von 600 Gramm zurück. Auf geraden Passagen nutzen wir den Rucksack ohne Hüft- oder Brustgurt und kommen gut voran – der Nano liegt angenehm auf und kommt nicht ins Wackeln. Auf steileren Bergpassagen schließen wir den Hüftgurt, der allerdings eher über den Bauch als über die Hüften läuft. Bei unserer mehrstündigen Wanderung registrieren wir keine Druckpunkte, Instabilitäten oder Probleme bei der Gewichtsverteilung – auch Hüttentouren mit ein bis zwei Übernachtungen sollten mit dem Gregory Nano 28L möglich sein.

Wanderrucksack Test: Gregory Nano 28L
Obwohl der Gregory Nano 28 ein rahmenloser Rucksack ist, trägt er auch Lasten von 7 Kilogramm noch komfortabel
© Tobias Stahl / stern

Verarbeitung & Material: Der Gregory Nano 28L punktet hauptsächlich bei Optik und Verarbeitung. Unser Testmodell in der dunkelblauen Farbvariante „Spark Navy“ kommt mit orangefarbenen Akzenten und Innenteil daher. Das Hauptmaterial ist dezent gemustert, die ungewöhnlichen Komfortgriffe an den Reißverschlüssen fügen sich toll ins Gesamtbild ein, sind gut sicht- und erreichbar. Die Verarbeitung ist erstklassig, das Material fasst sich wertig an – und falls mal etwas nicht stimmt, bietet der Hersteller lebenslange Garantie auf Produktions- oder Verarbeitungsfehler sowie daraus resultierende Schäden. Dank des ansprechenden, dezenten Designs tauchen Sie mit dem Nano 28L unbesorgt im Büro auf, ohne schiefe Blicke zu ernten – Verarbeitungsqualität und Organisationskonzept machen ihn aber gleichzeitig zu einem guten Begleiter für Wald, Feld und Gebirge. Vorher lohnt sich aber ein Blick in den Wetterbericht: In unserem Beregnungstest perlt das Wasser zwar beeindruckend ab, gelangt aber dennoch schnell ins Innere des Hauptfachs. Wer das verhindern möchte, sollte in eine separate Regenhülle investieren.

Fazit: Der Gregory Nano 28L zeigt, dass man bei rahmenlosen Rucksäcken nicht unbedingt Kompromisse eingehen muss: Mit gerade einmal 600 Gramm zählt er zu den absoluten Leichtgewichten im Testfeld. Gleichzeitig bietet er aber deutlich weniger unterschiedliche Fächer und Befestigungsmöglichkeiten als der drei Liter kleinere Quechua MH900. Er überzeugt aber mit seinem durchdachten Organisationskonzept und vor allem mit der tollen Verarbeitung, der edlen Optik und einem einwandfreien Tragekomfort. Trotz der rahmenlosen Konstruktion und fehlender Hüftflossen trägt er sich auch mit 7 Kilogramm noch komfortabel – insbesondere dann, wenn die Wege nicht zu technisch werden. Hier dürften dann auch die eigentlichen Grenzen des Nano liegen: Ohne echte Lastübertragung ist der Rucksack weniger für schweres Gepäck auf langen Strecken oder anspruchsvolle Hüttentouren geeignet. Für ausgedehnte Tagestouren oder Wanderungen mit ein bis zwei Übernachtungen eignet er sich aber bestens. Gleichzeitig meistert der Gregory Nano 28L dank seines ansprechenden Designs den Spagat zwischen Büro und Natur – zu einem fairen Preis von aktuell rund 99 Euro.

+ Vorteile:

  • sehr leicht
  • tolle Verarbeitung
  • ansprechendes Design

– Nachteile:

  • keine echte Lastübertragung
  • keine Regenhülle

5. Bequem, aber mit Schwächen im Detail: Rab Protium 27L

Rab Protium 27L Rucksack - Anthrazit - M/L
Rab Protium 27L Rucksack - Anthrazit - M/L*
118,40 €

Ausstattung & Bedienung: Mit 27 Litern bietet der Rab Protium 27L prinzipiell genug Stauraum für fast alles, was man unterwegs so braucht. Beim Packen müssen wir uns aber zusätzliche Gedanken machen: Der rahmenlose Daypack verjüngt sich nach unten leicht, sodass wir die größten – und meist auch schwersten – Dinge nicht einfach alle unten verstauen können. Mit Blick auf die Ausstattung bietet der Protium 

  • ein geclipptes Fach vorne
  • flexible Seitentaschen für Getränke
  • breite, gepolsterte Hüftflossen mit Reißverschluss-Netztaschen
  • ein Bodenfach mit Regenhülle
  • ein separates Trinksystemfach zwischen Hauptfach und dem halbsteifen Rückenteil aus ABS-Kunststoff
  • Lageverstellriemen sowie mehrere Ösen, Gummizüge und Befestigungspunkte für Wanderstöcke, Helm und Co. 

Die Rückenlänge ist verstellbar: Dazu lösen wir die Schultergurte, die oben über einen breiten Klettverschluss mit dem Korpus verbunden sind, und machen sie weiter oben oder unten wieder fest – dabei haben wir gut 5 Zentimeter Spielraum. Als einziges Produkt im Test bereitet der Rab uns unterwegs vereinzelt Mühe, den Verschluss des Brustgurts zu schließen. Die Schnalle ist aber auch anders konstruiert als die übrigen Verschlüsse, die uns wiederum keine Probleme bereiten.

Tragekomfort & Ergonomie: Der halbstarre, vorgeformte und nur stellenweise gepolsterte ABS-Rücken sieht zunächst wenig bequem aus – tatsächlich liegt er aber angenehm nah und komfortabel an. Anfangs drückt der untere Abschluss etwas auf den Beckenkamm, das beheben wir dank der verstellbaren Rückenlänge aber schnell und effektiv. Auf unserer Wanderung ist der Rab Protium 27L größtenteils ein angenehmer Begleiter – auf steinigen oder steilen Passagen lässt die Stabilität aber stellenweise zu wünschen übrig. Wir führen das auf den wenig unflexiblen Rücken in Verbindung mit der sich nach unten verjüngenden Form des Daypacks zurück, die die Lastverteilung etwas erschwert. Über die Lageverstellriemen gleichen wir das teilweise wieder aus. Druckpunkte oder gar Schmerzen entwickeln wir unterwegs nicht, sicherlich auch dank der breiten, weichen Schultergurte. Zwei andere Faktoren beeinträchtigen den Tragekomfort deutlicher: Erstens ist er mit knapp über einem Kilogramm unverhältnismäßig schwer für einen rahmenlosen Daypack. Zum Vergleich: Der Gregory Nano 28 bietet einen Liter zusätzliches Volumen, wiegt aber gerade einmal 600 Gramm. Zweitens tragen die gepolsterten, eigentlich bequemen Hüftflossen zwar spürbar zur Stabilität bei – doch wenn sie geschlossen sind, scheuern die Unterarme beim Gehen immer wieder unangenehm an den Hüfttaschen. Der Protium 27L trägt sich auch mit etwas höherer Zuladung recht angenehm – die kleineren, vermeidbaren Mankos schränken den Komfort aber unnötig ein.

Wanderrucksack Test: Rab Protium 27L
Der Rab Protium 27L wird nach unten hin etwas schmaler – das erfordert gegebenenfalls besonderes Augenmerk beim Packen. Um auf technischen oder steilen Wegabschnitten die Stabilität zu verbessern, schließen wir die Hüftflossen am Rab Protium 27L – das hilft merklich
© Tobias Stahl / stern

Verarbeitung & Material: Im Hinblick auf Verarbeitung lässt Rab kaum Wünsche offen. Alle wichtigen Nähte sind sauber ausgeführt und wirken stabil, das gemusterte Hauptmaterial des Rucksacks ist leicht reflektierend, die vorderen und seitlichen Mesh-Taschen halten auch größeren Belastungen stand. Der Protium besteht laut Herstellerwebsite teilweise aus recyceltem Material. Die Beschichtung kommt ohne PFAS aus. Vom Mechanismus zur Verstellung der Rückenlänge sind wir zunächst wenig überzeugt, letztlich erweist sich der Klettverschluss aber als vertrauenswürdig und bereitet weder während der Tour noch beim Zug- und Belastungstest Schwierigkeiten. Als vorbildlich empfinden wir die Schultergurte: Sie sind belüftet, angenehm breit und zählen zu den komfortabelsten im Testfeld.

Fazit: Auf unserer Tour präsentiert sich der Rab Protium 27L über weite Strecken als angenehmer, komfortabler und verlässlicher Begleiter. Der ABS-Rücken sitzt überraschend gut, die Schultergurte sind komfortabel, die Verarbeitung sauber und die Ausstattung durchdacht. Dank der verstellbaren Rückenlänge lässt er sich außerdem innerhalb gewisser Grenzen anpassen – das ist in der Praxis viel wert. Was den Protium eine bessere Platzierung kostet, ist eher die Summe kleinerer, vermeidbarer Schwächen: Mit gut einem Kilogramm ist er für einen rahmenlosen Daypack ziemlich schwer – der Gregory Nano bietet etwas mehr Volumen, wiegt aber fast die Hälfte weniger. Die leicht verjüngte Form erschwert das Packen und die Lastverteilung, was auf anspruchsvollen Passagen etwas Stabilität kosten kann, und die Hüfttaschen scheuern beim Gehen an den Unterarmen. An und für sich wären diese Mankos zu verschmerzen, das Packen kann man lernen. Allerdings trüben diese Details in Summe den ansonsten guten Eindruck – und für einen Kaufpreis von rund 160 Euro darf man mehr erwarten.

+ Vorteile:

  • komfortabler Sitz
  • verstellbare Rückenlänge
  • mit Regenhülle

– Nachteile:

  • vergleichsweise teuer
  • relativ schwer
  • verjüngte Form erschwert Lastverteilung

6. Viel Platz, magere Ausstattung: Salomon Trailblazer 30

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Ausstattung & Bedienung: Mit dem Trailblazer 30 schickt Salomon einen rahmenlosen Daypack mit flexiblem Rückenteil und Hüftflossen ins Rennen. Hinsichtlich der Organisationsmöglichkeiten präsentiert sich der Rucksack stark reduziert: Neben dem geräumigen Hauptfach, auf das wir über eine sehr großzügige Reißverschlussöffnung zugreifen, bietet der Trailblazer 

  • ein separates Fach für eine Trinkblase
  • eine Reißverschlusstasche auf der Oberseite
  • zwei seitliche Netztaschen
  • eine Fronttasche, die wir via Schnalle verschließen
  • ein flexibles Fach
  • eine Reißverschlusstasche auf den Hüftflossen
  • sowie Gummizughalterungen und einige Ösen für Zubehör. 

Die Schulterriemen sind gepolstert und belüftet, allerdings wenig formstabil. Lageverstellriemen sind trotz des flexiblen Rückens vorhanden. Für ambitionierte Wanderungen dürften es aber gern ein paar zusätzliche Fächer sein.

Tragekomfort & Ergonomie: Die 30 Liter Volumen sind zwar großzügig genug für Tages- und Hüttenwanderungen, doch das sehr flexible Rückenteil ist nicht gerade bequem, wenn der Rucksack vollgepackt ist. Auch die Schulterriemen sind zwar gepolstert, aber ebenfalls recht flexibel, sodass wir unsere 7 Kilogramm schwere Referenzladung nach einigen Stunden in den Schultern und im Nacken spüren. Da der Rucksack rahmenlos ist, kann der Hüftgurt uns kein Gewicht abnehmen, sondern allenfalls zur Stabilität beitragen – die ist aber auch ohne geschlossene Hüftflossen recht gut, da der Trailblazer vollständig auf dem Rücken aufliegt. Mit weniger als 5 Kilogramm Zuladung ist er indes deutlich komfortabler zu tragen.

Wanderrucksack Test: Salomon Trailblazer 30
Mit nur 540 Gramm Gewicht bei 30 Litern Volumen bietet der Salomon Trailblazer 30 das beste Gewicht-Volumen-Verhältnis im Test
© Tobias Stahl / stern

Verarbeitung & Material: Der Trailblazer besteht aus Polyester und Polyamid – zu Nachhaltigkeit oder Recyclinganteil macht der Hersteller auf seiner Website keine Angaben. Das Material ist sehr leicht, was zum geringen Gewicht beiträgt: Mit nur 540 Gramm bei 30 Liter Volumen hat der Salomon das beste Gewicht-Volumen-Verhältnis im Test. Das geht allerdings zulasten der Haltbarkeit, denn das Material ist sehr dünn und fasst sich wenig hochwertig an. Unseren Zugtest überstehen die Nähte des Trailblazers zwar problemlos, wir würden den Daypack aber nur ungern in unwegsames Gebirgsgelände mitnehmen – wir befürchten, dass er auf steinigem Untergrund oder auf Kletterpassagen Schaden nehmen könnte. Für den Weg zur Arbeit oder in die Uni ist der Trailblazer 30 eine solide Wahl, wobei die geringe Zahl an Fächern und das Fehlen eines gepolsterten Laptopfachs ein Ausschlusskriterium für manche sein dürfte. Wasserdicht ist der Trailblazer – wie auch die anderen Modelle in unserem Testfeld – nicht. Allerdings kommt er auch ohne Regenhülle, sodass die nur durch eine Schnalle verschließbare Fronttasche in unserem Beregnungstest schnell mit Wasser vollläuft.

Fazit: Der Salomon Trailblazer 30 ist der leichteste Wanderrucksack in unserem Test: 540 Gramm bei 30 Litern Volumen sind ein wirklich ordentliches Verhältnis. Das geringe Gewicht geht aber spürbar zulasten von Tragekomfort und Haltbarkeit: Der sehr flexible Rücken und die weichen, ebenso nachgiebigen Schultergurte bieten vollgepackt zu wenig Stabilität, sodass wir selbst unsere moderate Referenzladung nach einigen Stunden in Schultern und Nacken spüren. Geringere Lasten tragen wir im Salomon hingegen recht komfortabel. Das Hauptmaterial des Rucksacks ist dünn und wirkt wenig wertig – felsiges Gelände könnte es beschädigen. Das stark reduzierte Organisationskonzept mag für viele Zwecke ausreichend sein, verglichen mit der Konkurrenz lässt es aber zu wünschen übrig, gerade angesichts des Kaufpreises von rund 95 Euro. Als leichter Begleiter für den Weg zur Arbeit oder Uni, der dank der verschiedenen Farbvarianten und des Logos auf der Front auch als modisches Statement herhält, ist der Trailblazer 30 in Ordnung. Als Wanderrucksack für ambitionierte Touren empfinden wir ihn hingegen als zu wenig durchdacht und zu wenig robust. 

+ Vorteile:

  • sehr leicht
  • komfortabel bei geringem Packgewicht

– Nachteile:

  • wenige Taschen
  • dünnes Hauptmaterial
  • kein (halb-)starrer Rücken

Wanderrucksack: Die wichtigsten Fragen & Antworten 

Wie viele Liter sollte ein Wanderrucksack für Tagestouren haben?

Auf Tagestouren, also Wanderungen, die noch am selben Tag enden, sind Rucksäcke mit 20 bis 30 Litern Volumen die wohl gängigste Wahl. Sie bieten ausreichend Platz für Verpflegung, Wechselkleidung, Regenjacke, Notfallausrüstung und zusätzlichen Kleinkram, ohne unnötig groß oder schwer zu sein. Je nach persönlichem Bedarf reichen Rucksäcke dieser Größe auch für eine Hüttenübernachtung – hier fahren Sie in der Regel aber mit 30 bis 35 Litern besser.

Wie belade ich einen Wanderrucksack richtig?

Daumenregel: Schwerere Ausrüstungsgegenstände gehören möglichst nah an den Rücken und somit nah an den Körperschwerpunkt, damit der Rucksack nicht nach hinten zieht. Schwere Gegenstände sollten außerdem etwa in der Mitte des Rückens oder auf Höhe der Schulterblätter liegen. Leichte und sperrige Gegenstände, die selten benötigt werden – etwa der Schlafsack oder die Wechselkleidung – kommen nach unten. Kleinere, mittelschwere Dinge platzieren Sie außen herum. Häufig benötigte Gegenstände wie Snacks oder die Regenjacke sollten leicht erreichbar sein und gehören in Deckel-, Front- und Hüfttaschen. Versuchen Sie, den Rucksack möglichst lückenlos zu packen und ziehen Sie anschließend die Kompressionsriemen fest, um den Inhalt zu stabilisieren.

Netzrücken oder Kontaktrücken – was ist besser?

Das hängt vom Einsatz und vom persönlichen Geschmack ab: Rucksäcke mit Netzrücken halten den Packsack auf Abstand und belüften den Rücken somit spürbar besser. An warmen Tagen und auf einfachen Wegen ist das sehr angenehm, wenngleich es kein Allheilmittel gegen Schwitzen ist. Ein Kontaktrücken liegt näher am Körper, überträgt die Last besser und trägt somit in steilem oder technischem Gelände zur Stabilität bei. Das bedeutet jedoch nicht, dass Rucksäcke mit Netzrücken prinzipiell instabil sind.

Wie finde ich die passende Rückenlänge bei einem Wanderrucksack?

Bei einem Wanderrucksack entscheidet weniger die gesamte Körpergröße und mehr die Rückenlänge. Um die eigene Rückenlänge zu ermitteln, messen Sie den Abstand zwischen dem obersten Punkt des Beckenkamms und dem siebten Halswirbel, der am Nackenansatz merklich absteht. Nach Möglichkeit sollte eine zweite Person die Messung vornehmen. Viele Hersteller geben an, für welche Rückenlängen ein Rucksackmodell geeignet ist – viele Modelle bieten darüber hinaus verstellbare Rückenlängen oder sind in verschiedenen Größen erhältlich.

Was ist der Unterschied zwischen einem Wanderrucksack und einem Daypack?

Die Grenze zwischen beiden Bezeichnungen ist oft fließend. In der Regel bezeichnen sie aber unterschiedliche Bauweisen: Ein Daypack ist ein kompakter, oft rahmenloser Rucksack für kleinere bis mittlere Lasten. Häufig verfügen auch Daypacks über einen Hüftgurt, der das Gewicht mangels Tragesystem allerdings kaum auf die Hüften übertragen kann. Ein Wanderrucksack hat in der Regel ein Tragesystem, also einen Rahmen oder eine steife Rückenplatte sowie einen gepolsterten Hüftgurt, und kann die Hauptlast auf das Becken weiterleiten. Dadurch kann er höhere Gewichte spürbar komfortabler tragen. Viele Daypacks sind aber auch für längere Wanderungen geeignet und werden entsprechend vermarktet.

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