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"grafit"-Verlag: Mit Lokalkolorit kriminell erfolgreich

Der "grafit"-Verlag bringt seit 17 Jahren Kriminalromane heraus. Der Grund für den Erfolg: Der Dortmunder Verlag hat sich auf Lokal-Krimis spezialisiert.

Mit dem "Ekel von Datteln" fing alles an. "Dieses Buch hat das Genre der Lokal-Krimis begründet", sagt Rutger Booß. Der Chef des kleinen Dortmunder "grafit"-Verlages sitzt in seinem Büro, umgeben von Büchern in meterhohen Regalen, in denen Mord und Totschlag, Leichen und Leidenschaften zu Hause sind: Booß verlegt als vermutlich einziger Verleger in Deutschland ausschließlich Kriminalromane. Die meisten haben Tatorte aus dem wahren Leben: Sie spielen erkennbar in Münster oder Dortmund, der Eifel oder Zürich.

Wo Krimi drin ist, steht Krimi drauf

Schwarz sind alle "grafit"-Bücher, mit einem schmalen Bild auf dem Cover und dem Aufdruck "Kriminalroman". Das war noch vor einigen Jahren keine Selbstverständlichkeit, erinnert sich Booß: "Viele Verlage schrieben verschämt Roman auf den Titel, wenn ein Krimi drin war." Krimis hätten als minderwertige Lektüre gegolten. "Wir präsentieren Verbrechen! Zum Vergnügen! Dazu haben wir immer gestanden", sagt Booß. Die Marktlücke für deutschsprachige Krimis besetzt der Verlag mit seinen sechs Angestellten und rund 2 Millionen Euro Umsatz im Jahr seit 17 Jahren erfolgreich. Seit 2000 ist der "grafit"-Verlag Marktführer auf diesem Gebiet.

Längst ist die Krimi-Lektüre nicht mehr verpönt, wie der Erfolg von Autoren wie Donna Leon oder Henning Mankell zeigt. Das neue Interesse am alten Genre könnte einem Bedürfnis nach Realitätsflucht in Krisenzeiten entspringen, meint Booß: "Am Ende wird meistens die Ordnung wieder hergestellt - da ist ein Krimi fast wie ein Märchen."

"Wir setzen auf den Trüffelschwein-Effekt"

Zu den Erfolgsautoren des Verlags gehören Jürgen Kehrer, dessen Wilsberg-Krimis vom ZDF verfilmt wurden, und Jacques Berndorf. Seine bislang zwölfteilige Serie aus Eifel-Krimis verkaufte sich bislang drei Millionen Mal und landet regelmäßig in den Bestseller-Listen - für Verleger Booß der beste Beweis dafür, dass gute Lokal-Krimis in ganz Deutschland funktionieren. "Einige Autoren glauben aber, es reiche, wenn ein paar bekannte Plätze und regionale Skandälchen auftauchen", sagt er. Unter den rund 500 Manuskripten, die sein Verlag im Jahr zugeschickt bekommt, seien oft nur zwei, drei Entdeckungen. "Wir setzen auf den Trüffelschwein-Effekt", sagt Booß.

Schauplätze echt, Personen erfunden

Groß angelegte Werbekampagnen kann Booß seinen Autoren nicht bieten - wohl aber individuelle Betreuung. "Der Verleger steht auch sonn- und feiertags bei allen Problemen zur Verfügung", sagt Booß und grinst. Manchmal sind die Probleme auch juristischer Art: "Weil tatsächliche Schauplätze beschrieben werden, glauben viele Leute, dass es die beschriebenen Figuren tatsächlich gibt", sagt Booß. Schon zwei Mal sei der Verlag deshalb verklagt worden, bisher habe man immer gewonnen. Dem Verkauf schadet das nicht. Das "Ekel von Datteln" etwa, ein Roman über einen Provinzfürsten, sei in Datteln nicht erhältlich gewesen: Der reale Bürgermeister der Kleinstadt glaubte, sich in dem "Ekel" wiederzuerkennen. Wohl gerade deshalb machte der Roman auch in Datteln Furore.

Der 250. Krimi aus dem Hause "grafit" stammt übrigens wieder aus der Feder von Jürgen Pomorin, der unter dem Pseudonym Leo P. Ard auch das "Ekel von Datteln" mitverfasste. "Der letzte Bissen" ist die Vision einer nach BSE, Vogelgrippe und Schweinepest fleischlos lebenden Gesellschaft, in der der Handel mit illegalem Fleisch blüht.

Katrin Pinetzki/DPA / DPA