»KRAFT ZUM LEBEN« Streit auch nach Werbeverbot


Die Auseinandersetzung um das von prominenten Sportlern in Fernseh-Spots und Anzeigen beworbene Buch »Kraft zum Leben« hält an: Deutschlands führender Privatsender RTL beugte sich am Donnerstag zwar dem Verbot der niedersächsischen Landesmedienanstalt. Er stoppte die Fernsehwerbung für das 134-Seiten-Werk - nicht jedoch die Diskussion. »Wir bleiben bei unserer Rechtsauffassung, die sich von jener der Landesmedienanstalt unterscheidet«, sagte RTL-Sprecherin Ingrid Haas. Der Sender werde das Gespräch mit der Aufsichtsstelle suchen.

Promis werben

Für das kostenlose Buch werben in TV-Spots und auf Großplakaten prominente Sportler wie Golfprofi Bernhard Langer, Kunstspringerin Brita Baldus und Fußballer Paulo Sergio. Das Buch enthält kurze Lebensberichte von Prominenten, darunter auch Sänger Cliff Richard, Philip Prinz von Preußen und »Bild der Frau«-Chefredakteurin Andrea Zangemeister. Es will ohne konkreten Hinweis auf den Urheber des Buchs dazu anleiten, durch eine Bekehrung zu Jesus Christus, »Freundschaft mit Gott zu schließen«. Empfohlen wird, nach der Bekehrung täglich zu beten sowie Anschluss an eine »bibelgläubige Gemeinde« zu suchen.

Politisch-weltanschaulich?

Die Gemeinsame Stelle Werbung der Landesmedienanstalten hatte am Dienstag das Verbot der TV-Spots empfohlen, da in Deutschland Werbung für politisch-weltanschauliche Werte nicht erlaubt sei. RTL hatte die Werbefilme bis zuletzt verteidigt: »Wir bewerben ein Buch, keine Religion, keine Heilslehre und keine bestimmte Organisation.« Das Buch, das kostenlos angefordert werden kann, beschreibe lediglich das Verhältnis des Einzelnen zu Gott.

Der Inhalt des Buches sei nicht maßgeblich, sagte dagegen Annette Schriefers, Sprecherin der in Kassel ansässigen Gemeinsamen Stelle Werbung. Entscheidend sei, dass nicht für ein kommerzielles Produkt, sondern für »ideelle Werte« geworben werde. Dies sei nach dem Rundfunkstaatsvertrag nicht erlaubt.

Evangelische Zentralstelle sieht's gelassen

Die Evangelische Kirche ist unterdessen zur Auffassung gelangt, dass von der Missions-Kampagne der im US-Bundesstaat Florida ansässigen Stiftung keine Gefahr ausgehe. »Das Buch enthüllt keinerlei gesellschaftliche oder politische Aussagen, sondern will die persönliche Gottesbeziehung fördern«, stellt Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin) fest. »Fragwürdig ist allerdings, dass der Urheber und Absender der Missions-Kampagne im Dunkeln bleibt.« Die Strategie werde in Europa nicht viel Erfolg haben.

»Bedenklicher Religionsimport«

Deutlich skeptischer ist Thomas Gandow, bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg für Weltanschauungsfragen zuständig: »Es ist keine Sekte, aber eine neue Art von amerikanischem Religionsimport, die ganz bedenklich ist.« Gerade die unpolitische Ausrichtung könne bei Jüngeren gut ankommen.

Die in Florida ansässige Arthur S. DeMoss-Stiftung wurde 1979 von einem erfolgreichen Versicherungsmakler gegründet. Er hinterließ seiner Familie ein Vermögen mit dem Auftrag, es zur Durchsetzung christlicher Werte zu verwenden. Nach Presseberichten verfügt DeMoss über rund 500 Millionen Dollar und gehört damit zu den 100 größten US-Stiftungen. In den USA arbeitet die Stiftung mit rechtskonservativen christlichen Gruppen, Parteien und Initiativen zusammen, die sich gegen Abtreibung und Homosexualität wenden. Darunter sind auch prominente Vertreter der »Christian Coalition« wie die Prediger Pat Robertson oder Jerry Falwell.


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