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"Kuriosester Buchtitel" auf der Frankfurter Buchmesse Von Problemkaninchen und lebendiger Nahrung


Dass Titel den Leser zum Kauf eines Buches animieren sollen, ist eine Binsenweisheit. In Randgebieten der Prosa und Sachbuchliteratur führt die Kreativität der Autoren mitunter allerdings zu Skurrilitäten, die der Preis des kuriosesten Buchtitels auf der Frankfurter Buchmesse angemessen würdigt.
Von Mareike Rehberg

Wer hat nicht schon immer davon geträumt, in die Gehirnwindungen eines Nagetiers einzudringen, seine innersten Wünsche zu kennen und sein possierliches Gebaren richtig einzuschätzen? Dachte sich zumindest die Sachbuchautorin Christiane Kautz und beglückte Haustierfreunde mit dem Ratgeber "Kaninchen besser verstehen: Verhalten beobachten und Probleme lösen".

Ähnlich relevant sind Bücher mit Titeln wie "Grün, wild und schmackhaft: Lebendige Nahrung gratis aus der Natur" oder "Die literarische Pantomime: Studien zu einer Literaturgattung der Moderne". Was das soll? Sie alle eint ein besonderer Ritterschlag, waren sie doch nominiert für den "Kuriosesten Buchtitel 2011", der zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse gekürt wurde.

Besonders angetan hatte es der Jury aber ein Sachbuch, wie es Mario Barth sich nicht schöner hätte ausdenken können: "Frauen verstehen in 60 Minuten" ist der Gewinner des Preises, der seit vier Jahren verliehen wird. Verfasst hat den Ratgeber - oh, Wunder! - eine Frau. Auf 112 Seiten führt Angela Troni den Mann in "die feinen Nuancen in der weiblichen Kommunikation" ein und gibt ihm eine überraschende Zauberformel zum besseren Gespräch mit der Angebeteten an die Hand: Zuhören sei der Schlüssel zum Verstehen. Ach.

Die Juroren Eckart von Hirschhausen, Bodo Mrozek und Luzia Braun hat das Buch, das "den Geschlechterkampf gewissermaßen im Schnellkochtopf" aufbereitet, jedenfalls überzeugt - oder zumindest sein Titel.

Herrenlose Einkaufswagen und lesbische SM-Praktiken

Abgeguckt haben sich die Redaktion von "Schotts Sammelsurium" und das Magazin "Buchmarkt" den Preis allerdings bei den Briten - und deren Nominierungen der letzten Jahre hatten es in sich.

Der sogenannte Diagram-Preis des britischen Branchenmagazins "Bookseller" wird seit über 30 Jahren verliehen und verhalf bereits zahlreichen skurrilen Büchern zu Ruhm und Ehre. In der Favoritenliste ganz oben: "Herrenlose Einkaufswagen im Nordosten Amerikas", "Kleines Sicherheitshandbuch lesbischer SM-Praktiken" und "Menschen, die nicht wissen, dass sie tot sind".

Mit diesen an Wahnsinn kaum zu überbietenden Titeln kann der deutsche Buchmarkt zwar nicht ganz mithalten, aber der Gewinner des ersten Preises aus dem Jahr 2008 kam diesem Niveau schon ziemlich nah: "Begegnung mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer" hatte Stephan Harbort seine Studie genannt und verstand auch während der Preisverleihung nicht so ganz, warum ausgerechnet er ausgezeichnet wurde.


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