Philosoph und Soziologe
Jürgen Habermas ist tot

Jürgen Habermas
Jürgen Habermas 2016 bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche Paulskirche
© Arne Dedert
Von der Studentenbewegung bis zur Gegenwartsdebatte: Jürgen Habermas hat Generationen von Denkern beeinflusst. Nun ist er gestorben.

Jürgen Habermas ist tot. Der Philosoph und Soziologe ist nach Angaben des Suhrkamp-Verlags am Samstag in Starnberg (Bayern) im Alter von 96 Jahren gestorben. Zuvor hatte die „Zeit“ berichtet.

Habermas zählte zu den wichtigsten Denkern der Gegenwart. Seine Hauptwerke entstanden in Frankfurt am Main, wo seine Karriere in den 1950er Jahren am Institut für Sozialforschung bei Theodor W. Adorno begann. 1961 wurde er in Marburg mit dem Werk „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ habilitiert.

Jürgen Habermas war gegen Radikalisierung der 68er

Nach wenigen Jahren an der Universität Heidelberg übernahm er 1964 Max Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt. Aus seiner Antrittsvorlesung wurde 1968 das Buch „Erkenntnis und Interesse“ (1968). Während der Studentenrevolte wurde Habermas als Unterstützer wahrgenommen, lehnte die Radikalisierung der Bewegung jedoch ab.

1971 wechselte er nach Starnberg bei München, wo er bis 1981 das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt leitete. In seinem letzten Jahr veröffentlichte er sein Hauptwerk, "Theorie des kommunikativen Handelns". 1983 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 erneut einen Lehrstuhl für Philosophie übernahm.

Im Alter, das er am Starnberger See verbrachte, meldete er sich zu politischen Fragen zu Wort, etwa zu Kosovokrieg, Hirnforschung oder Religionskämpfen. Charakteristisch für seine gesprochene Rede war die Behinderung durch eine angeborene Gaumenspalte.

Jetzt ist eine der einflussreichsten Stimmen Deutschlands verstummt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

DPA
wue

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