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"Shades of Grey"-Autorin zeigt sich deutschen Fans Sex-Fantasien auf dem Weg zur Arbeit aufgeschrieben


Sie ist eine der erfolgreichsten Autorinnen, aber kaum jemand kennt ihr Gesicht. Auf der Buchmesse hatte die große Unbekannte E. L. James ihren ersten offiziellen Auftritt in Deutschland.

Da sitzt sie nun. Eine Frau Ende 40, schwarze lange Haare, Brille im Haar, schwarzes Kleid und Stiefel. Kurvenreich ist sie und ziemlich sympathisch. Sie lacht viel und wirkt, obwohl angeblich verkatert, sehr entspannt: E. L. James, die Autorin der Softporno-Reihe "Fifty Shades of Grey", deren Bücher weltweit mehr als 40 Millionen Menschen - überwiegend Frauen - gelesen haben. Am Freitag stellte sie sich zum ersten Mal ihren deutschen Leserinnen vor.

Doch das Bad in der Menge musste warten. Die "Happy Hour" am Stand des Goldmann-Verlags stand erst am späten Nachmittag auf ihrer Terminliste. Am Vormittag gab sich Erika Leonard, wie Mrs. James in Wahrheit heißt, die Ehre in einem Frankfurter Luxushotel. Kamerateams, Fotografen, Radioleute und Schreiber machten sich in Scharen auf den Weg, um die Frau kennenzulernen, der es gelungen ist, mit mittelmäßig guten Büchern und mittelmäßig schockierenden Sexszenen solch einen Erfolg zu haben.

"Ich habe es für mich geschrieben, es war ein Hobby"

Der erste Band fand laut Verlag in Deutschland 1,8 Millionen Käuferinnen, Teil zwei wurde 1,4 Millionen Mal gekauft oder downgeloadet. Der dritte Teil ("Befreite Lust") erscheint am 24. Oktober. Sie habe mit diesem Erfolg nicht gerechnet, sagt E. L. James. "Ich habe es für mich geschrieben, es war ein Hobby." Große Teile des Textes habe sie auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn in ihr Telefon getippt und abends zu Hause auf den Rechner überspielt.

Ein Saal voller Journalistinnen löchert sie mit Fragen. Wie sie den Erfolg gefeiert hat? Nach New York geflogen, Cocktails am Hotelpool getrunken und Frauen dabei beobachtet, wie sie ihr Buch lesen. Gibt es für den Sado-Maso-Spiele liebenden Helden Christian Grey ein reales Vorbild? "Er ist oben, in meinem Hotelzimmer", sagt sie und lacht. Welche Reaktionen sie bekommen hat? Fast nur positive: Viele Frauen hätten sich bei ihr bedankt und geschrieben: "Von meinem Mann soll ich ausrichten: Er bedankt sich auch."

Dass die Bücher nur deshalb so erfolgreich sind, weil Frauen sie anonym herunterladen und unerkannt auf dem E-Reader lesen können, hält die Autorin für ein Gerücht. "Im Gegenteil: Alle sprechen darüber. Das ist vielleicht das Beste an dem Buch: es bringt Frauen zusammen." Auch, dass "Shades of Grey" als SM-Buch beschrieben wird, gefällt ihr nicht: "Es ist eine Liebesgeschichte, ein Märchen."

E. L. James will ihre Leser nicht zu hartem Sex bekehren

Solche Geschichten darf man auch in Zukunft von ihr erwarten. Sie habe Ideen für "ungefähr fünf" weitere erotische Liebesgeschichten, kündigte sie in Frankfurt an. Zuerst aber will sie ihre frühen Romane - als "Fan Fiction" entstandene Vampir-Geschichten - überarbeiten und an der Hollywood-Verfilmung von "Shades of Grey" mitarbeiten. Ihre Frankfurter Nächte sind kurz: Am Tag vor dem Buchmessenbesuch habe sie gefeiert, "mit meinen 15 Verlegern".

Eine beliebte Interview-Frage beantwortete die Interviewte gleich selbst: "Bevor Sie fragen: Ich habe ein großartiges Sexleben." Sie wolle ihre Leser keineswegs zu hartem Sex bekehren - ebenso wenig, wie sie Paare verurteile, die sich freiwillig darauf einließen. "Ich habe einfach nur meine Fantasie aufgeschrieben. Und wie es scheint, teilen andere Frauen diese Fantasie." Ihr reales Leben berge hingegen wenig Märchenhaftes. Sie mache den Haushalt und all diese Dinge. "Ich bin eine ziemlich langweilige Person."

Sandra Trauner, dpa DPA

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