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Apokalyptische Literatur: Neue Bücher über Tschernobyl

Durch Fukushima rückt auch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wieder in den Blickpunkt. Mehrere Bücher, die an den Super-GAU vor 25 Jahren erinnern, bekommen eine verstörende Aktualität.

Fast schon gespenstisch findet der österreichische Autor Hans Platzgumer das Zusammentreffen der Ereignisse: Just an dem Tag, an dem sein Buch "Der Elefantenfuß" erschien, kam es in Fukushima zur Reaktorkatastrophe. Dabei sollte "Der Elefantenfuß" an den 25. Jahrestag von Tschernobyl am 26. April erinnern. Nun erscheint der Roman auf einmal auch wie ein Menetekel für das, was gerade in Japan droht. Das gilt ebenso für den Reportageband "Tschernobyl Baby" und weitere Neuerscheinungen zum traurigen Jubiläum. All diese Bücher, die sich eigentlich mit der Vergangenheit beschäftigen, besitzen jetzt eine beunruhigende Aktualität.

"Der Elefantenfuß" sei ein Tschernobyl-Roman wider das Vergessen, schreibt der Verlag noch in seinem Klappentext. Die Botschaft des Romans dürfte nun auf fruchtbaren Boden fallen: Eine Reaktorkatastrophe wirft ein zivilisiertes Land zurück ins Mittelalter. Platzgumer entführt uns in eine surreale, archaische Welt, die einem Science-Fiction-Roman entsprungen zu sein scheint. Die radioaktiv verseuchte Zone ist zu einem Niemandsland geworden, das sich die wuchernde Natur langsam zurückerobert.

Personen so apokalyptisch wie die Zone

Eine Wildnis, die bizarre, wahnwitzige Gestalten anzieht. Es treten auf: Ein Gottessucher, der sich bei der Ruine in die Luft sprengen will, drei ukrainische Soldaten, die in dieser entgrenzten Welt alle Hemmungen fallen lassen, ein Langstreckenläufer mit einem Loch im Kopf, der gegen seine traumatisierenden Erinnerungen anrennt. All diese Personen sind so apokalyptisch wie die Zone, in der sie sich bewegen. Ein düsterer, sehr gut recherchierter Roman, angereichert mit vielen Fakten über die Reaktorkatastrophe und ihre Folgen.

Merle Hilbks "Tschernobyl Baby - Wie wir lernten, das Atom zu lieben" ist ein lebendiger Reportageband, der unmittelbare Eindrücke aus der Unglückszone liefert. Die Journalistin empfindet sich als "Tschernobyl Baby": Sie gehört zur Generation, die durch das Reaktorunglück sozialisiert wurde, ebenso wie ihre weißrussische Freundin Mascha, die sich als kleines Mädchen zur Erholung bei westdeutschen Familien aufhielt.

Bilder aus der Sperrzone

Hilbk macht auf ihrer Reise durch Weißrussland eine irritierende Erfahrung: Das typische Tschernobyl-Gefühl ergreift sie hier viel weniger als im heimatlichen Münsterland. Dazu sind die Menschen vor Ort einfach viel zu gleichmütig, "weil alle, die uns in ihre Häuser eingeladen haben, so beschäftigt mit dem Überleben waren ...". Neben sehr vielen erschütternden Geschichten über die Opfer des Unglücks bietet das Buch auch groteske Momentaufnahmen: In der Ukraine werden inzwischen "All-inclusive-Zonentouren" zum Unglücksreaktor angeboten. So manche leicht bekleidete Schönheit posiert in hochhackigen Schuhen vor der Ruine.

Doch Bilder sagen vielleicht mehr als Worte. Der Fotograf Andrej Krementschouk - 2010 mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet - reiste in den vergangenen Jahren immer wieder in das Unglücksgebiet. Das Ergebnis sind zwei Fotobände, die jetzt im Kehrer Verlag erscheinen. Der erste Band zeigt Eindrücke direkt aus der 30-Kilometer-Sperrzone, der zweite aus der damals evakuierten Stadt Prypjat. Es sind Bilder einer Geisterstadt, aber auch eines ländlichen Lebens mit fast idyllischen Zügen, die auf trügerische Art vergessen lassen, welche Katastrophe sich hier abspielte.

Sybille Peine/DPA/DPA

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo