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Buchmesse Leipzig: Sachbücher: Denk-Sportler in Hochform

Nackt-Kraxler Herman Hesse ist nur einer von vielen Literaten, die mit Leidenschaft Körper und Geist trainiert haben. Der Sachbuchmarkt lockt mit Dichtern in Bewegung und bewegenden Schicksalen.

Wer den Dichtern nur Wortakrobatik und allenfalls geistige Beweglichkeit zutraut, irrt sich gewaltig.Denn mit Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte auch für die Kopfmenschen das "Sporten" zum epochalen Zeitvertreib. So fuhr Hermann Hesse leidenschaftlich gern Ski und kraxelte am liebsten ohne Kleider durch die Bergwelt. Albert Camus und Vladimir Nabokov waren Fußballtorwarte, Robert Musil liebte Tennisspielen und Schwimmen, und Vicki Baum zog es in den Boxring. Das Buch "Sportsgeist. Dichter in Bewegung" versammelt im Jahr der Fußball-WM diese originellen Dokumente der Leidenschaft in Wort und Bild.

Natürlich fehlt es auch nicht an intellektueller Auseinandersetzung mit dem wachsenden Trend zur körperlichen Ertüchtigung. "Der große Sport", notierte zum Beispiel der völlig unsportliche und chronisch unterernährte Box-Fan Bert Brecht, "fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein." Was allerdings seiner Faszination für die "feinen Raufereien" keinen Abbruch tat. Zwei Ausstellungen zum Körperkult unserer großen Denk-Sportler flankieren die überraschenden An- und Einsichten: In München im Monacensia (29. März bis 29. September) und im Lübecker Buddenbrookhaus (9. April bis 25. Juni).

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