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Meinung

Bayerns Ministerpräsident: In der Corona-Krise zeigt Markus Söder Format – und, dass er mehr ist als nur ein Polit-Hallodri

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder läuft im Kampf gegen das Coronavirus zu Hochform auf. Ausgerechnet der CSU-Mann, der vor nicht allzu langer Zeit noch als Macht-Macho galt, beweist: Er kann Krise.

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Sogar die sonst eher um gediegene Zurückhaltung bemühte "Frankfurter Allgemeine Zeitung" greift zum Pathos: "Churchill wäre stolz auf ihn", schreiben die Kollegen – sicher nicht ohne einen Schuss Ironie, aber doch auch: mit einem gehörigen Maß an Bewunderung.

Markus Söder wird verglichen mit Winston Churchill, dem unbeugsamen britischen Kriegs-Premier, der sein Vaterland und, zusammen mit den anderen Alliierten, den ganzen Kontinent rettete vor der Hitler-Barbarei. Wer hätte das gedacht?

Vom Macht-Macho zum Krisenmanager

Ohne Zweifel: Markus Söder hat einen Lauf. In der Corona-Krise läuft er zu Hochform auf und zeigt Format. Ausgerechnet Söder, muss man sagen: Der Mann, der vor noch nicht allzu langer Zeit für viele der Inbegriff des halbseidenen Polit-Hallodris war, ein Macht-Macho mit brutalen Umgangsformen, den vor allem eins interessierte: sein persönliches Fortkommen. Und Inhalte dafür weniger. Der dafür sogar bereit war, sich auf Kosten von Flüchtlingen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Unvergessen sein bös-zynisches Wort vom "Asyltourismus".

Aber Söder hat auch eine andere Seite - wer ihn länger beobachtet, kennt sie. Der Mann ist brutal fleißig, gut organisiert, er versteht etwas vom Regierungshandwerk. Er ist hart gegen sich - und seine unmittelbare Umgebung. Er will Ergebnisse. Und zwar schnell. Ein Frühaufsteher, der nicht einen Tropfen Alkohol trinkt und sich stattdessen vorzugsweise von "Cola-Light" ernährt, diszipliniert bis zur Selbstaufgabe. Ein unerbittlicher Antreiber, Voran-Treiber, alles in allem also: schlicht ein guter Regierungshandwerker. Horst Seehofer, der Söder jahrelang in inniger Feindschaft verbunden war, hat immer betont: "Fachlich ist beim Markus alles Tip Top. Da gibt es nichts zu meckern."

Als Seehofer noch Ministerpräsident in Bayern war, besetzte Söder in seinem Kabinett das Ressort des Finanzministers. Und hatte den Laden im Griff, erschien penibel vorbereitet zu jeder Kabinettssitzung, hatte jede Vorlage gelesen und wusste auf alles eine Antwort. Gern gab er die Antwort schon, bevor die Frage überhaupt gestellt worden war.

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Blitzschnelles Bayern, bräsiges Berlin 

Das alles macht sich jetzt bezahlt, wo die Krise zum permanenten Ausnahmezustand wird. Während man in Berlin noch tagelang das Gefühl hatte, die Stadt wird eigentlich gar nicht geführt und der "Regierende Bürgermeister" Michael Müller ist eher ein Nicht-Regierender, der die Arbeit verweigert, drückte Söder aufs Tempo.

Schulschließungen, als andere noch darüber diskutierten, jetzt Ausrufung des "Katastrophenfalls" für Bayern, mit weiteren drakonischen Maßnahmen: "Corona-Parties" von durchgeknallten Halbwüchsigen werden rigoros von der Polizei aufgelöst, Abiturtermine verschoben, Reha-Kliniken und Schönheitsfarmen müssen damit rechnen, dass ihre Räumlichkeiten zwangsweise requiriert werden. Beatmungsgeräte sollen notfalls beschlagnahmt werden, damit sie direkt einsetzbar sind. Um die Gesundheitsbehörden zu verstärken, sollen dorthin 400 Mitarbeiter aus anderen Behörden abgeordnet werden, wo es gerade weniger zu tun gibt. Sie sollen zum Beispiel an den völlig überlasteten Telefonen zur Patientenberatung zum Einsatz kommen. Die bayerische Grenzpolizei (ja, die gibt es, vom politischen Gegner lange belächelt!), unterstützt und entlastet jetzt die Bundespolizei bei der Kontrolle von Einreiseverboten.

Söder kann sich auf eine der deutschlandweit besten Verwaltungen stützen. Kompetenz, Qualität und Effizienz der bayerischen Staatskanzlei sind legendär, sogar die Kanzlerin beneidet Söder um seine versierte Staatskanzleichefin Karolina Gernbauer. In Berlin meinte der "Regierende" Bürgermeister anfangs noch allen Ernstes, ein ganzes Wochenende müssten Bars, Discos und Clubs noch weiter geöffnet haben, eine Verordnung nur Schließung derselben sei "rechtssicher" nicht schneller hinzubekommen. Wäre es dabei geblieben, hätten sich alle in der Hauptstadt nochmal zwei oder drei Tage und Nächte fröhlich anstecken können. In Bayern brauchen sie für so eine Verordnung nicht Tage, sondern zwei oder drei Stunden. Und "rechtssicher" ist sie dann auch noch. Das ist der Unterschied: In der Krise ist gutes, sauberes Handwerk eben gerade nicht spießig und die Berliner Wurschtigkeit nicht lässig. Sondern einfach nur: bräsig und blöd und am Ende sogar lebensgefährlich.

Markus Söder zeigt, dass er ein Profi ist

Söder ist, anders als viele andere Politiker, in der Corina-Krise sehr schnell "vor die Lage" gekommen, um einen Ausdruck aus der Einsatztaktik der Polizei zu verwenden. Hinzu kommen klare Ansagen: Ostern sollen die Bewohner des Freistaates nicht verreisen, sagt Söder. Sondern in Bayern bleiben. "Am besten daheim". Wo es, das würde er in normalen Zeiten anfügen, ohnehin am schönsten ist, hier im Süden der Republik, den Söder, wenn er im Bierzelt-Modus ist, gerne als "Vorstufe zum Paradies" anpreist.

Jetzt aber ist keine Zeit für Bierzelt-Reden, jetzt ist die Zeit für Profis: Und Söder, das zeigt er, ist einer. Dass ihn sein Instinkt für das, was im Volk ankommt, trotzdem nicht verlassen hat, zeigt sein jüngster Vorschlag. An die um ihre Einnahmen fürchtenden Profi-Klubs der Deutschen Fußball-Liga richtet er die publikumswirksame Empfehlung: Statt um staatliche Hilfe nachzusuchen, könnten doch die Spieler mal für eine Übergangszeit auf ihre Millionen-Gehälter verzichten. "Ganz ehrlich: Es ist nicht die wichtigste und vordringlichste Aufgabe jetzt dafür zu sorgen, dass die Profivereine wirtschaftlich überleben können", sagt Söder. Wichtiger sei nun die Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

Recht hat der Mann!

Krise kann er. Viele sagen, nicht erst seit der Corona-Pandemie: Kanzler auch. Profi oder Polit-Darsteller? Markus Söder zeigt, dass beides kein Widerspruch sein muss.

fs