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Buchproduktion: Arabische Länder weit abgeschlagen

Die arabischen Staaten mögen reich an Erdöl sein. Ihr literarischer Ausstoß indes hält sich in Grenzen.

Nicht einmal 2000 belletristische Werke erschienen 1996 einem UN-Bericht zufolge im arabischen Sprachraum, obwohl gut 280 Millionen Menschen in der Region leben. Die 22 arabischen Staaten produzierten damit weniger Bücher als die Türkei, die nur ein Viertel der Einwohner hat. Und obwohl es nur elf Millionen Griechen gibt, werden pro Jahr fünfmal so viele Bücher ins Griechische wie ins Arabische übersetzt. Als beliebteste Werke gelten in der arabischen Welt Lehrbücher und religiöse Schriften. Allein die religiöse Literatur macht 17 Prozent der Veröffentlichungen aus, während sie im weltweiten Durchschnitt lediglich auf fünf Prozent kommt.

Allzu häufig würden Bücher in der arabischen Welt als verbotenes Gut behandelt, dessen Herstellungskosten durch Zensur und bürokratische Prozeduren in die Höhe getrieben werde, kritisiert der UN-Bericht aus dem Jahr 2003. Es sei eine paradoxe Situation, wenn auf arabischen Buchmessen Autoren für Werke ausgezeichnet würden, deren Verkauf draußen auf der Straße von der Zensur verboten sei. Als Bestseller gelte ein arabisches Buch schon ab einer Verkaufszahl von 5000 Stück. Gewöhnliche Werke kämen lediglich mit einer Auflage von 1000 bis 3000 Exemplaren in den Handel.

Wenig Interesse an deutscher Literatur

Auch die hohe Analphabetenrate in einigen arabischen Staaten behindert dem Bericht zufolge den Buchhandel. Dementsprechend hält sich auch das Interesse der arabischen Leser an deutscher Literatur in Grenzen. "Seit den 20er Jahren sind ungefähr 1600 Titel vom Deutschen ins Arabische übersetzt worden, von denen etwa 30 Prozent noch lieferbar sind", sagt der Leiter des Goethe-Institutes in Kairo, Johannes Ebert.

Probleme mit Raubdruckern

Arabische Verleger gingen bei der Übersetzung fremdsprachiger Werke ungern ein finanzielles Risiko ein und erwarteten Subventionen des Ursprungslandes, wie sie etwa Frankreich gewähre, erklärt Peter Ripken von der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika die Diskrepanz. Außerdem gebe es Probleme mit Raubdruckern, die einmal übersetzte Bücher kopierten und den Verlegern damit das Geschäft verderben. Nur etwa 10.000 Bücher wurden dem UNO-Bericht zufolge im vergangenen Jahrtausend ins Arabische übersetzt - so viele, wie jedes Jahr ins Spanische übertragen werden.

Die Bücher im Original zu lesen, ist nach den Worten Eberts für die wenigsten Araber eine Alternative - nicht nur wegen mangelnder Sprachkenntnisse. In der Originalsprache seien etwa in Kairo westliche Bücher zwar im Buchhandel erhältlich. "Aber das Problem liegt darin, dass die westlichen Bücher inzwischen sehr teuer sind und das sich nur ganz wenige Leute die Preise leisten können", sagt er.

Steigende Zahl an Neuerscheinungen

Ein Ansturm auf schöngeistige westliche Literatur wäre aber wohl auch bei geringeren Preisen nicht zu erwarten. Bestseller auf der Kairoer Buchmesse sind eine UN-Umfrage unter Verlegern zufolge religiöse Werke gefolgt von Lehrbüchern. Zuverlässige Zahlen für den arabischen Buchmarkt gibt es aber nicht. Erst Ende der 60er Jahre wurde in Ägypten der erste arabische Verlegerverband gegründet. 20.000 bis 31.000 neue Titel werden nach Angaben des Präsidenten des Arabischen Verlegerverbandes, Ibrahim El Moallem, pro Jahr in der arabischen Welt veröffentlicht. Damit widerspricht er dem UN-Bericht, wertet die die steigende Zahl der Neuerscheinungen jedoch positiv. Immerhin seien in den vergangenen zwei Jahrhunderten insgesamt nur 400.000 arabische Titel publiziert worden.

Reuters / Reuters
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