Cornelia Funke Die "deutsche Rowling" zieht um


Deutschlands bekannteste Kinderbuchautorin sitzt auf gepackten Koffern: Die 46-jährige Cornelia Funke, Bestsellerautorin von Büchern wie "Drachenreiter", "Herr der Diebe" und "Tintenherz", verlässt in dieser Woche ihre Heimat.

Die längst auch international erfolgreiche Schriftstellerin, die oft mit "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling verglichen wird, zieht mit ihrem Mann und den beiden Kindern in die USA - nicht für immer, aber auf unbestimmte Zeit. "Ich zähle schon die Tage", gesteht sie. Dabei freut sich die 46-Jährige nicht nur auf in Kalifornien lebende Freunde und "das bessere Wetter". Bislang wohnte Funke am Stadtrand von Hamburg.

Der amerikanischen Kultur sehr nah

Das Herz der Deutschen schlägt schon lange für England und die USA, sich selbst sieht sie in der angelsächsischen Erzähltradition verhaftet. "Ich lese fast nur angelsächsische und amerikanische Literatur", sagt sie, "und auch beim Film und vielen anderen Dingen fühle ich mich dem sehr nah." So ging auch für die Autorin mit der Eroberung des englischen und amerikanischen Marktes ein Wunschtraum in Erfüllung. Noch auf eigene Kosten hatte die einstige Erzieherin ihren Roman "Herr der Diebe" von einem Cousin übersetzen lassen. Rowling-Entdecker Barry Cunningham erwarb die weltweiten englischsprachigen Buchrechte, "The Thief Lord" schaffte Spitzenplätze in den Bestsellerlisten von "New York Times" und "Publishers Weekly".

Vom US-Magazin "Time" zur einflussreichsten Deutschen gekürt

In 27 Ländern erschien das 400 Seiten dicke Kinderbuch über eine Bande von Straßenkindern in Venedig. Es war der internationale Durchbruch für die Fantasy-Autorin, deren mehr als 40 Bücher allein eine deutschen Gesamtauflage von rund drei Millionen Exemplaren erreicht haben. Erst mit dem internationalen Erfolg wuchs dann schließlich die Bekanntheit im eigenen Land - inzwischen freut sich Funke in Amerika auch auf ein Leben mit weniger Trubel. Zwar ist die Autorin auch dort schon sehr bekannt, das US-Magazin "Time" kürte sie jüngst zur "einflussreichsten Deutschen". "Aber in Amerika teilt man sich den Ruhm eben mit vielen anderen", meint sie bescheiden.

Viel ruhiger dürfte das Leben der Schriftstellerin in Los Angeles trotzdem nicht werden. Dafür sorgen schon die Verfilmungen ihrer erfolgreichsten Bücher, an denen die Autorin aktiv mitwirkt. "Der "Herr der Diebe" ist jetzt abgedreht und feiert am 6. Dezember in Hamburg Europapremiere, und das Drehbuch für "Tintenherz" wurde inzwischen in der zweiten Fassung überarbeitet", berichtet der bekennende "Filmfreak" mit kleinem Heimkino und tausenden Videos und DVDs. Außerdem beginnen in Deutschland im Juli die Dreharbeiten für "Die wilden Hühner", und Funke feilt gerade am Drehbuch für "Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel".

Zweiter Teil der "Tintenblut"-Trilogie erscheint im Herbst

Und schließlich muss noch Zeit zum Schreiben bleiben. Im Herbst erscheint mit "Tintenblut" der zweite Teil der "Tintenherz"-Trilogie, mit dem letzten Band hat Funke gerade begonnen. "Wie die Geschichte endet, weiß ich noch nicht. Ich will es auch nicht wissen, sonst langweile ich mich", erzählt die Autorin. "Natürlich plane ich einiges vor und konstruiere, aber wie es letztlich läuft, das überlasse ich den Figuren. Das ist das Abenteuerlichste daran." Dafür weiß die Schriftstellerin schon jetzt, was sie danach zu Papier bringen will: eine Geistergeschichte, die in England spielt.

Auch für Besuche in Deutschland will sich Funke Platz im Terminkalender frei halten, etwa im Herbst für "Tintenblut"-Lesungen oder den 70. Geburtstag ihrer Mutter. Was sie am meisten vermissen wird, weiß sie auch schon: "Den guten Kuchen, viele Freunde, die Jahreszeiten, aber bestimmt nicht den Regen." Wichtig ist der Autorin, dass auch im neuen Zuhause deutsch gesprochen wird - Tochter Anna und Sohn Ben sollen die Muttersprache nicht verlernen. "Die Familie ist mir sowieso immer noch das Wichtigste. Wenn ich merken würde, dass meine Kinder sich zum Nachteil verändern, wäre ich sofort wieder zurück in Deutschland."

Dorit Koch/DPA DPA

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