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Deutscher Bücherpreis: Christa Wolf für Lebenswerk geehrt

Den erstmals vergebenen Deutschen Bücherpreis haben in Leipzig der schwedische Autor Per Olov Enquist und seine deutschen Kollegen Ulla Hahn, Günter de Bruyn und Dietrich Schwanitz erhalten.

Der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist und die deutsche Lyrikerin Ulla Hahn haben bei der Leipziger Buchmesse den erstmals verliehenen Deutschen Bücherpreis erhalten. Sie wurden in den Kategorien internationale und deutschsprachige Belletristik ausgezeichnet, Enquist für seinen Roman »Der Besuch des Leibarztes« und Hahn für den Roman »Das verborgene Wort«. Der Deutsche Bücherpreis wurde in neun Kategorien vergeben, davon standen zwei Preisträger bereits vor der Gala fest: Christa Wolf wurde für ihr Lebenswerk geehrt, und die Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling bekam den Publikumspreis.

Günter Grass hielt die Laudatio

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass überreichte Wolf die nach einer von ihm entworfenen Plastik geschaffene Bronzeskulptur »Butt im Griff« als Höhepunkt der TV-Gala mit dem Titel »Schwarz auf Weiß«. Grass würdigte die Kollegin als »Autorin von Weltrang«, die zu Hause immer umstritten gewesen sei. Östliche Zensurschneider und westliche Scharfrichter hätten ihr über Jahrzehnte gesamtdeutsches Geleit gegeben. »Nur Deine Leser ließen sich nicht teilen.« Ihr sei es gelungen, »die deutschen Wackersteine über die Grenze, auch über die Sprachgrenze zu retten und sie uns, Deinen Lesern, als dem Gedächtnis hilfreiche Beschwernis zuzumuten«, sagte er. Ihren Büchern, die verführten und »zu uns selbst« führten, sei nicht auszuweichen.

Wider den Waren-Charakter

Wolf mahnte, den Waren-Charakter des Buches nicht überhand nehmen zu lassen. »Wir sollten nicht der Versuchung erliegen, das Buch als Ware den schier übermäßigen Reizen des Marktes und der Spaßgesellschaft auszuliefern.« Notwendig sei auch eine große Veranstaltung für unbekannte, aber wichtige Autoren und ihre unverzichtbaren Bücher, die leider nicht auf Bestsellerlisten kämen.

»Tagesschau«-Sprecher Jan Hofer in seiner Funktion nannte Enquist »einen der bedeutendsten europäischen Autoren der Gegenwart«. Der CDU-Politiker und Laudator Heiner Geissler sagte, Ulla Hahn habe »das Vorurteil mancher Päpste glänzend widerlegt, dass Lyrikerinnen keinen Roman schreiben können«.

Rowling ist auf Flitterwochen

Günter de Bruyn wurde in der Kategorie Zeitgeschichte für seine Biografie »Preussens Luise« ausgezeichnet. »Geschichte wird lebendig und damit gegenwärtig, wenn de Breuyn darüber schreibt«, sagte Laudatorin und Schauspielerin Angelica Domröse. Der Schauspieler Rufus Beck nahm den Publikumspreis für »Harry Potter und der Feuerkelch« entgegen und verschwand mit dem »Bücher-Butt« zum Hogwarts-Express im Pfeiler am Bahnsteig Neun-Dreiviertel. Autorin Joanne K. Rowling war wegen Flitterwochen verhindert. In der Kategorie Sachbuch setzte sich »Männer - Eine Spezies wird besichtigt« von Dietrich Schwanitz durch.

Biolek vom Laudator parodiert

Das Autoren-Duo Alfred Biolek und Starkoch Eckart Witzigmann erhielt den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie »Ratgeber« für »Unser Kochbuch«. Als Laudator parodierte der Dresdner Kabarettist Tom Pauls den Talkmaster und löste bei Publikum und Original Beifallsstürme aus. »Der Butt hängt ja rein geschmacklich eine winzige Nuance neben dem Topf, nicht wahr?«, meinte Pauls.

Mime und Frauenschwarm Ralf Bauer fand lobende Worte für die in Leipzig lebende Jung-Autorin Juli Zeh, deren Debütroman »Adler und Engel« der Jury ein Deutscher Bücherpreis wert war. »Das Buch beschreibt in deutlicher Art und entwaffnender Ehrlichkeit, wie es hinter den Kulissen eines einzelnen Menschen und der Weltpolitik aussehen kann«, sagte er. Zeh bedankte sich bei der literarischen Welt, die momentan den jungen Autoren weit offen stehe. »Das große Interesse an den Debütanten ist ein sehr großes Geschenk.«

Kategorie »Kinderbuch«

Autorin Mirjam Pressler erhielt für ihre Geschichte des jüdischen Mädchens Malka die Auszeichnung in der Kategorie »Kinderbuch«, die ihr der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, mit einem jüdischen Wunsch überreichte.